"Digitales Delphi": Kritische Einschätzung zu Algorithmen im Recruiting

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
09.04.2019 17:23

"Digitales Delphi": Kritische Einschätzung zu Algorithmen im Recruiting

Ines Koch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Northern Business School

    Algorithmen sollen künftig bereits anhand von Sprachmelodie die Eignung von Bewerberinnen und Bewerbern für ein Unternehmen prüfen – NBS Research Fellow Marcel Schütz äußerte sich dazu am heutigen Dienstag, 9. April 2019, im Deutschlandfunk.

    Bewerbungsgespräche, die von Robotern geführt werden, sind inzwischen keine Zukunftsmusik mehr, sondern werden bereits in einigen Unternehmen eingesetzt – auch in Deutschland und zwar selbst für die Auswahl von hohen Positionen wie etwa Managern. Diese Verfahren versprechen besondere Neutralität und Objektivität in der Personalauswahl – auf den ersten Blick. In der Sendung "Politisches Feuilleton" im Deutschlandfunk Kultur hat NBS Research Fellow Marcel Schütz dazu einige kritischen Überlegungen angestellt.

    Algorithmische Vorauswahlprozesse versprechen zwar besonders faire und objektive Bewertungen, allerdings sind sie selbst vorprogrammiert. "Eine Firmenkultur fällt nicht vom Himmel, sie ist normativ gesättigt, vor Vorurteilen nicht gefeit", erklärt Schütz im Deutschlandfunk. Dies sei deshalb relevant, da Algorithmen gerade die Passung zur Firmenkultur prüfen sollten, was wiederum suggeriere, dass es eine solche geschlossene Kultur für ein ganzes Unternehmen tatsächlichgibt. Dass es im ersten Zugriff überhaupt nicht mehr auf nähere fachliche Eignung ankomme, hält Schütz, der selbst als Personaler und Recruiter tätig war, für ein nur wenig professionelles Verfahren im Personalmanagement. Ein Bewerber falle bei dieser Technik schon dann aus dem Raster, wenn er beispielsweise die "falschen Wörter" äußere oder vielleicht eine irgendwie ungewohnt erscheinende Melodie in der Stimme habe. Der Algorithmus habe geradezu etwas magisches, seine Befunde erschienen wie aus einem digitalen "Orakel von Delphi", meint Schütz.

    Zudem, so ergänzte Schütz gegenüber der Marketingabteilung der NBS, unterbinde ein solcher Prozess von vornherein jede Diskussion bzw. lagere diese in eine digitale Technik aus. Schütz beschreibt dies so: "Der Mensch assistiert der Maschine beim Assistieren des Menschen". Dies stelle eine recht paradoxe Lage dar. Ein Stück weit, so Schütz, erinnere ihn das an den Einsatz der heute weitgehend abgelehnten "graphologischen Methode", in der Bewerberinnen und Bewerber früher um handschriftliche Proben gebeten wurden. "Daraus hat man dann alles Mögliche über die Persönlichkeit herausfinden wollen. Das Verfahren ist quer durch die gesamte psychologische Forschung als völlig unwissenschaftliche, unseriöse Methode bewertet worden. Genauso gut hätte man Handleser mit der Personalauswahl betrauen können." Im Grunde sei dies reiner Aberglaube gewesen, so der Forscher.

    Der Beitrag im Deutschlandfunk ist unter der unten angegebenen Adresse als Text- und Audio-Ausschnitt abzurufen.


    Originalpublikation:

    https://www.nbs.de/die-nbs/aktuelles/news/details/news/digitales-delphi-kritisch...


    Weitere Informationen:

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/algorithmen-bei-der-personalauswahl-die-neu...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Marcel Schütz


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay