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06.02.2019 15:28

„Wie sollen wir handeln? Theorie und Ethik der Restaurierung und ihre Bedeutung für die Praxis“

Sabine zu Klampen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen

    Neue E-Learning-Kursreihe von Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub startet Mitte April am Hornemann Institut der HAWK

    Die neue E-Learning-Kursreihe von Dr. Ursula Schädler-Saub, Professorin für Geschichte und Theorie der Restaurierung sowie Kunstgeschichte an der HAWK, Fakultät Bauen und Erhalten, fragt nach dem Stellenwert theoretischer und ethischer Grundsätze für die heutige Praxis der Restaurierung.

    Zahlreiche historische und aktuelle Beispiele aus den verschiedensten Bereichen der Erhaltung von Kunst- und Kulturgut veranschaulichen mit Bildern und Texten, welche Einflüsse Theorien und ethische Prinzipien auf das praktische restauratorische Handeln ausgeübt haben und immer noch ausüben. Die Beispiele verdeutlichen auch, in welcher Weise Grundsätze entsprechend den besonderen Erfordernissen des Einzelfalles modifiziert werden, um der individuellen Problematik eines Kulturdenkmals gerecht zu werden. Gleichzeitig beweisen sie, dass verantwortungsbewusstes praktisches Handeln die Kenntnis ethischer und theoretischer Grundlagen voraussetzt. Diese Grundlagen sind nicht in Stein gemeißelt, sie entwickeln sich vielmehr im Austausch mit der sich stetig wandelnden Gesellschaft. Viele restauratorischen und denkmalpflegerischen Prinzipien des 19. und 20. Jahrhunderts haben ihre grundsätzliche Gültigkeit bis heute bewahrt, aber sie müssen zeitgemäß interpretiert und weiterentwickelt werden, um Antworten auf aktuelle Probleme zu geben. Neue Überlegungen kommen hinzu, deren Sinn und Nachhaltigkeit wir in Verbindung mit den „klassischen“ Theorien überprüfen können.

    Erfolgreiches restauratorisches Handeln kann nur im Konsens mit der Gesellschaft erfolgen, im inter- und transdisziplinären Austausch mit Fachleuten, Eigentümer/inne/n, Nutzer/inn/n und weiteren Interessensvertreter/inn/n sowie ganz allgemein mit der Öffentlichkeit, für die wir letztendlich arbeiten. Hier stellt sich die Frage nach der Entwicklung des Berufsbildes von Restaurator/inn/en, um heutigen und zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.

    Ein Blick in die Geschichte des Berufs im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext fördert ein besseres Verständnis für das, was heute von uns erwartet wird. Ein Perspektivenwechsel ist dabei immer hilfreich, weshalb Interviews und Beiträge von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen in die Kurse integriert wurden: Sie regen zum Nachdenken über heutige Positionen und Auffassungen an. Ein besonderes Gewicht erhält dabei der Bereich der archäologischen Restaurierung, zu seiner Geschichte und zu aktuellen Anforderungen von Sophie Haake-Haring.

    Die E-Learning-Kursreihe ist in drei Teile untergliedert:

    Teil 1: Historische Wurzeln in der Renaissance- und Barockzeit (mit einem Beitrag zur archäologischen Restaurierung von Sophie Haake-Harig)

    Der erste Teil befasst sich mit den historischen Wurzeln der Restaurierungstheorie und Restaurierungsethik in der Renaissance- und Barockzeit. Dieser Blick zurück in die Anfänge restauratorischer Tätigkeit ist von faszinierender Aktualität. Damalige Grundsatzüberlegungen und praktische Beispiele veranschaulichen, wie sich Fachleute und einfache Bürgerinnen und Bürger in schwierigen gesellschaftlichen Situationen für die Wertschätzung und Erhaltung von Kulturdenkmalen einsetzten. Trotz umwälzender Veränderungen gelang es ihnen, viele bedeutende Werke zu retten. Das war auch damals – genauso wie heute – dem Engagement und der Überzeugungskraft einzelner Persönlichkeiten und gesellschaftlicher Gruppen zu verdanken. Historische Restaurierungen, die das Aussehen und die Substanz der meisten Kunst- und Kulturgüter bis heute prägen, sind deshalb ein wichtiger Teil unserer Kulturgeschichte. Wie wir diese facettenreiche Geschichte bewahren können, trotz mancher technischen Probleme, ist eine aktuelle Herausforderung, der wir uns stellen sollten.

    Teil 2: Grundlagen der Restaurierung und der Denkmalpflege von K. F. Schinkel bis C. Brandi

    Der zweite Teil befasst sich mit den Grundlagen der Restaurierung und der Denkmalpflege von Karl Friedrich Schinkel bis Cesare Brandi. Er deckt damit die Zeitspanne vom frühen 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre ab. Auch hier sind Theorie und Praxis eng miteinander verwoben. Zahlreiche Beispiele veranschaulichen, wie weit Theorie und Praxis manchmal auseinanderdriften konnten, zum Nachteil der Kulturdenkmale, und wie es gelingen kann, theoretische Grundsätze und praktisches Handeln gewinnbringend zu verbinden.

    Teil 3: Aktuelle Entwicklungen, vom Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 bis heute

    Der dritte Teil ist den aktuellen Entwicklungen in der Restaurierung und der Denkmalpflege gewidmet, vom Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 bis heute. Grundlegend für die Neuerungen ist ein erweiterter Kunst- und Denkmalbegriff, der sich inzwischen gesellschaftlich etabliert hat und zu einer enormen Ausweitung des Tätigkeitsbereichs von Restaurator/inn/en und allen anderen Fachleuten im Bereich der Erhaltung von Kunst- und Kulturgut führt. Hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungen auf regionaler und internationaler Ebene, die einen Abschied von normativen ethischen Grundsätzen einfordern, zugunsten der Anerkennung von Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit. Das ist keineswegs gleichbedeutend mit dem Abschied von bewährten Grundsätzen und Vorgehensweisen. Es zeigt aber, wie wichtig Offenheit und gute Kommunikationsfähigkeiten sind, für den inter- und transdisziplinären Dialog.

    Wie sollen wir handeln? Wie war das in der Vergangenheit, welche Anforderungen wird die Zukunft an uns stellen? Mit diesen Grundsatzfragen der Ethik wollen wir uns im Kontext von Theorie und Praxis der Restaurierung befassen, in den drei aufeinander aufbauenden Teilen dieses neuen E-Learning-Kurses.

    Der erste Teil des E-Learning-Kurses „Wie sollen wir handeln? Theorie und Ethik der Restaurierung und ihre Bedeutung für die Praxis“ startet Mitte April 2019.

    Die Kursreihe wird vom Hornemann Institut der HAWK medial umgesetzt, technisch gepflegt und angeboten. Bei der Entwicklung der Kurse wird besonderer Wert auf einfache Bedienung gelegt. Einzige Zugangsvoraussetzung ist ein Internetzugang.

    Die Betreuung des Kurses erfolgt via Mail durch die Autorin selbst. Allgemeine und technische Fragen werden von der Tutorin des Kurses, Dipl.-Rest. Barbara Hentschel M.A., via Telefon oder E-Mail beantwortet. Nach Einreichung eines erfolgreich absolvierten Abschlusstests stellen wir ein qualifiziertes Zertifikat aus.

    Alle drei Kurse können auf das Studium an der Fakultät Bauen und Erhalten an der HAWK angerechnet werden. Damit wird ein Teil des Minor-Angebotes „Geschichte, Theorie und Ethik der Restaurierung“ im Masterstudium „Konservierungs- und Restaurierungswissenschaften“ per E-Learning studierbar und lässt sich besser mit familiären und beruflichen Verpflichtungen vereinbaren. Dies gilt auch für Teilzeitstudierende und für Externe, die sich ins Masterstudium der HAWK einschreiben.

    Die Online Kurse des Hornemann Instituts werden vom VDR als Weiterbildung anerkannt.

    Die Kurse sind kostenpflichtig. Weitere Informationen zum Kursprogramm unter /www.hornemann-institut.de/german/fortbildung.php. Für Rückfragen zur Kursreihe wenden Sie sich bitte an Barbara Hentschel im Hornemann Institut: 05121/408-178.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub


    Weitere Informationen:

    http://hawk.de
    http://www.hornemann-institut.de/german/fortbildung.php


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Kunst / Design
    überregional
    Studium und Lehre, wissenschaftliche Weiterbildung
    Deutsch


    Blick in einen Online Kurs von Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub (Foto: Marius Maasewerd)


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