„Es werden mehr Lebensgrundlagen verloren gehen“

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
18.12.2018 08:44

„Es werden mehr Lebensgrundlagen verloren gehen“

Peter Kuntz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

    Trierer Wissenschaftler hat maßgeblich an einem neuen Atlas mitgewirkt, der ein bedenkliches Bild des globalen Umweltzustands zeichnet.

    In den 1990er-Jahren dokumentierten Wissenschaftler die weltweite Ausbreitung von Trocken- und Wüstengebieten im „World Atlas of Desertification“ (WAD). Gerade ist die dritte Auflage erschienen, die weit über diese ursprüngliche Absicht hinausreicht. Der dritte „World Atlas“ ist ein nachdenklich stimmender Zustandsbericht der globalen Umweltsituation.

    „Wir müssen davon ausgehen, dass künftig noch mehr ökologische Lebensgrundlagen verloren gehen“, sagt Joachim Hill, Mitglied des sechsköpfigen internationalen Autorenteams des WAD. Der Professor für Umweltfernerkundung und Geoinformatik an der Universität Trier erwartet, dass von dieser Entwicklung Industrienationen wie die USA und Staaten in Europa nicht verschont bleiben. Sei es, dass sie von erhöhtem Migrationsdruck durch Klima- und Wirtschaftsflüchtlinge betroffen sind oder durch Verschlechterung von Bodenqualität und Ressourcen auf eigenem Territorium. „Vor dem Hintergrund des nicht mehr zu bestreitenden globalen Klimawandels geraten in Europa insbesondere die Mittelmeergebiete unter Druck. Auch die USA und Australien werden in ihren ausgedehnten Trockengebieten mit Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs und zurückgehenden Niederschlägen konfrontiert sein“, prognostiziert der Trierer Wissenschaftler.

    Seit der WAD 1997 zuletzt erschienen ist, war eine Vielzahl von landschaftsverändernden Prozessen zu beobachten. Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um regional wirksame Effekte des Klimawandels und um unangepasste Formen der Landnutzung. „Im Rahmen einer globalisierten Wirtschaft sind sie in vielfacher Hinsicht von Entwicklungen abhängig, die weit entfernt, unter Umständen sogar auf anderen Kontinenten ablaufen“, stellt Professor Hill fest. Diese Komplexität stellt der Atlas heraus. Er dokumentiert auch Hintergründe wie Bevölkerungswachstum, intensivierte Land- und Forstwirtschaft sowie Ausbeutung von Ressourcen und zeigt Modelle zur Erklärung von Ursachen auf.
    Joachim Hill verdeutlicht die Problematik an zwei Beispielen: In Nordchina habe man auf die explosionsartig steigende Nachfrage nach Fleischnahrung mit einer massiven Expansion der Landwirtschaft reagiert. „Neue Flächen können nur durch die rückhaltlose Ausbeutung wertvoller Grundwasserreserven erschlossen werden, die zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führen.“ In Südamerika werden seit Jahrzehnten wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Fleisch im Amazonasgebiet oder in Trockenwäldern Argentiniens und Paraguays ökologisch wertvollste Waldgebiete gerodet, um Flächen zur Rinderzucht oder zum Anbau von Futtermitteln zu gewinnen. Das anfallende Holz wird dann teils als Holzkohle zu Billigpreisen in den europäischen und nordamerikanischen Supermärkten angeboten.

    Bei der Suche nach Ursachen für die problematische globale Umweltsituation nimmt Joachim Hill die Menschen in Europa mit in die Verantwortung: „Wir sind für einen bedeutenden Teil der Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Holzprodukten und Gütern verantwortlich, die in anderen Weltregionen erzeugten werden.“ Die am WAD beteiligten Wissenschaftler werden die globalen Entwicklungen im Auge behalten. Bis zur nächsten Auflage des WAD dürften wohl nicht erneut 20 Jahre vergehen.

    Zur Person
    Prof. Dr. Joachim Hill hat als Mitglied des Editorenteams die Gesamtkonzeption des „World Atlas of Desertification“ mitverantwortet und das Kapitel zu repräsentativen Fallstudien betreut. Sein Mitarbeiter Dr. Achim Röder und er sind darüber hinaus Autoren einiger im WAD erschienener Studien, in die langjährige Forschungsarbeit eingeflossen ist. Der Leiter des Fachs „Umweltfernerkundung und Geoinformatik“ der Universität Trier beschäftigt sich bereits seit den 1990er Jahren mit der Nutzung von Erdbeobachtungsdaten zur Identifikation von Prozessen der Verschlechterung der Ökosystemleistungen des Bodens in Südeuropa, Asien und Afrika.

    Der Atlas
    Der „World Atlas of Desertification“ kann von der Publikationsstelle der Europäischen Union bezogen werden und steht kostenlos zum Download bereit: https://wad.jrc.ec.europa.eu/


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Kontakt
    Prof. Dr. Joachim Hill
    Universität Trier
    Umweltfernerkundung und Geoinformatik
    E-Mail: hillj@uni-trier.de
    Tel. 0651 201-4592


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Wissenschaftler, jedermann
    Geowissenschaften, Gesellschaft, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Prof. Dr. Joachim Hill ist einer der sechs Autoren des World Atlas of Desertification.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay