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11.12.2018 12:30

Stellungnahme der Gesellschaft Deutscher Chemiker zu „Plan S“

Dr. Karin J. Schmitz Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

    Open Access: GDCh sieht Verbesserungsbedarf am „Plan S“ von elf Forschungsförderorganisationen aus Europa

    Der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat auf seiner letzten Sitzung am 6. Dezember 2018 eine Stellungnahme zum sogenannten „Plan S“ verabschiedet. Die GDCh unterstützt die grundsätzliche Intention von Plan S, übt aber deutliche Kritik an einigen Punkten.

    Die cOAlition S, ein Zusammenschluss von elf Forschungsförderorganisationen aus Europa, hat am 4. September 2018 den sogenannten Plan S veröffentlicht. Dieser Plan definiert in zehn Prinzipien die Rahmenbedingungen für die von diesen Förderorganisationen finanzierten Forschungsergebnisse für den Übergang zu Open Access (http://www.coalition-s.org/10-principles).

    Die GDCh unterstützt die grundsätzliche Intention von Plan S und begrüßt ausdrücklich einige der formulierten Prinzipien. Bei anderen hat sie jedoch erhebliche Bedenken, dass einige der Kernpunkte signifikante schädliche Auswirkungen auf die betroffenen Wissenschaftler/innen und auf den Forschungsstandort Europa haben werden.

    Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verpflichtet sich in ihrer Satzung zur Förderung des wissenschaftlichen Publikations- und Informationswesens. Sie unterstützt daher alle Aktivitäten, die diesem Ziel dienen, insbesondere auch Open Access, also den für Leser kostenfreien Zugang zu den digitalen Inhalten von Publikationen einschließlich erweiterter Nutzungsmöglichkeiten. Allerdings hat die GDCh wiederholt darauf hingewiesen, zuletzt mit ihrem Positionspapier „Zur Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens“ vom Dezember 2013, dass alle diese Aktivitäten der Wissenschaft dienen müssen. Zudem dürfen sie Autoren nicht behindern und müssen auf belastbaren und nachhaltigen Geschäftsmodellen beruhen.

    So kritisiert die GDCh, dass Preprint-Server laut der „Guidance on the Implementation of Plan S“ vom 27. November 2018 explizit nicht das Gebot der OA-Publikation erfüllen sollen. Die GDCh hat gemeinsam mit ihren Schwestergesellschaften aus den USA und Großbritannien kürzlich den Preprint-Server ChemRxiv eingerichtet und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu Open Access. Auch die Festlegung, dass Hybrid-Journale, also Subskriptionszeitschriften, in denen Autoren gegen Zahlung einer Gebühr ihren Beitrag Open Access schalten können, mit den Plan S-Prinzipien nicht kompatibel sind, hält die GDCh für problematisch. Etwa 85 % aller Zeitschriften, darunter in der Chemie alle renommierten und selektiven Journale, wie etwa Angew. Chem. und J. Am. Chem. Soc., sind davon betroffen und stehen für an Plan S gebundene Autoren nicht mehr zur Verfügung. Dies wird gravierende negative Auswirkungen auf Autoren, Leser und die betroffenen Fachgesellschaften haben.

    „Wir befürchten auch, dass eine Standardisierung und Begrenzung der Autorengebühren zur Folge hat, dass qualitativ hochwertige Zeitschriften, deren Kosten pro Artikel wegen der hohen Ablehnungsquote notwendigerweise höher sind, unter großen ökonomischen Druck geraten“, sagt GDCh-Geschäftsführer Prof. Dr. Wolfram Koch. „Auch dies betrifft in der Chemie zuallererst die von uns oder anderen Fachgesellschaften herausgegebenen Journale. Qualitativ durchschnittliche oder gar minderwertige Journale werden durch dieses Geschäftsmodell begünstigt und die Anzahl der sog. Predatory Journals wird sich zum Nachteil der Wissenschaft erhöhen.“

    In ihrem Positionspapier vom Dezember 2013 hat sich die GDCh ausdrücklich zur Freiheit des Forschenden bekannt und Mandate, die Wissenschaftler zu einer Open Access Publikation verpflichten, explizit abgelehnt. Der in Plan S formulierte Ausschluss von Hybridjournalen, die Verpflichtung, die publizierten Arbeiten unter eine möglichst liberale, offene Lizenz (bevorzugt CC-BY) zu stellen, sowie die angedrohte Sanktionierung bei Nichtbefolgen sind erhebliche Eingriffe in die Freiheit des Forschenden, denen die GDCh, nicht zuletzt mit Blick auf § 5 Abs. 3 GG, nicht zustimmen kann.

    Die GDCh appelliert an die Unterstützer von Plan S, die Bedenken der GDCh und ihrer über 30.000 Mitglieder aus den chemischen Wissenschaften in künftige Überlegungen und Implementierungspläne einfließen zu lassen. Das berechtige Ziel, wissenschaftliche Ergebnisse für alle frei zugänglich zu machen, darf nicht durch nicht-intendierte, wissenschaftsschädliche Folgen konterkariert werden.

    Die vollständige Stellungnahme im Wortlaut ist unter https://www.gdch.de/service-information/nachricht/article/stellungnahme-der-gese... veröffentlicht.

    Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist mit über 30.000 Mitgliedern die größte chemiewissenschaftliche Fachgesellschaft Kontinentaleuropas. In ihrer Satzung verpflichtet sich die GDCh, das wissenschaftliche Publikations- und Informationswesen zu fördern. Sie ist Eigentümerin oder Miteigentümerin von etwa 20 international renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften, darunter die Angewandte Chemie, eine der weltweit führenden Chemiezeitschriften.


    Weitere Informationen:

    http://www.gdch.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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