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08.04.2019 11:31

Dresden setzt sich an die Spitze der digitalen Medizin

Kim-Astrid Magister Pressestelle
Technische Universität Dresden

    Else Kröner-Fresenius-Stiftung wählt von TU Dresden und Universitätsklinikum Dresden initiiertes Forschungscluster für eine umfassende Förderung aus

    In der Ausschreibung für ein Zentrum für Klinische Forschung mit einer Fördersumme von insgesamt 40 Millionen Euro über zehn Jahre hat der Stiftungsvorstand der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) den Antrag der Technischen Universität Dresden für ein „Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit“ ausgewählt. Das Zentrum ist eine gemeinsame Initiative der Dresdner Hochschulmedizin mit den Fakultäten Elektrotechnik und Informationstechnik, der Fakultät Informatik der TU Dresden sowie außeruniversitärer Partner. Damit bietet sich eine einzigartige Chance, auf dem Dresdner Campus eine neue Interdisziplinarität zwischen Hochtechnologie und Medizin zu schaffen. Die Chancen neuer Kommunikationstechnologien, von Robotik, Sensorik, neuen Materialien und künstlicher Intelligenz zum Wohle der Patienten einzusetzen, nach europäischen Wertemaßstäben zu gestalten und positiv erlebbar zu machen, ist die gemeinsame Vision des Konsortiums. Forschungen zum Patientennutzen neuer Technologien sowie zu ethischen und regulatorischen Fragen sind daher ein zentrales Element des Vorhabens. Ein „Living Lab“ als neue Struktur der patientennahen Forschung, mit der sich die Zeit bis zur Einführung von Innovationen in den Versorgungsalltag deutlich verkürzen lässt, wird dafür den praktischen Rahmen bilden. Für das Zentrum wird ein einzigartiger eHealth Campus direkt auf dem Gelände des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus entstehen, wo erstmalig Mediziner und Ingenieure gemeinsam in unmittelbarem Praxisbezug lernen, lehren und forschen. Der Zuschlag für den Dresdner Antrag ist das Ergebnis eines harten Wettbewerbs, an dem sich 27 Standorte der deutschen Hochschulmedizin beteiligt haben.

    Die Perspektiven auf innovative Ausbildungs- und Organisationsstrukturen, eine stark fächerübergreifende Zusammenarbeit, Spitzenleistungen in der Forschung und eine bessere Patientenversorgung waren Gründe für die Else Kröner-Fresenius-Stiftung, die Technische Universität Dresden auszuwählen. „Der Antrag aus Dresden adressiert eines der großen Zukunftsfelder der Medizin und hat unter den Anträgen der Endauswahl den Zielen der Else Kröner-Fresenius-Stiftung am besten entsprochen“, betont Prof. Dr. Michael Madeja, wissenschaftlicher Vorstand der EKFS. „Hier sehen wir das größte Potenzial, ein Reformmodell der Hochschulmedizin und ein auch international wichtiges Forschungszentrum aufzubauen.“

    „Schon heute ist ein Großteil unseres medizinischen Wissens und unsere klinische Dokumentation digital. Die Vorteile der Digitalisierung kommen aber noch viel zu wenig bei den Patienten und unseren Kolleginnen und Kollegen im medizinischen Arbeitsalltag an. Das war unsere Motivation als Ärzte, einen neuen und engeren Austausch mit dem Hochtechnologiecampus der TU Dresden zu suchen“, schildert Prof. Dr. Jochen Hampe, Gastroenterologe am Universitätsklinikum Dresden und Sprecher des Konsortiums seine Beweggründe. Die Wissenschaftler und Ärzte des Zentrums eint eine positive und partizipative Sicht auf den technologischen Fortschritt in der Medizin. „Unsere europäischen Werte und unsere Vision für eine patientenzentrierte digitale Medizin der Zukunft können wir nur einbringen, wenn wir aktiv gestalten und mit unseren Innovationen international führend sind“, zeigt Prof. Dr. Hampe auf.

