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14.01.2019 14:42

Universität Passau beteiligt sich an Forschungsverbund zu Repression und Verfolgung in der DDR

Katrina Jordan Abteilung Kommunikation
Universität Passau

    Im Januar 2019 nimmt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 5,3 Millionen Euro geförderte interdisziplinäre Verbundprojekt „Landschaften der Verfolgung“ seine Arbeit auf. Ziel des auf vier Jahre angelegten Vorhabens ist die Erstellung einer Datenbank mit den Namen und Biographien aller Opfer der Sowjetisch besetzten Zone (SBZ) und der DDR zwischen 1945 und 1989 sowie die Auswertung der auf diese Weise gewonnenen Daten aus unterschiedlicher fachlicher Perspektive. Das Teilvorhaben „Diktatur und Gewissen“ wird von der Passauer Politologin Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig geleitet.

    „Das BMBF-geförderte Forschungsprojekt erarbeitet eine Datenbank nach dem Muster der Holocaust-Opfer-Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem. Damit können erstmals exakte Aussagen zur Gesamtzahl der politischen Häftlinge und der aus politischen Gründen Getöteten, Deportierten und Verletzten in SBZ und DDR getroffen werden“, so Barbara Zehnpfennig. Zudem widmen sich die Teilprojekte des Forschungsverbundes dem individuellen und kollektiven Umgang mit Repression und Verfolgung, der zunehmenden Verrechtlichung von Herrschaft in der DDR sowie der Erforschung von Spätfolgen der Hafterfahrungen.

    Das Passauer Teilprojekt „Diktatur und Gewissen“ untersucht auf der Basis des erhobenen Datenmaterials die Ideenwelten von Verfolgten und Verfolgern. Im Zentrum steht die Frage, was die mit der Durchführung der Repression beauftragten Institutionen motivierte und welche Rolle dabei die kommunistische Ideologie spielte. Ein weiteres Themenfeld ist, wie die Ausführenden ihre Handlungen vor sich selbst und vor ihrer Umgebung legitimierten.

    Analog werden die Verfolgten erforscht, deren Motivation oftmals nur durch die Interpretation (halb-)öffentlicher Selbstzeugnisse erschlossen worden ist. „Geklärt werden soll, welche tieferliegenden Motive sie veranlassten, einen anderen Weg als die Mehrheitsgesellschaft einzuschlagen und welche Faktoren – individuelle Wertvorstellungen, religiöse Überzeugungen, aus dem Westen entlehnte Ziele, soziales Umfeld, Erfahrungen mit dem Alltag der sozialistischen Gesellschaft – dafür prägend waren“, erklärt Zehnpfennig. Das Projekt geht zudem der Frage nach, ob auch ältere tradierte Vorstellungen, zum Beispiel von Recht und Ordnung, eine Rolle spielten und wie sich diese im Denken der handelnden Personen spiegelten.

    Gemeinsam mit Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig sind von universitärer Seite Prof. Dr. Jörg Baberowski (Verbundleiter, Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Isabella Heuser-Collier und Prof. Dr. Stefan Röpke (Charité – Universitätsmedizin Berlin), sowie Prof. Dr. Johannes Weberling (Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) beteiligt. Weitere Partner des Forschungsverbunds sind die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die bei der Erstellung der Datenbank federführend ist, das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., die Robert-Havemann-Gesellschaft und die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße.

    Das Verbundprojekt „Landschaften der Verfolgung“ wird vom BMBF als eines von 14 Projekten gefördert, die sich mit der Geschichte der DDR auseinandersetzen sollen. Zu den zentralen Zielen der Forschungsinitiative zählen eine stärkere Verankerung der DDR-Forschung an den Hochschulen sowie die engere Vernetzung von (außer-)universitärer Forschung und Gedenkstätten. Auf diese Weise sollen Forschungsergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit noch besser zugänglich gemacht werden.

    Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an das Referat Medienarbeit der Universität Passau, Tel. 0851/509-1439.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Politik
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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