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05.03.2019 11:01

15 Jahre Glücksspiel-Forschung: Festakt & Symposium wollen Weckruf an die Politik senden

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

• 11.03.2019: Festakt 15 Jahre Forschungsstelle Glücksspiel
• 12. - 13.03.2019: Glücksspiel-Symposium zu Regulierung, Sucht u. a. (Audimax)
• 13.03.2019, 11:00 Uhr: PRESSEKONFERENZ, vertreten: Forschung & Politik (Hörsaal B11)

Illegale Milliardengeschäfte und Politikversagen: Seit 15 Jahren weist die interdisziplinäre Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim auf Regulierungsdefizite hin. Ihre Bilanz: Die Ziele der Regulierung, d.h. der Schutz der Verbraucher vor Sucht, Betrug, Manipulation und Kriminalität, die mit dem Glücksspiel verbunden sein können, werden nicht erreicht. Im Gegenteil, die derzeitige Situation sei dadurch gekennzeichnet, dass im Internet das illegale und unregulierte Angebot mit einem Marktanteil von mittlerweile 83 % dominiert. „Es besteht offenkundig ein Politikversagen“, so der Leiter der Forschungsstelle Prof. Dr. Tilman Becker. Den aktuellen Stand der Forschung beleuchtet das Symposium Glücksspiel vom 12. bis 13. März. Bereits am Vorabend veranstaltet die Universität einen feierlichen Festakt anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Forschungsstelle. Weitere Informationen und Berichterstattung unter https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de und auf Twitter @Hohenheim_GRC.

Die Glücksspielaufsichtsbehörden gehen von mehr als 2 Milliarden Euro Einnahmen von illegalen Lotterien und Online-Casinos im Internet aus. Daraus leitet die Forschungsstelle Glücksspiel einen geschätzten Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro ab. Hinzu kommt der Umsatz der Sportwetten in der Höhe von etwa 7 Milliarden Euro.

Auf diesem Markt, der größer ist als der Markt für Agrarprodukte, gibt es keinen Schutz der Verbraucher vor den Gefahren der Sucht, des Betrugs, der Manipulation und der Kriminalität. „Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Paradies für illegale Anbieter entwickelt“, bilanziert Prof. Dr. Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel.

Seiner Ansicht nach müsste der Staat seinen Aufgaben besser nachkommen: „Wir haben die Situation, dass gegen das illegale Angebot nicht vorgegangen wird. Der Staat vernachlässigt seine Aufgabe des Jugend- und Spielerschutzes. Und er lässt sich Steuereinnahmen in Milliardenhöhe entgehen.“

Mit dem diesjährigen Symposium Glücksspiel will die Forschungsstelle Glücksspiel auch einen Weckruf an die Politik senden: „Wir brauchen endlich wirksame Maßnahmen für den Spielerschutz, zum Beispiel eine bundesweite Sperrdatei. Die Gesetze gegen illegales Glücksspiel müssen wirkungsvoll vollzogen werden, um den Jugend- und Spielerschutz sicherzustellen.“

Hierfür müsse schnellstmöglich eine bundesweite Glücksspielkommission geschaffen werden, die „die Differenzen zwischen den einzelnen Ländern beendet, zentrale Lizenzen vergibt und die gesetzlichen Vorgaben wirkungsvoll überwacht. Eine solche Kommission könnte sich, wie in anderen Staaten auch, durch Abgaben der Anbieter finanzieren.“

Montag, 11. März 2019 ab 18:00 Uhr:
Festakt 15 Jahre Forschungsstelle Glücksspiel

Seit 15 Jahren leistet die Forschungsstelle Glücksspiel Aufklärungsarbeit in Sachen Glücksspiel. Dazu vereint sie die Expertise von über 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu rechtlichen, ökonomischen, mathematischen, sozialen, medizinischen und psychologischen Fragestellungen.

Bislang musste die Forschungsstelle Glücksspiel dabei weitgehend ohne Unterstützung von staatlicher Seite auskommen. Zwar sollte das Land Baden-Württemberg laut Landesglücksspielgesetz von 2012 die wissenschaftliche Forschung zur Vermeidung und Abwehr von Suchtgefahren durch Glücksspiele gewährleisten.

„Bislang finanziert sich die Forschungsstelle Glücksspiel jedoch ausschließlich selbst durch Spenden. Sie erhält keinerlei Zuwendungen seitens der Universität oder des Landes Baden-Württemberg. Eine dauerhafte Zuwendung des Landes würde die Zukunft der Aktivitäten in diesem Bereich dauerhaft sicherstellen“, so Prof. Dr. Becker.

Ort: Universität Hohenheim, Schloss Hohenheim, Balkonsaal

Mittwoch, 13. März 2019, 11:00 Uhr: PRESSEKONFERENZ
mit Vertretern aus der im Landtag Baden-Württemberg vertretenen politischen Fraktionen

Welche Fortschritte seit Inkrafttreten des baden-württembergischen Landesglücksspielgesetzes gemacht wurden, ist Thema der Pressekonferenz mit Glücksspielforschern und Vertretern aus den im Landtag Baden-Württemberg vertretenen politischen Fraktionen.

