Wer gerne hilft, sich für die Familie engagiert und religiös lebt, ist zufriedener als andere

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
03.01.2019 13:30

Wer gerne hilft, sich für die Familie engagiert und religiös lebt, ist zufriedener als andere

Monika Wimmer Pressestelle
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

    Menschen, die anderen gerne helfen, denen ihre Familie sehr wichtig ist oder ihr Glaube, sind im Durchschnitt mit ihrem Leben zufriedener als andere. Das belegt eine Studie auf Basis der Daten der für Deutschland repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin sowie einer australischen Langzeitstudie. Besonders groß ist die Zufriedenheit, wenn sich in einer Beziehung beide Partner für andere und die Familie engagieren. Das Streben nach Geld und Karriere sei hingegen eher mit Unzufriedenheit verbunden, berichten die Forscher. Die Studie wurde kürzlich in der Publikationsreihe SOEPpapers veröffentlicht.

    In ihrer Analyse haben Gert G. Wagner, Senior Research Fellow beim SOEP am DIW Berlin, und der australische Sozialwissenschaftler Bruce Headey von der Universität Melbourne die Bedeutung von vier möglichen „Glücksrezepten“ überprüft: Altruismus (also die Bereitschaft, anderen zu helfen), Familienorientierung, ein religiöser Glaube sowie Geld und Karriere. Um herauszufinden, in welchem Zusammenhang diese mit der Zufriedenheit der Menschen stehen, analysierten die Forscher mehr als 100.000 Angaben von SOEP-Befragten im Alter von 25 bis 54 Jahren, die zwischen 2003 und 2016 immer wieder befragt worden waren. Darüber hinaus werteten sie – zur Kontrolle und Erhärtung der Ergebnisse – knapp 30.000 Angaben von Befragten der australischen Langzeitstudie HILDA (Household, Income and Labour Dynamics in Australia) aus.

    Das Ergebnis der Analysen zeigt: Je altruistischer Menschen sind, desto zufriedener sind sie mit ihrem Leben. Als altruistisch definierten die Forscher diejenigen Befragten, die es für wichtig halten sich besonders häufig ehrenamtlich zu engagieren oder Freunden, Bekannten und Nachbarn zu helfen. Auch familienorientierte Menschen, also Menschen, denen ihre Kinder und Haus- und Gartenarbeit besonders wichtig sind, sind im Durchschnitt zufriedener als ihre Mitmenschen. „Das ist vor allem dann der Fall, wenn beide Partner die gleichen Werte leben“, sagt Studienautor Gert G. Wagner. „Gegensätze ziehen sich zwar gerade am Anfang einer Beziehung an. Aber wenn man Streit in der Familie vermeiden möchte, bewährt sich eher das Motto „Gleich und Gleich gesellt sich gern.“

    Eine Ausnahme bilden allerdings die allein erziehenden Mütter: Wenn ihnen das Familienleben besonders wichtig ist, sind sie unzufriedener als andere Menschen. „Alleinerziehende haben oft nicht die Zeit, die sie gerne hätten, um sich um ihre Familie, Freunde, Bekannten und Nachbarn zu kümmern“, sagt Bruce Headey von der Universität Melbourne.

    Auch der religiöse Glaube kann der Studie zufolge die Lebenszufriedenheit steigern. Das ließe sich auch dadurch erklären, dass religiöse Menschen häufiger als andere altruistisch und familienorientiert leben, schreiben die Autoren.

    Wer hingegen vor allem nach materiellen Werten strebt, also mehr arbeiten und auch mehr verdienen will als andere, ist im Durchschnitt unzufriedener als er sein könnte. „Solche Menschen sind dem stetigen Stress ausgesetzt, dass andere noch erfolgreicher sind. Denn nicht jeder kann an der Spitze stehen“, erklärt Gert G. Wagner. Wer hingegen altruistisch, familienorientiert und religiös lebe, ziehe seine Zufriedenheit daraus, andere zu unterstützen und könne dabei nur gewinnen.

    Anhand ihrer Analysen können die Wissenschaftler bisher allerdings nicht ausschließen, dass nicht Geld und Karriere unglücklich machen, sondern dass unglückliche Menschen versuchen, mit Hilfe von Geld und Karriere zufriedener zu werden.

    SOZIO-OEKONOMISCHES PANEL (SOEP)

    Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.


    Originalpublikation:

    Bruce Headey, Gert G. Wagner: Alternative Values-Based ‘Recipes’ for Life Satisfaction: German Results with an Australian Replication, SOEPpaper Nr. 982, 2018.
    https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.598434.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay