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16.04.2019 11:07

„Wer einen so privilegierten Beruf ausüben darf, muss auch etwas zurückgeben“

Julia Bird Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

    Professor Dr. Claus R. Bartram verabschiedete sich nach 24 Jahren als Ärztlicher Direktor des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg in den Ruhestand / Seine Nachfolge hat Professor Dr. Christian Schaaf angetreten

    Seit 1995 leitete Professor Dr. Claus R. Bartram als Ärztlicher Direktor das Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg, engagierte sich darüber hinaus zehn Jahre lang bis 2014 als Dekan der Medizinischen Fakultät. Nun hat sich der 66-Jährige in den Ruhestand verabschiedet. „Professor Bartram leitete das Humangenetische Institut in einer für sein Fach ausgesprochen ereignisreichen Zeit, in der sich die diagnostischen Möglichkeiten in rasantem Tempo weiterentwickelten und neue ethische Herausforderungen mit sich brachten. Ihm ist es dabei gelungen, das Heidelberger Institut zum größten Zentrum für humangenetische Diagnostik, verantwortungsvolle Beratung und Forschung in Deutschland auszubauen“, sagt Professor Dr. Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg. Seine Nachfolge hat zum 1. April 2019 Professor Dr. Christian Schaaf übernommen, der zuletzt die Patientenversorgung am Humangenetischen Institut des Universitätsklinikums Köln leitete.

    Das Team des Instituts für Humangenetik ist mit rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in zwei Abteilungen und Genetischer Poliklinik in den Bereichen Krankenversorgung, Forschung und Lehre aktiv. Die ärztlichen Leistungen umfassen pro Jahr rund 1.500 humangenetische Beratungen und mehr als 500 Konsildienste. Dazu kommen in der molekulargenetischen Diagnostik jährlich mehr als 2.000 Chromosomen- und weitere 2.000 Genomanalysen. Die genetische Beratung steht allen Personen offen, die selbst eine angeborene Fehlbildung, Behinderung oder genetisch bedingte Erkrankung haben oder für sich oder ihre Nachkommen befürchten. Die Schwerpunkte sind unter anderem neurogenetische Erkrankungen, Tumorgenetik und erbliche Krebserkrankungen wie z.B. Brust-, Eierstock- und Darmkrebs. Das Institut ist Referenzlabor für die molekulargenetische Therapiekontrolle bei der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) bei Kindern sowie gemeinsam mit der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen des Universitätsklinikums Heidelberg eines von zwei Zentren für Präimplantationsdiagnostik (PID) in Baden-Württemberg.

    „Pfadfinder und Berater“

    „Während wir früher hauptsächlich mit seltenen Krankheitsbildern zu tun hatten, sind mit dem Einzug der Molekulargenetik auch Volkskrankheiten wie Krebs in den Blick gerückt – heute suchen uns 40 Prozent unserer Patienten wegen Tumorerkrankungen in der Familie auf“, so Bartram. Insbesondere seit Etablierung der Genomanalyse ist ein sehr intimer Blick auf möglicherweise krankheitsverursachende Veränderungen im Erbgut möglich. Seine Aufgabe als klinisch tätiger Humangenetiker sah Professor Bartram daher immer als die eines „Pfadfinders, der in einem Wust möglicher Testverfahren das für den jeweiligen Patienten sinnvolle findet, dem Ratsuchenden erklärt und bei der Entscheidung berät.“ Eine verantwortungsvolle Beratung sei immer auch interdisziplinär am jeweiligen Krankheitsbild ausgerichtet – was in Heidelberg besonders gut gelungen sei: „Die Kooperationen mit den anderen Kliniken, aber auch Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum funktionieren hier sehr gut.“

    Die Jahre als Dekan der Medizinischen Fakultät empfand er als sehr bereichernd, insbesondere die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und eine „engere Beziehung zur Universität aufzubauen“. Das Engagement in diversen Gremien habe er daher nie als Last empfunden: „Wer einen so privilegierten Beruf ausüben darf, muss auch etwas zurückgeben.“ Sein Herzensthema war die Lehre: „Der Austausch mit den jungen Menschen wird mir fehlen.“ Wie sehr seine Begeisterung geschätzt wurde, zeigt seine Verabschiedung durch die Studierenden: Nach seiner letzten Vorlesung erschien eine kleine Delegation im Sekretariat und lud ihn mit der Ankündigung „Wir wollen uns richtig verabschieden“ in den Hörsaal der Kopfklinik ein. „Der ganze Hörsaal war voll besetzt und ich habe eine so tolle Lobrede erhalten – so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich habe keinen Satz herausgebracht“, erinnert sich der passionierte Dozent.

    Trotz einer gewissen Wehmut sieht Professor Bartram seinen Abschied überwiegend positiv: „Ich bin froh, abzutreten, solange die meisten deswegen noch traurig sind“, sagt er mit einem Schmunzeln. Im Ruhstand plant er nun, selbst noch einmal die Hörsaalbank zu drücken und Seminare in Kunstgeschichte zu besuchen.

    Präsidiumsmitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

    Professor Dr. Claus Rainer Bartram, 1952 in Hamburg geboren, studierte in seiner Heimatstadt Philosophie und Medizin. Im Rahmen seiner Promotion beschäftigte er sich 1978 bereits mit Genetik und Chromosomenanalysen, absolvierte dann eine Facharztweiterbildung zum Kinderarzt an den Universitätsklinika Düsseldorf und Ulm. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderter Forschungsaufenthalt führte ihn in eine genetische Arbeitsgruppe an der Erasmus-Universität Rotterdam. Zurück in Deutschland folgte 1985 die Habilitation in Kinderheilkunde zur molekulargenetischen Charakterisierung von Leukämien, 1987 eine Professur für Molekulargenetik in Ulm, 1993 mit abgeschlossener Weiterbildung zum Facharzt für Humangenetik dann der Ruf auf den dortigen Lehrstuhl für Klinische Molekulargenetik. 1995 wechselte er als Direktor des Instituts für Humangenetik an die Universität Heidelberg.

    Professor Bartram wurde für seine wegweisende Forschung zur Entstehung von erblichen Krebserkrankungen und den zugrundliegenden genetischen Mechanismen – insbesondere bei der akuten lymphatischen Leukämie bei Kindern – mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er war unter anderem Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik (GfH), Mitglied des Fachkollegiums „Medizin“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft und ist derzeit Präsidiumsmitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Medizin
    überregional
    Organisatorisches, Personalia
    Deutsch


    Professor Dr. Claus R. Bartram verabschiedete sich nach 24 Jahren als Ärztlicher Direktor des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg in den Ruhestand


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