Wie untersucht man Wildtierinteraktionen mit Kamerafallen?

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
22.02.2019 11:38

Wie untersucht man Wildtierinteraktionen mit Kamerafallen?

Dipl.-Geogr. Anja Wirsing Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

    In einer Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der University of California in Davis, USA, verglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenen Ansätze, um zu erkunden, wie gut subtile Interaktionen verschiedener Tierarten, wie zum Beispiel das Vermeiden einer anderen Art in Raum und Zeit, mit Hilfe von Kamerafallen untersucht werden können. Die Studie wurde im Journal „Remote Sensing in Ecology and Conservation“ veröffentlicht.

    Tierarten leben miteinander in vielfältigen Beziehungen. Diese beeinflussen ihr Vorkommen, ihre Verbreitung, ihre Fressgewohnheiten und die Übertragung von Krankheiten. Es ist allerdings selten möglich und häufig sehr schwierig, wichtige, aber subtile Interaktionen zweier oder mehrerer Tierarten direkt zu beobachten. Das Problem umgehen Ökologinnen und Ökologen, indem sie „versteckte“ Verfahren wie Kamerafallen benutzen, also versteckt angebrachte Kameras, die über einen Bewegungsmelder sich nähernde Tiere automatisch per Foto erfassen. In einer Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der University of California in Davis, USA, verglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenen Ansätze, um zu erkunden, wie gut subtile Interaktionen verschiedener Tierarten, wie zum Beispiel das Vermeiden einer anderen Art in Raum und Zeit, mit Hilfe von Kamerafallen untersucht werden können. Die Studie wurde im Journal „Remote Sensing in Ecology and Conservation“ veröffentlicht.

    Tierarten haben viele verschiedene Interaktionen mit anderen Tierarten. Bei Säugetieren passiert es häufig, dass die Interaktion schlecht für die eine und gut für die andere Tierart ausgeht. In solchen Fällen versucht häufig die eine Tierart (zum Beispiel ein Beutetier) die Begegnung mit der anderen (in diesem Fall ein Beutegreifer) zu vermeiden. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten zwei Situationen: räumlich-zeitliche Vermeidung, wenn sich die Beute einer Begegnung mit einem Beutegreifer entzieht, indem sie einfach woanders hingeht, und zeitliche Trennung, wenn die Beute dem Beutegreifer ausweicht, indem sie zu einer anderen Tageszeit aktiv ist als der Beutegreifer.

    Das Ziel der Untersuchung war es, einen Rahmen zu schaffen, mit dessen Hilfe Forscher weltweit solche Interaktionen zwischen Arten anhand ihrer Kamerafallen-Daten auswerten können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigten anhand von Computersimulationen, dass solche Interaktionen mit Hilfe von Kamerafallen tatsächlich beobachtet und analysiert werden können. „Uns war es wichtig zu zeigen, welche statistische Methoden am besten geeignet und vor allem am sensibelsten sind, da wir alle wissen, wie schwer es ist, große Datenmengen in der freien Wildbahn zu sammeln“, erklärt Dr. Alexandre Courtiol, einer der führenden Leibniz-IZW-Wissenschaftler in dem Forschungsprojekt. Dieser Ansatz soll es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erlauben, die besten statistischen Methode auszuwählen und zu überprüfen, wie viele Kamerafallenfotos mindestens nötig sind, um die Beziehungen von Tierarten untereinander zu verstehen. „Wir zeigen, dass relativ große Datenmengen gebraucht werden, um vertrauenswürdige Ergebnisse zu produzieren. Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen, die Datenaufnahmen und -auswertung studienübergreifend zu standardisieren. Kurz gesagt, wir plädieren für mehr Zusammenarbeit bei ökologischen Studien“, fügt Courtiol hinzu.

    Die wissenschaftliche Zeitschrift „Remote Sensing in Ecology and Evolution“ hat ein kurzes Erklärvideo zu dieser Studie veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=qWQ1SXTONRA, ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie theoretische Wissenschaft für die allgemeine Öffentlichkeit „übersetzt“ werden kann.

    Kontakt:
    Steven Seet
    Wissenschaftskommunikation
    Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW)
    Forschungsverbund Berlin e.V.
    Alfred-Kowalke-Straße 17
    10315 Berlin
    Tel.: +49 (0)30 5168 125
    E-Mail: seet@izw-berlin.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Alexandre Courtiol
    Abteilung für Evolutionsgenetik
    Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW)
    Forschungsverbund Berlin e.V.
    Alfred-Kowalke-Straße 17
    10315 Berlin
    Tel.: +49 (0)30 5168 331
    E-Mail: courtiol@izw-berlin.de


    Originalpublikation:

    Niedballa J, Wilting A, Sollmann R, Hofer H, Courtiol A (2019): Assessing analytical methods for detecting spatiotemporal interactions between species from camera trapping data. Remote Sensing in Ecology and Conservation. https://doi.org/10.1002/rse2.107


    Weitere Informationen:

    https://www.youtube.com/watch?v=qWQ1SXTONRA


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Detecting spatiotemporal interactions between species from camera trapping data


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay