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15.03.2019 13:26

Euro: Sinkende Handelskosten machen alle Mitglieder reicher

Mathias Rauck Kommunikation
Institut für Weltwirtschaft (IfW)

    Die Einführung des Euro ist unter Handelsgesichtspunkten für alle Mitgliedsländer ein Erfolg. Die Gemeinschaftswährung senkt Handelskosten und erhöht dadurch die realen Einkommen für alle Euro-Länder. Insbesondere der Handel mit Gütern wird durch den Euro intensiviert. Am meisten profitieren Luxemburg und Belgien, am wenigsten Italien und Griechenland. Deutschland liegt im Mittelfeld.

    Dies zeigt eine Analyse von Handelsdaten aus den Jahren 1995 bis 2014 der Autoren Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und Marina Steininger vom ifo Institut, die nun als Kieler Arbeitspapier erschienen ist. Der Euro senkt demnach die Handelskosten zwischen den Mitgliedsländern, vor allem durch wegfallende Transaktionskosten und höhere Transparenz. Dadurch nimmt die Handelsaktivität zu und die realen Einkommen steigen, teilweise deutlich. Die identifizierten positiven Effekte werden durch einen Beitritt in die Währungsunion ausgelöst und wirken dann dauerhaft. Sie gelten für alle Mitgliedsländer.

    Am meisten profitieren kleine und zentral gelegene sowie die baltischen Länder. Im Vergleich zu einem Szenario, in dem es den Euro nicht gegeben hätte, verzeichnete Luxemburg im untersuchten Zeitraum ein reales Einkommensplus von 2,1 Prozent, Belgien und Estland von 1,4 Prozent, Lettland von 1,3 Prozent, die Niederlande von 1,2 Prozent und Slowenien von 1,1 Prozent.

    Bei den großen EU-Ländern stieg das Realeinkommen in Deutschland mit 0,6 Prozent am stärksten, Frankreich verzeichnete ein Plus von 0,5 Prozent, Spanien von 0,4 Prozent. Am wenigsten profitierten Italien und Griechenland mit einem Plus von jeweils 0,3 Prozent.

    „Die Zahlen widersprechen der häufig geäußerten Meinung, vor allem Deutschland und wenige andere Länder profitierten vom Euro. Die Gemeinschaftswährung ist erfolgreicher, als sie oft wahrgenommen wird und trägt zu Wohlstandgewinnen in allen Euro-Ländern bei“, sagte Gabriel Felbermayr.

    Insbesondere der Handel mit Gütern nimmt zwischen den Mitgliedsländern zu. Im untersuchten Zeitraum im Durchschnitt um 8 Prozent. Grenzüberschreitende Dienstleistungen im Euroraum werden durch die Gemeinschaftswährung dagegen kaum befördert, sie stiegen im Durchschnitt nur um etwa 1 Prozent.

    In Deutschland hat der Euro vor allem der Chemie- und der Nahrungsmittelindustrie zusätzliche Wertschöpfung beschert, die Abwanderung der Textilbranche allerdings beschleunigt. In Dienstleistungssektoren sind durchwegs positive Wertschöpfungseffekte zu identifizieren, vor allem für die Luftfahrt.

    „Der Euro hat einige Versprechungen, die bei seiner Einführung gemacht wurden, also eingelöst. Dieser Erfolg darf nicht davon ablenken, dass noch erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung des institutionellen Rahmens der Gemeinschaftswährung notwendig sind“, sagte Felbermayr.

    Medienansprechpartner:
    Mathias Rauck
    Pressesprecher IfW Kiel
    T +49 431 8814-411
    mathias.rauck@ifw-kiel.de

    Institut für Weltwirtschaft
    Kiellinie 66 | 24105 Kiel
    T +49 (431) 8814-1
    F +49 (431) 8814-500

    www.ifw-kiel.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Gabriel Felbermayr, Ph.D.
    Präsident IfW Kiel
    T+49 431 8814-236
    gabriel.felbermayr@ifw-kiel.de


    Originalpublikation:

    Zum Kiel Working Paper: „Revisiting the Euro’s trade cost and welfare effects”
    https://www.ifw-kiel.de/index.php?id=12446&L=1


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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