Ihren Fragen stellen sich:

• Prof. Dr. Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel
• Josha Frey, MdL Bündnis 90/Die Grünen
• Fabian Gramling, MdL CDU
• Nico Weinmann, MdL FDP (angefragt)
• Georg Wacker, Geschäftsführer Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg

Ort: Universität Hohenheim, Garbenstraße 30, Biogebäude, Hörsaal B11
Anmeldung für Medienvertreter bitte mit beiliegendem Antwortfax

Dienstag, 12. März bis Mittwoch, 13. März 2019:
zweitägiges Glücksspiel-Symposium zu Fragen der Regulierung, Sucht u. a. (Audimax)

Neben Fachvorträgen zu den Themen Regulierungsbedarf und Möglichkeiten des Spieler- und Jugendschutzes umfasst das Symposium auch zwei Podiumsdiskussionen:
• Dienstag, 12. März ab 11:30 Uhr:
Podiumsdiskussion zum Regulierungsbedarf
mit Branchenvertretern aus den unterschiedlichen Bereichen der Glücksspielbranche.
• Mittwoch, 13. März ab 9:00 Uhr:
Podiumsdiskussion zur Glücksspielsuchtprävention als öffentlicher Aufgabe
mit Vertretern der Fraktionen des Landtages Baden-Württemberg.

Ort: Universität Hohenheim, Otto-Rettenmaier-Audimax
Programm und weitere Infos unter https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/symposium2019

HINTERGRUND: Forschungsstelle Glücksspiel

Die Forschungsstelle Glücksspiel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Glücksspiels interdisziplinär und nach wissenschaftlichen Methoden. Sie ist eine universitäre Einrichtung, die keine privatwirtschaftlichen Ziele verfolgt.

Unterstützt wird die Arbeit der Forschungsstelle von 25 Personen mit unterschiedlichem wissenschaftlichem Hintergrund. Zu ihren Tätigkeiten gehört das jährliche Symposium Glücksspiel, Expertenbeiträge zu Anhörungen des Bundestages und der Länderparlamente, Publikationen und eine Schriftenreihe zu Themen wie Soziale Kosten des Glücksspiels, Verfügbarkeit und Sucht oder die Regulierung der Werbung für Produkte mit Suchtgefährdungspotential.

Im Internet veröffentlicht die Forschungsstelle umfassende Informationen zu Marktdaten, Daten und Erkenntnissen der Suchtforschung, Gerichtsurteile, Regulierungsoptionen u. a. Mit einem Newsletter verbreitet sie regelmäßig aktuelle Informationen aus Politik, Recht und Wissenschaft insbesondere der Suchtforschung auf Deutsch und Englisch. International kooperiert sie beispielsweise mit der European Association for the Study of Gambling (EASG). Weitere Informationen unter https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de und auf Twitter @Hohenheim_GRC

Text: Klebs


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Tilman Becker, Universität Hohenheim, Geschäftsführender Direktor der Forschungsstelle Glücksspiel
T 0711 459 22599, E tilman.becker@uni-hohenheim.de


Weitere Informationen:

http://gluecksspiel.uni-hohenheim.de "Forschungsstelle Glücksspiel"
http://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/symposium2019 "Glücksspiel-Symposium 2019"


Ergänzung vom 14.03.2019

Klarstellung:
Glücksspiel-Forschung fordert Aufsichtsbehörde der Länder

Aktuelle Berichterstattung spricht fälschlicherweise von „Bundesbehörde“ / Uni Hohenheim stellt klar: die Forschungsstelle Glücksspiel propagiert Gemeinschaftsbehörde der Länder

Die Regulierung des Glücksspiels ist Sache der Bundesländer. An der gestrigen Pressekonferenz anlässlich des Glücksspiel-Symposiums an der Universität Hohenheim in Stuttgart haben daher die Forschungsstelle Glücksspiel und Landtagsabgeordnete eine länderübergreifende Aufsichtsbehörde gefordert, die für die Regulierung des Online-Glücksspiels zuständig sein soll. „Fälschlicherweise wurden wir in einigen Medien mit der Forderung nach einer Bundesbehörde zitiert. Bei der Pressekonferenz war jedoch immer von einer länderübergreifenden Behörde die Rede“, betont Prof. Dr. Tilman Becker, der Leiter der Forschungsstelle, in Reaktion auf die aktuelle Medien-Berichterstattung.

Der Glücksspiel-Markt boomt, doch es gibt keinen Schutz der Verbraucher vor den Gefahren der Sucht, des Betrugs, der Manipulation und der Kriminalität. Die Glücksspiel-Forscher appellieren daher an die Politik und fordern wirksame Maßnahmen für den Jugend- und Spielerschutz.

„Der Staat muss seinen Aufgaben besser nachkommen – und dazu braucht es eine bundesweite Aufsichtsbehörde“, erklärt Prof. Dr. Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle an der Universität Hohenheim. Doch da Glücksspiel in die Zuständigkeit der Länder falle, könne dies keine Bundesbehörde sein. „Die Option wäre vielmehr eine Gemeinschaftsbehörde der Länder in der Rechtsform einer Anstalt öffentlichen Rechts. Sie müsste die Regulierung des Online-Glücksspiels, also die Genehmigung, die Überwachung und den Vollzug übernehmen“, so der Experte.

Kontakt für Medien
Prof. Dr. Tilman Becker, Universität Hohenheim, Geschäftsführender Direktor der Forschungsstelle Glücksspiel, T 0711 459 22599, E tilman.becker@uni-hohenheim.de


Merkmale dieser Pressemitteilung:
jedermann
Politik, Psychologie, Wirtschaft
überregional
Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch


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