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09.01.2019 11:19

Wie Wörter ein Gefühl bekommen: Göttinger Psychologinnen analysieren Verknüpfung im Gehirn

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

    Viele Gegenstände und Menschen im Alltag haben eine emotionale Bedeutung. Ein Paar Wollsocken zum Beispiel hat eine emotionale Wertigkeit, wenn es das letzte ist, was die Großmutter vor ihrem Tod gestrickt hat. Das gleiche gilt für Wörter. Der Name eines Fremden hat zunächst keinen emotionalen Wert, entwickelt sich aber eine Liebesbeziehung, wird der gleiche Name plötzlich positiv besetzt. Forscherinnen der Universität Göttingen haben untersucht, wie das Gehirn solche Reize, die positiv oder negativ besetzt sind, verarbeitet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Neuropsychologia erschienen.

    Die Wissenschaftlerinnen aus dem Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen analysierten, wie Menschen neutrale Zeichen, Wörter und Gesichter mit emotionalen Wertigkeiten, auch Valenzen genannt, verbinden. Solche Verbindungen lernen Probandinnen und Probanden innerhalb weniger Stunden über systematische Belohnungen und Verluste. Beispielsweise erhalten sie immer dann Geld, wenn sie ein bestimmtes neutrales Wort sehen, sodass dieses Wort eine positive Assoziation erhält. Alternativ verlieren sie immer dann Geld, wenn sie ein anderes Wort sehen, was zu einer negativen Assoziation führt. Die Studien zeigen, dass Menschen positive Assoziationen deutlich schneller lernen als neutrale oder negative Assoziationen. Etwas Positives wird also besonders schnell mit dem Gesicht einer Person oder einem Wort verknüpft.

    Mittels Elektroenzephalographie (EEG) untersuchten die Forscherinnen zudem, wie das Gehirn die verschiedenen Reize verarbeitet. Ob ein Bild oder Wort positiv oder negativ ist, stellt das Gehirn meistens nach etwa 200 bis 300 Millisekunden fest. „Wörter, die mit Verlust assoziiert wurden, rufen bereits nach 100 Millisekunden spezifische neuronale Reaktionen im visuellen Kortex hervor“, sagt Dr. Louisa Kulke, Erstautorin der Studie. „Das Gehirn unterscheidet also blitzschnell, was für eine neu erlernte Bedeutung das Wort für uns hat, besonders wenn diese Bedeutung negativ ist.“

    Dabei scheint es auch eine Rolle zu spielen, ob das Wort dem Probanden vorher bereits bekannt ist (wie „Stuhl“ oder „Baum“) oder ob es ein frei erfundenes Wort ist, das in der Sprache gar nicht existiert (wie „napo“ oder „foti“). Somit scheint auch die bestehende semantische Bedeutung eines Worts eine Rolle dabei zu spielen, was wir mit diesem Wort assoziieren.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Louisa Kulke
    Georg-August-Universität Göttingen
    Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie
    Affektive Neurowissenschaft und Psychophysiologie
    Goßlerstraße 14, 37073 Göttingen
    Telefon: (0551) 3920624
    Email: lkulke@uni-goettingen.de
    www.psych.uni-goettingen.de/de/anap/team/kulke-louisa


    Originalpublikation:

    Kulke et al. Differential effects of learned associations with words and pseudowords on event-related brain potentials. Neuropsychologia (2018). Doi: https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2018.12.012 Hammerschmidt, W.et al.. Implicit reward associations impact face processing: Time-resolved evidence from event-related brain potentials and pupil dilations. NeuroImage (2018). Doi: https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2018.06.055


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Probanden bei einer EEG-Testung


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    Dr. Louisa Kulke


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