idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
10.10.2018 15:08

Versorgungsforschungspreis 2018 für Arbeit zur ophthalmologischen Versorgung in Seniorenheimen

Dr. Gisela Nellessen-Martens Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e.V.

    Der Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF) e.V. wird in diesem Jahr für eine herausragende Arbeit aus dem Bereich der ophthalmologischen Versorgung in Seniorenheimen (die OVIS-Studie) vergeben. Die Jury wählte die Arbeit, die 2017 von einer Autorengruppe um die Preisträgerin Frau Dr. Petra P. Larsen (geb. Fang) an der Universitäts-Augenklinik Bonn (Direktor Prof. Dr. Frank G. Holz) und der multizentrischen Studiengruppe publiziert wurde, aufgrund der hohen Relevanz für die Patientenversorgung und der anspruchsvollen wissenschaftlichen Herangehensweise aus.

    Aufgrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung ist die Anzahl der Menschen höheren Lebensalters gestiegen, die in Seniorenheimen vollstationär gepflegt werden. Mit dem Wechsel in ein Heim wird die ärztliche Versorgung komplizierter; verschiedene regionale Studien weisen insbesondere auf eine ambulante fachärztliche Unterversorgung hin. Vor diesem Hintergrund wurde in der OVIS-Studie die aktuelle augenärztliche Versorgung in Seniorenheimen in Deutschland untersucht; die Studie kommt zum Ergebnis, dass in Deutschland eine erhebliche ophthalmologische Unterversorgung in Seniorenheimen besteht.
    Insgesamt wurden 600 Bewohner durch 14 deutsche Augenkliniken in 32 Seniorenheimen untersucht. Die Bewohner waren im Durchschnitt 83 Jahre alt und fast die Hälfte gab aktuelle Sehprobleme an (47%). In der augenärztlichen Untersuchung zeigten sich bei 61% der Bewohner behandlungsbedürftige Augenbefunde. In der Mehrzahl der Fälle wurden jährliche Kontrollen bei einem Augenarzt empfohlen (32%), bei einem Fünftel jedoch eine rasche Vorstellung innerhalb von 2 Monaten (20%) und bei 4% eine sofortige Vorstellung (innerhalb von 2 Wochen). Behandlungsbedarf ergab sich z.B. durch einen grauen Star, der bei etwas über der Hälfte (53%) vorlag und in 62% der Fälle als operationswürdig vom untersuchenden Arzt eingestuft wurde. In der gesamten Stichprobe lag der letzte Augenarztbesuch im Durchschnitt ca. 4 Jahre zurück. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt, sich ab dem 40. Lebensjahr ein- bis zweimal jährlich beim Augenarzt untersuchen zu lassen, da viele Augenerkrankungen altersbedingt sind und schleichend beginnen. Mehr als die Hälfte (61%) gab an, prinzipiell noch mobil genug zu sein, um einen Augenarzt aufsuchen zu können. Die restlichen 39% gaben folgende Hürden an: fehlender Transport (51%), fehlende Unterstützung/Hilfe (26%), fehlende subjektive Notwendigkeit (12%), fehlende barrierefreie Augenarztpraxis (6%) und Kosten (5%).
    Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass im Bereich der augenärztlichen Versorgung weitere Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden müssen, um die Unterversorgung zu beheben. Die Implementierung neuer Ausbildungskonzepte in der Pflege unter Einbeziehung der Augenheilkunde, die Durchführung regelmäßiger ophthalmologischer Untersuchungen oder die Dokumentation von Sehhilfen auf Überleitungsbögen stellen erste sinnvolle Schritte dar. Um die augenärztliche Versorgung von Bewohnern in Seniorenheimen auf einem ausreichenden Niveau sicherzustellen, besteht in Deutschland jedoch auch der Bedarf für neue bzw. eine Erweiterung der derzeitigen Modelle zur augenärztlichen Versorgung von älteren Menschen in Heimen.

    Der mit 2.500 € dotierte Preis wird im Gedenken an das DNVF-Ehrenmitglied Prof. Dr. Wilfried Lorenz in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben. Prof. Lorenz hat sich viele Jahrzehnte um die Versorgungsforschung verdient gemacht. Die Vergabe des Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreises 2018 findet im Rahmen der Eröffnungsfeier des 17. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung am Mittwoch, dem 10. Oktober, von 13.30 – 15.00 Uhr in der Urania Berlin statt. Da die Preisträgerin den Preis aufgrund eines längeren Forschungsaufenthalts im Ausland nicht persönlich entgegennehmen kann, wird die Co-Autorin Frau Anne Schnetzer die Auszeichnung entgegennehmen. Der Preis wurdd durch die Vorsitzende des DNVF Frau PD Dr. Monika Klinkhammer-Schalke sowie durch das Vorstandsmitglied und den Vorsitzenden der Preis-Jury Herrn Prof. Dr. Edmund Neugebauer überreicht.

    Die OVIS-Studie wurde von der Stiftung Auge der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft gefördert.

    Der Namensgeber des Preises, Prof. Wilfried Lorenz, studierte Medizin und promovierte in München, wo er 1969 für klinische Chemie habilitiert wurde. Ab 1970 war er Leiter der Abteilung für experimentelle Chirurgie und pathologische Biochemie an der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums. Dort leitete er ab 1998 das Institut für Theoretische Chirurgie an der Philipps Universität Marburg. Über tausend wissenschaftliche Beiträge, meist in Englisch und Deutsch, aber auch in Französisch und Spanisch, zeugen von seiner großen Schaffenskraft. Er war Ehrenmitglied des Deutschen Netzwerks und auf dem Gebiet der Versorgungsforschung wegbereitend tätig. Zahlreiche nationale und internationale Ehrungen bezeugen seine hohe Reputation, so das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und die Euricius-Cordus-Medaille der Marburger Universitätsmedizin für sein Lebenswerk. Prof. Wilfried Lorenz ist 2014 verstorben.

    Ihre Ansprechpartnerin:
    Dr. Gisela Nellessen-Martens (Geschäftsführerin des DNVF e.V.),
    Tel.: 0221 - 478-97115, dnvf@uk-koeln.de


    Originalpublikation:

    Fang PP, Schnetzer A, Kupitz DG, et al. Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen: Die OVIS-Studie. Ophthalmologe. 2017;114(9):818-827. doi:10.1007/s00347-017-0557-0.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay