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23.11.2018 15:17

Wikipedia auf dem Lehrplan: Pharmazie-Studenten überarbeiten Einträge zum Allgemeinwohl

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

    Die Nase läuft, der Rücken schmerzt oder die Schnittwunde verheilt nicht – in diesen Fällen wenden sich viele Menschen an das Internet. So mancher hat sich mithilfe von „Dr. Google“ wohl auch schon selbst eine Diagnose gestellt. Pharmazie-Studenten der Monash University in Australien haben nun auf dem Lehrplan, die Wikipedia-Seiten zu Gesundheitsthemen zu verbessern und valide und gute Informationen für jeden weltweit zugänglich zu machen.

    Wenn sich Menschen selbst über Internetmaschinen medizinische Diagnosen stellen, ist das als „Dr. Google konsultieren“ sehr bekannt. Dieses Phänomen ist nicht neu und bereits tief verwurzelt.

    Ab 2019 werden Pharmazie-Studenten der Monash University in Melbourne die ersten Studierenden in Australien sein, die im Rahmen eines Seminars lernen, wie man Wikipedia-Seiten mit medizinischen Abhandlungen editiert. Bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia kann jeder mithilfe der Tools der Seite Inhalte hinzufügen oder entfernen.

    Das Konzept wurde von Professor Tina Brock, Direktorin der Abteilung „Pharmacy Education“, entwickelt. Diese Woche veröffentlichte sie einen Aufsatz mit dem Titel „Paving the desire paths of health information needs – Teaching students to edit Wikipedia“ in dem BMC Medical Education-Journal. Der Aufsatz basiert auf der Forschung, an der sie 2016 an der University of California in San Francisco maßgeblich beteiligt war.

    „Wikipedia hat großartige Tools und Dashboards erschaffen, welche es Dozenten erleichtern, über Wikipedia zu lehren“, erklärt Professor Brock. „Mein Ziel für Pharmazie-Studiengänge weltweit ist es, Seiten zu übernehmen und zu gewährleisten, dass diese stets auf dem neuesten Stand gehalten sind. Das hilft sehr, gute und valide Informationen zu verbreiten.“

    „Aber das war zunächst nicht so leicht umzusetzen, denn es handelt sich um ein neues Lehrmodell, das nicht sofort alle überzeugt hat. Aber was wir im Seminarraum tun, hat tatsächlich reale Auswirkungen, und die Bevölkerung kann davon profitieren. Stellen Sie sich vor, dass gute und geprüfte Informationen über Medizin weltweit frei verfügbar wären!“

    Bei dem Projekt in Kalifornien editierten Medizinstudenten im Rahmen eines Wahlfachs Wikipedia-Seiten über Krankheiten und Diagnosen. Danach wiederholten mehr als 100 Pharmazie-Studenten dieselbe Aufgabe. In diesem Fall jedoch haben sie an Seiten über Arzneimittel gearbeitet und sich dabei besonders auf Seiten, die sehr häufig besucht wurden, allerdings eine niedrige Genauigkeit aufwiesen, konzentriert.

    Der in dieser Woche veröffentlichte Aufsatz führt aus, dass auf diese Weise „sowohl die Informationen für die Öffentlichkeit als auch die Kommunikations-Fähigkeiten der Studenten verbessert wurden. Die Auswirkung der von den Studierenden vorgenommenen Änderungen war substanziell für die Verbesserung der Genauigkeit und Verständlichkeit der medizinischen Seiten, und es erhöhte die Besuche der entsprechenden Seiten, welches die Effekte dieses Eingreifens noch zusätzlich vergrößert.“

    An den meisten Universitäten (einschließlich der Monash University) müssen Pharmazie-Studenten medizinische Informationen mithilfe von Berichten, Monographien oder Benutzerhandbüchern darstellen. Dieses neue Lehrprogramm geht mit seinen „evidence-based medicine practices“ einen Schritt weiter.

    Zum Teil handelt es sich dabei auch um eine Generationen-Frage. Wikipedia und Google sind mittlerweile omnipräsent und ihre Verwendung sehr weit verbreitet. Eine neue Generation von Studierenden wird den Wert von Wikipedia als sehr viel nützlicher einschätzen, während sie gleichzeitig dessen Offenheit für Beiträge von Jedermann respektieren.

    Die University of California ist die erste Hochschule, an der Studierende der Pharmazie oder Medizin in einem Seminar Wikipedia-Seiten editiert und dafür Credits bekommen haben. Der Aufsatz erläutert, dass auf diese Weise „Seiten von schlechter Qualität entfernt werden konnten, bessere Quellen angegeben wurden und neue Informationen hinzugefügt wurden, während die Studenten lernen konnten, wie sie am besten medizinische Informationen darstellen und dies zusätzlich für die Öffentlichkeit sichtbar war.“

    "Wikipedia", so sagt Professor Brock, "hat sich in etwas verwandet, was Akademiker und verkehrstechnische Planer als ´desire path´ bezeichnen. Dabei handelt es sich um eine Abkürzung und zwar einen sehr ausgetretenen und viel besuchten Weg. Die Idee zielt nun darauf ab, so Professor Brock, dass diese Abkürzung für die Nutzer verbessert wird."

    Professor Brocks beruflicher Hintergrund ist globale Gesundheit, weshalb die Vorstellung einer Demokratisierung der Verbreitung von guten Gesundheitsinformationen für sie so ansprechend war. Eine gemeinnützige, humanitäre Gruppe mit dem Namen „Übersetzer ohne Grenzen“ hat bereits begonnen, die Wikipedia-Seiten in verschiedene Sprachen zu übersetzen.

    Ihr Kalifornien-Projekt nahm etwa zur selben Zeit ihren Anfang wie die Ebola-Krise in West-Afrika. „Menschen wandten sich für Informationen an Wikipedia“, sagt sie, „und nicht, zum Beispiel, an die Zentren für Seuchenbekämpfung.“

    „Wikipedia ist ein Ort, an dem Studenten, die Öffentlichkeit und sogar Gesundheitsexperten ihre Informationen suchen. Wenn wir unsere Studenten lehren, Wikipedia zu verbessern, dann ist das Endprodukt für die Menschen weltweit sehr, sehr hilfreich.“

    Weitere Informationen:

    Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
    Pressestelle Friedrichstr. 95
    10117 Berlin
    Email: berlin(at)ranke-heinemann.de
    Tel.: 030-20 96 29 593

    oder:

    Tina Brock
    Email: Tina.Brock(at)monash.edu
    Telefon: + 61 3 9903 9502
    Faculty of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences

    Bei Veröffentlichung der Pressemitteilung bitten wir um eine Quellenangabe sowie die Zusendung eines Belegexemplars.

    Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.


    Weitere Informationen:

    https://www.ranke-heinemann.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Medizin, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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