    „Diese Initiative war so nur auf dem Dresdner Campus möglich. Mit der interdisziplinären Verknüpfung von Ansätzen der künstlichen Intelligenz, der Medizin- und Sensortechnik, der Digitalisierung und der patientennahen klinischen Forschung konnten TU Dresden und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus die Stiftung im harten Wettbewerb um die hohe Förderung überzeugen“, betont Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden. „Wir sind froh über das von der Stiftung in uns gesetzte Vertrauen und auch stolz auf die Möglichkeit des Aufbaus des neuen 'Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Digitale Gesundheit' hier in Dresden.“ Sowohl die Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus als auch das technisch-naturwissenschaftliche Exzellenzprofil der TU Dresden haben entscheidend zum erfolgreichen Exzellenzstatus der Universität beigetragen. Die strategische Entwicklung der Universitätsschwerpunkte und die erfolgreiche Einwerbung von Exzellenzclustern sowohl in den Lebenswissenschaften mit dem ‚Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD)’ und ‚Physics of Life (PoL)’ als auch in der Mikroelektronik und Kommunikationstechnologie mit dem ‚Center for Advancing Electronics Dresden (cfaed)’ und dem ‚Center for Tactile Internet (CeTI)’ haben die Substanz geschaffen, auf der das neue Zentrum jetzt aufbauen konnte. „Vor allem ist diese interdisziplinäre Initiative ein Beleg für den kooperativen Dresden Spirit auf dem Campus, der diese wegweisende und fächerübergreifende Initiative erst möglich gemacht hat. Dresden wird mit dem neuen Zentrum auf diesem Forschungsgebiet eine mindestens europaweit führende Rolle einnehmen.“

    Mit der Förderung wird die Rolle Dresdens als führender Mikroelektronikstandort Europas maßgeblich gestärkt. „Die Medizin der Zukunft wird alle Hilfsmittel nutzen, die die Digitalisierung bieten kann: Software, Sensorik, private Clouds, Mensch-Robotik-Interaktion. Cyber-medizinische Systeme (‚cyber-medical systems’) bilden sich, mit denen die Ärzte und das Pflegepersonal jederzeit den aktuellen Zustand des Patienten abfragen und viel schneller als bisher Therapie-Entscheidungen treffen können, erklärt Prof. Dr. Uwe Aßmann, Dekan der Fakultät für Informatik der TU Dresden. „Die Fakultät Informatik freut sich sehr über die Zusammenarbeit mit der Medizin im neuen Cluster, denn damit setzt sich die Dresdner Region national und international an die Spitze der Entwicklung von cyber-medizinischen Systemen der Zukunft.“

    Die Entwicklung innovativer Technologien für zukünftige digitale Systeme der Medizin bilden den Schwerpunkt der intensiven Zusammenarbeit der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik mit der Medizinischen Fakultät und den anderen Partnern im Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit. Mit dem Ziel, dem Patienten neuartige medizintechnische Systeme zur Verfügung stellen zu können, werden interdisziplinäre Kompetenzen im Zentrum effizient zusammengeführt. Im Vordergrund stehen beispielsweise sich vernetzende mobile Systeme zur kontaktlosen Erfassung von Patientendaten oder miniaturisierte Implantate, basierend auf neuartigen nanoelektronischen Schaltungen für eine erheblich wirkungsvollere Behandlung von Erkrankungen, als es bisher möglich war. „Die Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik erwartet eine intensive Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät und sämtlichen Partnern, die zu einer nationalen und internationalen Spitzenposition der Dresdner Region führen wird. Wir freuen uns, die Möglichkeiten, die eine enge Verzahnung mit Partnern in der Medizin sowohl bei der gemeinsamen Nachwuchsentwicklung und Studiengängen als auch in der Forschung zu nutzen“, betont Prof. Dr. Ronald Tetzlaff, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik.

    „Als Sieger aus diesem hochklassigen Wettbewerb hervorzugehen – das ist ein ganz besonderer Erfolg für die TU Dresden“, erklärt Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange. Sie betont: „Die Entscheidung der Stiftung trifft zwei unserer Absichten: Zum einen wollen wir Sachsen als international sichtbaren Standort für Spitzenforschung und Lehre ausbauen und zum anderen helfen, dass die Menschen in Sachsen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung auf allerhöchstem Niveau haben. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Hightech mit Medizinern und die erstmalige gemeinsame Ausbildung einer neuen Generation von klinischen Forschern und Ingenieuren, ist ein ausgesprochen zukunftsträchtiges Konzept, mit dem der Freistaat seine Position im globalen Wettbewerb der Wissenschaftsstandorte stärken kann, da die zukünftige universitäre Landschaft sich grundlegend verändern wird. Das bewilligte Zentrum passt damit ideal in das Exzellenzprofil der Technischen Universität Dresden.“

    „Mit dem Projekt hat Dresden das Potential, sich zu einem führenden Standort für Innovationen in der digitalen Gesundheitswirtschaft zu etablieren“, so Wirtschaftsminister Martin Dulig. „Forscher aus Medizin, Ingenieurwissenschaften und Informatik haben nun die einzigartige Gelegenheit, interdisziplinär und direkt am Patienten in der Uniklinik Dresden innovative digitale Anwendungen und Prozesse zu entwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass die Investition der Else Kröner-Fresenius-Stiftung nachhaltig und erfolgreich ist. Denn Sachsen bringt alle Voraussetzungen für ein führendes digitales Gesundheitscluster mit. So bietet Sachsen als größtes und führendes Mikroelektronik-Cluster Europas eine einzigartige Kombination aus exzellenter Forschung und starker industrieller Basis.“

    Auch die außeruniversitären Kompetenzen des Dresdner Medizin- und Hightechcampus sind eng mit dem neuen Zentrum verzahnt. Der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Dresdner Fraunhofer-Institute für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP, für Werkstoff- und Strahltechnik IWS, für Photonische Mikrosysteme und für Keramische Technologien und Systeme IKTS haben den Antrag unterstützt und werden in gemeinsamen Innovationsprojekten ihre Technologien und Fertigungskompetenz im Bereich Medizininformatik und Medizintechnik in Kooperationsprojekte einfließen lassen.

    „Steigende Gesundheitskosten gehören zu den größten volkswirtschaftlichen Herausforderungen. Die Forschung in diesem Bereich nimmt daher eine zentrale Stellung in unserer strategischen Planung ein. Aus diesem Grund bringt Fraunhofer spezifisch anwendungsorientierte Forschungs- und Technologieexpertise in die Kooperation ein, die die universitätsmedizinische Forschung ideal ergänzt. Der enge Schulterschluss der Dresdner Fraunhofer-Institute mit dem Dresdner Universitätsklinikum kann dabei als Blaupause für die Nutzung von Synergiepotentialen zwischen der Universitätsmedizin und der Gesundheitsforschung bei Fraunhofer dienen“, betont Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

    Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und das Deutsche Krebsforschungszentrum als einer der Träger des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) tragen ebenfalls mit gemeinsam finanzierten Projekten und ihren Kompetenzen zum Erfolg des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Digitale Gesundheit bei. „Wir sind bereits heute dabei, die traditionellen Grenzen von Medizin, Ingenieurwissenschaften und Informatik zu überwinden und eine neue strukturierte Interdisziplinarität, physische Nähe und gemeinsame Ausbildungsstrukturen zu schaffen“, so Stefanie Speidel, Professorin für „Translationale Chirurgische Onkologie“ am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC). „Die in Aussicht gestellte Förderung bestätigt uns in diesem Ansatz und bietet uns einzigartige neue Möglichkeiten.“ Die Informatikerin entwickelt neue Methoden der intraoperativen Navigation und Robotik.

    Die wissenschaftliche Agenda des Zentrums schafft Anwendungsräume für neue Sensoren und Implantate, vernetzte medizinische Arbeitsplätze und Diagnostik, Robotik sowie neue Interventionen. Parallel entsteht bereits heute eine wissenschaftliche Infrastruktur. Kernthemen sind hier Datenintegration und -sicherheit, Patientennutzen, Implementierung, Ethik und regulatorische Angelegenheiten, Lehre sowie Nachwuchsförderung. Das Implementierungsinstrument des Zentrums werden offene und kompetitiv vergebene interdisziplinäre Innovationspakete sein.

    „Wir schaffen den ersten wirklich integrierten eHealth Campus auf dem Gelände eines Universitätsklinikums und stellen damit Praxisrelevanz und Patientenbezug ganz in den Mittelpunkt unseres Wirkens“, betont Prof. Dr. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums. Für das Universitätsklinikum ist diese Entwicklung von zentraler strategischer Bedeutung: „Wir können so noch attraktiver für die besten und kreativsten Köpfe werben, bieten unseren Kolleginnen und Kollegen die modernsten Arbeitsplätze und stellen so vor allem auch sicher, dass unsere Patienten früh Zugang zu den besten neuen Diagnose- und Therapieverfahren bekommen“, betont der Vorstand. „Das Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit wird wichtige Impulse für die Entwicklung der Medizin der Zukunft setzen“, ist sich Prof. Dr. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, sicher. „Dieses Zentrum wird den Campus über die nächsten Jahre prägen und unsere Chancen im wissenschaftlichen Wettbewerb maßgeblich verbessern.“

    Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) – Forschung fördern. Menschen helfen.
    Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Die Stiftung wurde im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die EKFS bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Bis heute hat sie rund 1660 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Gesamtfördervolumen von aktuell über 50 Millionen Euro ist sie die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. www.ekfs.de.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    TU Dresden
    Rektor
    Prof. Dr.-Ing. Hans Müller-Steinhagen
    Tel.: +49 351 463-34312
    Email: rektor@tu-dresden.de

    Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit
    Sprecher des Zentrums
    Prof. Dr. med. Jochen Hampe
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Tel.: +49 351 458-7570
    Email: jochen.hampe@uniklinikum-dresden.de

    Else Kröner-Fresenius-Stiftung
    Bianka Jerke
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Tel: + 49 6172 8975-24
    Email: b.jerke@ekfs.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit


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