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22.03.2019 15:31

Ethik in den Technikwissenschaften

Mechtild Freiin v. Münchhausen Referat für Kommunikation und Marketing
Leibniz Universität Hannover

    Kurt-Alten-Stiftung fördert Promotionsstipendien an der Leibniz Universität Hannover

    Nicht alles, was technisch machbar ist, ist sinnvoll. Ethisches Handeln gewinnt vor dem Hintergrund der rasanten technologischen Entwicklungen durch die Digitalisierung und insbesondere durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz zunehmend an Bedeutung. Am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover gibt es jetzt zwei Promotionsstipendiaten, die zum Thema „Ethik in Technikwissenschaften“ forschen. Die Kurt-Alten-Stiftung fördert beide Stellen mit insgesamt rund 210.000 Euro.

    Anlässlich der ersten Beiratssitzung zu den Stipendien lud die Leibniz Universität am 22. März zu einem Pressegespräch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Industrie in die Demofabrik des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums auf dem Messegelände Hannover ein. Themen des Gesprächs waren die Bedeutung der Ethik in den Technikwissenschaften und wie ethisches Handeln im Unternehmen im Zuge der Digitalisierung funktionieren kann.

    „Die Leibniz Universität Hannover will mit diesen Stellen belastbare Grundlagen schaffen für die weitere Integration des Themas Ethik in die Lehre technischer Fächer. Die Forschung der Stipendiaten ergänzt vortrefflich die Arbeit der Zentralen Ethik-Kommission der Universität, die die ethische Zulässigkeit von Forschungsvorhaben am Menschen und mit Daten vom Menschen, die an der Universität oder der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover durchgeführt werden sollen, prüft und beurteilt“, sagt Prof. Dr.-Ing. Stephan Kabelac, Studiendekan der Fakultät Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover.

    „Unser Engagement in diesem Bereich entspricht in hervorragender Weise unserem Stiftungszweck“, sagt der Vorsitzende der Kurt-Alten-Stiftung Prof. Dr. Ulrich von Jeinsen. „Die Stiftung fördert junge Menschen, die das Potenzial haben, zur künftigen Elite, u. a. in Wirtschaft und Politik, zu gehören. Um ihnen das richtige Rüstzeug mitzugeben, sind die Berücksichtigung und Beantwortung ethischer Fragestellungen von zentraler Bedeutung.“

    Prof. Dr. Steffi Robak, Leiterin des Instituts für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover und Betreuerin der beiden Stipendiaten, sieht im Bereich der Weiterbildung dringenden Handlungsbedarf. Robak: „Die Weiterbildung muss auf die gestiegenen Anforderungen vorbereiten. Unternehmen und Bildungsorganisationen brauchen die Unterstützung im Umgang mit der Digitalisierung und dem Leben und Arbeiten in technologischen Umwelten. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik entstehen andere Sichtweisen und Einstellungen, die insbesondere für Führungskräfte und angehende Führungskräfte bei der Umsetzung neuer Technologien im Betrieb hilfreich sind.“

    Wie Unternehmen ihre Beschäftigten erfolgreich in die Einführung neuer technischer Systeme auch mit Blick auf ethische Fragestellungen einbinden können, erläutert Dr.-Ing. Axel Schmidt, Director Engineering der Sennheiser GmbH: „Wir haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an an den Entwicklungsprozessen digitaler Technologien für unsere Fertigung beteiligt. Sie haben diese Technologien aktiv mitgestaltet. Und: Wir haben in Abstimmung mit ihnen den Einsatz im Unternehmen festgelegt.“ Schmidt: „Der Erfolg unserer Maßnahmen hat unsere Vorgehensweise bestätigt.“

    Für das Pressegespräch hat die Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Walther Christoph Zimmerli, Professor für Philosophie, u. a. Gründungspräsident der Volkswagen AutoUni und Mitglied acatech (Konvent für Technikwissenschaften) gewinnen können. Im Rahmen von Pluralismus und Digitalisierung, so Zimmerli, sei die Ethik erforderlich, wenn moralische Selbstverständlichkeiten nicht mehr ausreichen. Die Umsetzung ethischer Grundsätze müsse geübt werden. Zimmerli: „Modelle der allgemeinen Ethik ebenso wie die der professionellen Ingenieurethik kann man in der Aus- und Weiterbildung lernen, die zu ihrer Umsetzung, zum Beispiel in den Unternehmen, erforderliche Urteilskraft muss aber geübt werden.“

    Erste Ergebnisse bezüglich ethischer Prämissen für Entscheidungsprozesse und ihrer Verortung in den Technikwissenschaften erwartet Betreuerin Robak Endes dieses Jahres.

    Die Teilnehmer des Pressegesprächs waren:
    • Prof. Dr. Walther Christoph Zimmerli, Prof. f. Philosophie, Honorarprof. für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der ETH und Universität Zürich und u. a. Gründungs-präsident der Volkwagen AutoUni, Mitglied acatech (Konvent für Technikwissenschaften)
    • Prof. Dr. Ulrich von Jeinsen, Vorsitzender der Kurt-Alten-Stiftung
    • Prof. Dr.-Ing. Stephan Kabelac, Studiendekan Maschinenbau, Leibniz Universität Hannover
    • Prof. Dr. Steffi Robak, Leiterin des Instituts für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung und der Arbeitsstelle „Diversität, Migration und Bildung“, deutsche Direktorin des Leibniz-Konfuzius-Instituts, Leibniz Universität Hannover
    • Dr.-Ing. Axel Schmidt, Director Engineering, Sennheiser GmbH

    Hinweis an die Redaktion:
    Für weitere Informationen und für Anmeldungen steht Ihnen Gerold Kuiper, Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen, unter 0511 762 18325 oder per Mail unter kuiper@ifw.uni-hannover.de gern zur Verfügung.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Informationstechnik
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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