Führen genauere Daten zu besseren Entscheidungen?

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
15.01.2019 12:26

Führen genauere Daten zu besseren Entscheidungen?

Hans-Christoph Keller Abteilung Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Humboldt-Universität zu Berlin

    Studie zeigt: Zumindest bei Schülern ist dies nicht unbedingt der Fall. Forscher plädieren deshalb für mehr Kompetenzvermittlung in Schulen beim Umgang mit Daten.

    In unserer Gesellschaft spielen Daten eine enorme Rolle. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, aber auch das Privatleben sind geprägt von Entscheidungen, die auf Basis von Daten getroffen werden. Ein Beispiel dafür ist der abendliche Blick auf das Handy, verbunden mit der Frage: „Welche Temperatur ist morgen zu erwarten und was ziehe ich an?“ Aber wie gut können wir anhand von sehr präzisen Daten entscheiden? Die weit verbreitete Annahme ist: Je genauer die Informationen, desto richtiger die Entscheidung.

    Um mit großen Datenmengen (Big Data) verlässlich umzugehen, müssen diese aber auf ihre Qualität hin kritisch eingeschätzt werden können, nicht zuletzt deshalb, weil sie unter dem Stichwort „Fake News“ immer wieder in Frage gestellt werden.

    Ein Forscherteam der Humboldt-Universität zu Berlin um Dr. Burkhard Priemer, Professor für Didaktik der Physik, wollte herausfinden, ob 14-jährige Schüler in der Lage sind, aus genaueren Daten auch bessere Folgerungen zu ziehen. Die Wissenschaftler hatten den Verdacht, dass Schüler mit präzisen Daten gar nicht angemessen umgehen können, sondern durch diese vielleicht sogar zu Fehlschlüssen verleitet werden. Diese Vermutung hat sich bestätigt.

    Die im Journal „Physical Review Physics Education Research“ erschienene Studie zeigt, dass sehr genaue Daten nicht zwangsläufig zu besseren Entscheidungen führen. Die Schüler wurden zufällig in drei Gruppen eingeteilt und mit Daten unterschiedlicher Qualität aus einem physikalischen Experiment – also mit zwei, drei oder vier Stellen nach dem Komma –ausgestattet. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Schüler mit den besseren Daten (drei oder vier Nachkommastellen) schlechtere Entscheidungen bei der Auswertung der Experimente zeigten als jene mit weniger genauen Daten.

    Die Wissenschaftler erklären dieses Resultat mit fehlenden Kompetenzen von Schülern, die dazu führen, dass sie mit Unsicherheiten in Messungen nicht angemessen umgehen können. Um den kritischen Umgang mit Daten frühzeitig in den Fokus zu rücken, sei es daher wichtig, dies bereits in den Schulen zu thematisieren, so die Forscher.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Burkhard Priemer
    Humboldt-Universität zu Berlin
    Didaktik der Physik
    Tel.: 030/2093-7740
    Mail: priemer@physik.hu-berlin.de


    Originalpublikation:

    Karel Kok, Burkhard Priemer, Wiebke Musold, and Amy Masnick, "Students’ conclusions from measurement data: The more decimal places, the better?”, Phys. Rev. Phys. Educ. Res. 15, 010103
    https://journals.aps.org/prper/abstract/10.1103/PhysRevPhysEducRes.15.010103
    https://doi.org/10.1103/PhysRevPhysEducRes.15.010103


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Physik / Astronomie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay