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09.04.2019 09:10

Auf dem Weg zum nachhaltigen Einsatz von Bioziden in Kommunen

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Der Schutz der biologischen Vielfalt durch einen reduzierten Einsatz von schädlichen Bioziden ist das Ziel eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Würzburg. Gefördert wird es vom Bundesumweltministerium.

    Sie begegnen uns täglich auf dem Weg in die Mensa, beim Besuch im Krankenhaus oder auf öffentlichen Toiletten. Manche nutzen sie häufig und andere eher selten: Die Rede ist von Desinfektionsmittelspendern. Gerade in öffentlichen Räumen sind sie nicht mehr wegzudenken und stille Begleiter unseres Alltags. Denn sie schützen uns beispielsweise vor Grippeviren und anderen Krankheitserregern, die von Mensch zu Mensch oder über Gegenstände übertragen werden können. Aber was genau steckt eigentlich in so einem Desinfektionsmittel?

    Desinfektionsmittel enthalten Wirkstoffe, die Schadorganismen abschrecken oder töten. Sie gehören zur Produktgruppe der Biozide, was sich für viele im ersten Moment positiv anhört. „Bio“ – das kann eigentlich nur etwas Gutes sein, oder? Tatsächlich sind Biozide auch gefährlich für den Menschen, da sie beispielsweise Haut- und Augenreizungen hervorrufen können, die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika fördern oder sogar krebserregend sind.

    Das Forschungsprojekt

    Um die Beschaffung und den Einsatz solcher Biozide geht es in einem neuen Forschungsprojekt an der Universität Würzburg: „Umweltfreundliche Beschaffung und Einsatz von Bioziden in Kommunen: Weiterentwicklung des Konzepts ‚Pestizidfreie Kommune‘ für den Biozidbereich“. Angesiedelt ist das Projekt an dem von Professor Ronald Bogaschewsky geleiteten Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre; Projektkoordinator ist Felix Blank, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl. Gefördert wird es in den kommenden zwei Jahren mit etwa 600.000 Euro vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit über den Projektträger des Umweltbundesamts.

    „Wir wollen den Einsatz und die Beschaffung von Bioziden für öffentliche Einrichtungen und kommunale Unternehmen in verschiedenen Gemeinden untersuchen“, beschreibt Felix Blank die Vorgehensweise der Wissenschaftler. Darauf aufbauend will das Team Handlungsempfehlungen für Kommunen entwickeln. Diese sollen dazu beitragen, zukünftig den Einsatz von Bioziden zu reduzieren, damit weniger schädliche Substanzen in die Umwelt gelangen und die biologische Vielfalt geschützt wird. Dabei darf natürlich nicht die Wirkungssicherheit herabgesetzt werden.

    Kommunen als Vorreiter beim Umweltschutz

    Das jährliche Auftragsvolumen der öffentlichen Hand beträgt circa 250 bis 400 Milliarden Euro, weshalb Kommunen eine besondere Vorbildfunktion einnehmen. Sie sollten Vorreiter bei der Nutzung besonders umweltschonender Produkte und Verfahren sein. Bisher ist allerdings der Anschaffungspreis ein wichtiger Faktor beim Einkauf und hemmt die Beschaffung von nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen. Dies ist nicht nur aus ökologischer Perspektive nachteilig, sondern kann sich auch aus Kostensicht negativ auswirken, da die höheren Anschaffungspreise von umweltverträglichen Produkten meist durch niedrigere Lebenszykluskosten relativiert werden können.

    Mit den Ergebnissen aus dem Forschungsprojekt sollen Kommunen in ihrem Beitrag zum Umweltschutz unterstützt und gefördert werden. „Die bei der Beschaffung relevanten Kriterien sollen erfasst und analysiert werden. Als Ergebnis sollen Kommunen vermehrt auf biozidfreie Alternativen und grüne Biozide zurückgreifen, damit die öffentliche Hand zu einem Vorbild beim Schutz der Umwelt und Artenvielfalt werden kann“, sagt Blank.

    Biozide als Untergruppe der Pestizide

    „Pestizid“ ist für viele Menschen ein bekannter Begriff, da er als Synonym für Pflanzenschutzmittel verwendet wird, die Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten oder Unkraut schützen sollen. Biozide sind eine Untergruppe der Pestizide und bestehen aus Chemikalien oder Mikroorganismen. Sie werden auch als „nicht-landwirtschaftliche Pestizide“ bezeichnet, da sie nicht direkt an Pflanzen zum Einsatz kommen, aber auch schädliche oder lästige Lebewesen bekämpfen, indem sie deren Nervensystem lähmen oder deren Vermehrungsfähigkeit beeinträchtigen.

    Biozide tragen dadurch zur Verbesserung der Hygiene und Gesundheit von Mensch und Tier bei, sind aber gleichzeitig potenziell gefährlich für Menschen und Umwelt. Aufgrund ihrer Risiken müssen sie geprüft und offiziell zugelassen werden. Ihre Anwendung ist gesetzlich vorgeschrieben und wird durch die europäische Biozid-Verordnung auf „das notwendige Mindestmaß“ beschränkt.

    Biozide kommen natürlich nicht nur in Kommunen und Behörden zum Einsatz. Viele Menschen verwenden solche Produkte auch im Privathaushalt, ohne dass es ihnen unbedingt bewusst ist. Diese dienen als Schutz vor Schädlingen wie Ratten, Insekten oder Pilzen und werden zur Reinigung oder Vorsorge eingesetzt. Zu den bekannten Produkten gehören beispielsweise Desinfektionsmittel, Insektensprays, Holzschutzmittel, Ameisen- oder Rattengift. In Kommunen werden Biozide vor allem in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schwimmbädern, Kindergärten oder bei der Trinkwasseraufbereitung und in der Abfallentsorgung eingesetzt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky, Lehrstuhlinhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre, boga@uni-wuerzburg.de

    Felix Blank, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre T: +49 931 31-88777, felix.blank@uni-wuerzburg.de

    Nina Münkel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre, T: 49 931 31-81973, nina.muenkel@uni-wuerzburg.de

    Kathrin Sackmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Industriebetriebslehre, T: +49 931 31-81958, kathrin.sackmann@uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Die Mitglieder der Forschungsgruppe (v.l.): Felix Blank, Kathrin Sackmann, Nina Münkel, Ronald Bogaschewsky.


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