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04.12.2018 15:15

Empathie bei Führungskräften: Zu viel Einfühlungsvermögen schadet in Krisensituationen

Katrina Jordan Abteilung Kommunikation
Universität Passau

    Empathie kann bei Vorstandsvorsitzenden zu absurden Entscheidungen führen – wie beispielsweise hohe Boni für diejenigen, die für die Krise verantwortlich sind. Das ist eine der Aussagen einer konzeptionellen Studie von Forschenden aus Passau und den USA, die in dem angesehenen Journal „Academy of Management Review“ erschienen ist.

    Empathie – darunter verstehen die Autoren und die Autorin der Studie eine Persönlichkeitseigenschaft, die zunächst einmal positiv besetzt ist. Sie beschreibt unter anderem die Fähigkeit, sich in andere Menschen einfühlen zu können.

    „Es handelt sich um eine Eigenschaft, die Vorstandsvorsitzende haben sollten“, erklärt Prof. Dr. Andreas König, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Strategisches Management, Innovation und Entrepreneurship an der Universität Passau. „Denn Empathie hilft in vielen Situationen, insbesondere auch in Krisen. Das Problem ist, dass sie auch Schaden anrichten kann.“

    Die Autoren und die Autorin nennen in der Studie unter anderem das Beispiel von Robert Benmosche, dem langjährigen Chef des US-Versicherers AIG, der in der Hochphase der Finanzkrise Boni in Millionen-Höhe an Personen auszahlte, die für die Misere verantwortlich waren. Befragt nach seinen Motiven nannte Benmosche sein Mitgefühl mit dieser Gruppe.

    Die Forschenden stellen in ihrer Studie zum Einfluss von Empathie auf das Krisenmanagement von Führungskräften folgende Thesen auf:
    • Je empathischer eine Führungskraft ist, umso schneller erkennt sie mögliche Warnsignale – wird aber auch Krisen sehen, wo gar keine sind. Empathischere Führungskräfte erklären häufiger falschen Alarm.
    • Empathie hilft Führungskräften, in der Krise an die relevanten Informationen zu kommen, macht sie aber auch voreingenommen in der Verarbeitung dieser Informationen. Fachkräfte teilen ihr Wissen eher mit einer/m Vorgesetzten, die oder der empathisch ist. Allerdings fehlt einer solchen Person in Krisensituationen der kühle Kopf, um die Informationen nüchtern auszuwerten.
    • Je empathischer eine Führungskraft ist, desto leichter fällt es ihr, Mitgefühl und Verständnis zu zeigen – das ist grundsätzlich lobenswert, oft aber nur bis zu einem gewissen Grade richtig. In der Krisenkommunikation darf eine Führungskraft im Interesse des Unternehmens und der Beschäftigten nicht voreilig zu viel Verantwortung auf sich nehmen. Sonst kann das Bild, das Stakeholder wie die Öffentlichkeit und Investoren von der Organisation haben, unberechtigterweise kippen, mit langfristigem Schaden für alle Organisationsmitglieder.
    • Je empathischer eine Führungskraft ist, desto besser gelingt es ihr, das verletzte Beziehungssystem nach einer Krise zu heilen – aber desto schwerer fällt es ihr, operativen Schaden zu beseitigen. Eine empathischere Führungskraft kann besser erkennen, wann die Belegschaft bereit ist, einen Neuanfang zu wagen. Allerdings bleibt dieser Führungskraft kaum Zeit, um operative Herausforderungen und technische Detailarbeit zu meistern.

    „Die Kernbotschaft unserer Studie lautet: In vielen Aspekten beeinflusst Empathie das Krisenmanagement zunächst positiv. Doch es gibt einen Punkt, an dem das Verhältnis kippt. Empathie von Vorstandsvorsitzenden und effektives Krisenmanagement stehen also in einem umgekehrt U-förmigen Zusammenhang“, erklärt der Passauer Innovationsforscher Prof. Dr. König. Die Studie ist unter dem Titel „A blessing and a curse: How CEOs‘ empathy affects their management of organizational crises“ im Academy of Management Review erschienen, einer der international bedeutendensten wissenschaftlichen Zeitschriften zu betriebswirtschaftlichen Themen.

    Über die Autoren und die Autorin:

    • Prof. Dr. Andreas König, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Strategisches Management, Innovation und Entrepreneurship an der Universität Passau
    • Dr. Lorenz Graf-Vlachy, Akademischer Rat am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Strategisches Management, Innovation und Entrepreneurship an der Universität Passau
    • Prof. Dr. Jon Bundy, Assistant Professor an der W.P. Carey School of Business der Arizona State University (USA).
    • Prof. Dr. Laura Little, Associate Professor am Terry College of Business der University of Georgia (USA) und Direktorin des dortigen Instituts für Leadership Advancement.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Andreas König
    andreas.koenig@uni-passau.de


    Originalpublikation:

    https://journals.aom.org/doi/10.5465/amr.2017.0387 - Originalstudie „A blessing and a curse: How CEOs’ empathy affects their management of organizational crisis“


    Weitere Informationen:

    https://univideo.uni-passau.de/2018/11/prof-dr-andreas-koenig-ueber-empathie-bei... - Video zur Studie


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


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