Wie Postdocs das deutsche Wissenschaftssystem wahrnehmen

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19.03.2019 13:06

Wie Postdocs das deutsche Wissenschaftssystem wahrnehmen

Dr. Ute Schönfelder Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena beleuchtet in aktueller Studie Arbeitssituation, Qualifizierungsbedingungen und Karrierewege von Postdoktorandinnen und Postdoktoranden in Jena

    Die Postdoc-Phase im deutschen Wissenschaftssystem ist bisher nur wenig erforscht. Dabei ist diese Phase ein wesentlicher und auch kritischer Abschnitt der wissenschaftlichen Laufbahn. Eine neue Studie der Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena versucht nun, die Postdoc-Phase näher zu beleuchten und zu klären, wie Postdocs selbst ihre Arbeitssituation und ihre berufliche Zukunft einschätzen. Dafür wurden über 400 Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Jena befragt. Sie haben Auskunft gegeben über ihre beruflichen Ziele innerhalb und außerhalb des Wissenschaftssystems, über die Einschätzung ihrer Karrierechancen, die Unterstützung durch Vorgesetzte und nicht zuletzt über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

    Veränderte Risikowahrnehmung

    „Die aktuelle Studie setzt unsere Erhebung aus dem Jahr 2010 fort“, erläutert Dr. Hanna Kauhaus, Geschäftsführerin der Graduierten-Akademie und Mitautorin der Studie. In einer ersten Postdoc-Befragung, die 2011 veröffentlicht worden ist, hatte die Graduierten-Akademie der Universität Jena bereits erste Daten zur Situation der promovierten Nachwuchsforscherinnen und -forscher vorgelegt. „Aus der Momentaufnahme von 2010 und der nun veröffentlichten Untersuchung lassen sich auch Veränderungen in der Situation der Postdocs ablesen“, so Kauhaus.

    Wie bereits 2010 sehen sich die Jenaer Postdocs in einer recht ambivalenten Situation: Der große Teil von ihnen zeigt sich zufrieden mit den Arbeitsbedingungen, sieht die eigenen Karriereaussichten aber kritisch. Vor allem die Chancen auf eine Professur werden dabei als deutlich geringer eingeschätzt als noch vor neun Jahren: Während es im Jahr 2010 nur knapp die Hälfte der Befragten für unwahrscheinlich hielt, eine Professur zu erlangen, sehen dies in der aktuellen Erhebung fast drei Viertel so. Insbesondere jüngere Postdocs glauben nicht daran, ihren Weg in der Wissenschaft planen zu können – stattdessen fühlen sie sich gehetzt und getrieben. „Ein Grund für diese veränderte Risikowahrnehmung könnte in der verstärkten medialen Berichterstattung über befristete Arbeitsverhältnisse von Promovierenden und Postdocs liegen“, vermutet Kauhaus. Zudem zeige die Studie auch, dass das Bedürfnis nach beruflicher Sicherheit bei den Postdocs in den vergangenen Jahren gewachsen ist.

    Neue Karriere-Modelle eröffnen neue Wege

    „Das Problem der als unsicher wahrgenommenen Zukunftsaussichten für Postdocs ist bereits vor einigen Jahren deutschlandweit erkannt worden“, sagt Prof. Dr. Uwe Cantner, Vizepräsident für wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der die Studie verantwortet hat. Doch es brauche Zeit, bis die seither im deutschen Wissenschaftssystem angestoßenen Veränderungen zur besseren Planbarkeit von wissenschaftlichen Karrieren Früchte tragen. „Als eine der ersten Hochschulen haben wir bereits im Jahr 2012 Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der beruflichen Situation von Postdoktorandinnen und Postdoktoranden erarbeitet und den Arbeitsbereich ‚Postdocs‘ an der zentralen Graduierten-Akademie eingerichtet“, so Cantner. Als ein Ergebnis lasse sich feststellen, dass die Laufzeiten befristeter Arbeitsverträge für Postdocs in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

    Ein weiterer Ansatzpunkt, attraktivere und planbarere Karrierewege zu eröffnen, ist das Tenure-Track-Modell, das an der Friedrich-Schiller-Universität stark gefördert wird. Die Tenure-Track-Professur bietet die Chance, sich bereits wenige Jahre nach der Promotion im Rahmen einer Professur zu bewähren und dabei die Sicherheit zu haben, dass eine unbefristete Position allein von der eigenen Leistung abhängt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Hanna Kauhaus
    Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Johannisstraße 13, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 9-30396
    E-Mail: hanna.kauhaus@uni-jena.de


    Originalpublikation:

    Hanna Kauhaus, Elisabeth Franzmann, Norbert Krause: Zweite Jenaer Postdoc-Studie. Analysen zu Arbeitssituation, Qualifizierungsbedingungen und Karrierewegen von Jenaer Postdoktorandinnen und Postdoktoranden“, online unter: http://www.jga.uni-jena.de/jgamedia/-p-3589.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Im Haus "Zur Rosen" hat die Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena ihren Sitz. Sie hat die Studie zur Situation der Jenaer Posdocs initiiert.


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