Einführung der Fallpauschale geht mit vermehrten Wiedereintritten einher

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15.02.2019 17:00

Einführung der Fallpauschale geht mit vermehrten Wiedereintritten einher

Reto Caluori Kommunikation & Marketing
Universität Basel

    Sieben Jahre nach Einführung der Fallpauschalen an Schweizer Spitälern zeigt eine gross angelegte Studie, dass die Zahl der Wiedereintritte leicht angestiegen ist. Das berichten Forschende der Universität Basel und des Kantonsspitals Aarau in der Fachzeitschrift JAMA Network Open.

    Im Januar 2012 wurde mit dem Fallpauschalensystem SwissDRG schweizweit eine einheitliche Tarifstruktur für stationäre Spitalleistungen eingeführt. Befürworter erhofften sich davon einen Abbau von Überkapazitäten, eine kürzere Aufenthaltsdauer sowie einen langsameren Kostenanstieg. Kritiker hingegen warnten vor verfrühten (sogenannt «blutigen») Spitalaustritten.

    Auswirkungen auf die medizinische Versorgung

    Forschende der Universität Basel und des Kantonsspitals Aarau haben den Effekt des neuen Vergütungsmodells nun erstmals breit untersucht. Anhand von Daten des Bundesamts für Statistik analysierten sie über 2,4 Millionen Hospitalisierungen aus der ganzen Schweiz aus den Jahren 2009 bis 2015. Der untersuchte Zeitraum umfasst damit drei Jahre vor und vier Jahre nach dem Systemwechsel.

    Konkret fragte die Studie nach der Auswirkung der neuen Spitalfinanzierung auf die Liegedauer sowie auf die Spitalsterblichkeit und die Zahl der Wiedereintritte innerhalb von 30 Tagen – wichtige Indikatoren für Effizienz und Versorgungsqualität.

    Kein Effekt auf Verweildauer

    Es zeigte sich, dass die Liegedauer über den ganzen Untersuchungszeitraum von 8 auf 7,2 Tage stetig zurückging, wobei sich dieser Trend mit der Einführung des neuen Vergütungssystems nicht beschleunigt hat. Ähnliches gilt für die Spitalsterblichkeit: sie nahm über den ganzen Untersuchungszeitraum ab.

    Mehr Wiedereintritte

    Hingegen stieg die Rate der Patientinnen und Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach der Entlassung erneut ins Spital kommen, von 14,4% auf 15,0% an. «Dieser leichte, aber signifikante Anstieg könnte möglicherweise auf verfrühte Entlassungen hinweisen», so Studienautor Dr. Alexander Kutz. Allerdings liessen sich kausale Effekte nur schwer ableiten, da etwa die poststationäre Mortalität nicht in die Studie einbezogen wurde.

    Die in der Fachzeitschrift «JAMA Network Open» veröffentlichte Studie gewährt erstmals einen fundierten Einblick in die Auswirkungen von SwissDRG auf die Versorgungsqualität in Schweizer Spitälern. Sie zeigt, dass es ergänzende, allenfalls sensiblere Analysen braucht, um den Effekt auf weitere Qualitätsindikatoren auf Ebene von Patientinnen und Patienten, Personal und Spitälern zu untersuchen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Beat Müller, Universität Basel / Kantonsspital Aarau, Medizinische Universitätsklinik, Tel. +41 62 838 41 41, E-Mail: beat.mueller@ksa.ch

    Dr. Alexander Kutz, Kantonsspital Aarau, Medizinische Universitätsklinik, Tel. +41 62 838 41 41, E-Mail: kutz.alexander@gmail.com


    Originalpublikation:

    Alexander Kutz, Lara Gut, Fahim Ebrahimi, Ulrich Wagner, Philipp Schuetz and Beat Mueller
    Association of the Swiss diagnosis-related group reimbursement system with length of stay, mortality, and readmission rates in hospitalized adult patients
    JAMA Network Open (2019), doi: 10.1001/jamanetworkopen.2018.8332


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin, Wirtschaft
    regional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    (Bild: Unsplash | CC0)


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