Grüne Wiese statt Eisdecke

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
25.03.2019 11:58

Grüne Wiese statt Eisdecke

Dr. Ute Schönfelder Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Ein Forschungsteam der Universität Jena ist mit umfangreichen Daten für eine Langzeitstudie aus der Antarktis zurückgekehrt. Dort beobachten die Wissenschaftler seit vier Jahrzehnten deutliche Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt in Folge des Klimawandels

    Es wird Frühling. Die Natur erwacht zu neuem Leben und das Grau des Winters weicht einem frischen Grün. Was hierzulande sicher viele Menschen erfreut, bietet andernorts jedoch Anlass zur Sorge: In der Antarktis, genauer gesagt auf King George Island, rund 14.000 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt, gehörten grüne Wiesen bislang nicht zum typischen Landschaftsbild. Doch das ändert sich gerade. „Die Antarktis wird in dieser Region von Jahr zu Jahr grüner“, hat Christina Braun vom Institut für Ökologie und Evolution der Friedrich-Schiller-Universität Jena beobachtet. Durch den Rückzug von Gletschern und längere eisfreie Perioden, erobert sich die dort heimische Grasart Deschampsia antarctica immer größere Gebiete und breitet sich rasant aus.

    Christina Braun gehört zu einem vierköpfigen Expeditionsteam der Universität Jena, das im zurückliegenden Winter – dem antarktischen Sommer – jeweils mehrere Wochen in der Antarktis geforscht hat. Seit Ende November waren die zwei Wissenschaftlerinnen und zwei Wissenschaftler vor Ort und haben rund um die russische Forschungsstation Bellingshausen die antarktische Tier- und Pflanzenwelt untersucht. Jetzt ist das Team nach Jena zurückgekehrt, im Gepäck jede Menge ökologische Daten.

    Tiere und Pflanzen besiedeln neue eisfreie Areale schnell

    Für den Kopf der Gruppe, Dr. Hans-Ulrich Peter, war es bereits die insgesamt 30. Expedition in die Antarktis – seit 1979 dokumentieren er und seine Mitstreiter nahezu lückenlos die klimabedingten Veränderungen des Ökosystems in der Region. Die aktuellen Untersuchungen laufen im Rahmen eines vom Bundesumweltamt geförderten Forschungsprojekts und erfassen neben den Veränderungen in der Vegetation der Antarktis vor allem Daten zu Seevögeln und Robben: Riesensturmvögel, Skuas und Pinguine, Weddellrobben und Seeelefanten stehen dabei im Fokus der Forscher. „Wir dokumentieren in einem jeweils definierten Gebiet zum Beispiel die Anzahl von Brutpaaren, die Verbreitung von Brutplätzen und den Bruterfolg von Seevögeln“, erläutert Christina Braun die Feldarbeit. „Aus diesen Datensätzen lassen sich über die Jahre Veränderungen ablesen und so der Zustand des Ökosystems beurteilen.“ Das inzwischen mehrere Jahrzehnte umfassende Datenarchiv der Jenaer Forscher sei immens wichtig. „Es gibt international kaum vergleichbare Monitorings für diese Region, die einen so langen Zeitraum abdecken“, so Braun.

    Auch wenn die Auswertung der von der diesjährigen Expedition mitgebrachten Daten erst jetzt beginnt, zeichnen sich einige Entwicklungen bereits ab. So nehmen nicht nur Gräser und andere Pflanzen die von Gletschereis freigegebenen Flächen in Besitz. Auch Tiere, wie Skuas, Möwen und Seeschwalben, besiedeln die neuen Gebiete sehr rasch.

    Neuer Forschungsaspekt: Müllmonitoring

    Und noch ein Problem sticht den Wissenschaftlern jedes Jahr deutlicher ins Auge: die wachsenden Berge an Müll, den das Meer anspült, darunter große Mengen Plastik bzw. Kunststoff. Ausgediente Bojen und Netze, Flaschen, Folien und Styropor sammeln sich an den Stränden. Kleine Plastikteile werden von Sturmschwalben und anderen Seevögeln gefressen und auch an deren Küken und Jungtiere weitergegeben. Des wachsenden Müllproblems in der Antarktis nehmen sich die Jenaer Ökologen auf ihre Weise an: seit diesem Jahr kartieren sie nicht nur die Flora und Fauna sondern auch Plastik-Strandgut und anderen Müll der Antarktis.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Hans-Ulrich Peter, Christina Braun
    Institut für Ökologie und Evolution der Universität Jena
    Dornburger Straße 159, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 949415, 03641 / 949445
    E-Mail: hans-ulrich.peter@uni-jena.de, chr.braun@uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Umwelt / Ökologie
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Immer größere Gebiete in der Antarktis rund um die Forschungsstation Bellingshausen auf King George Island sind von Gras bedeckt, wie Forscherinnen und Forscher der Uni Jena beobachten.


    Zum Download

    x

    Langzeitmonitoring: In diesem Jahr haben Alina Kessel und Martin Senf von der Uni Jena die Anzahl der Brutpaare, die Verbreitung von Brutplätzen und den Bruterfolg von Pinguinen dokumentiert.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay