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06.05.2019 10:58

Universität baut Forschung im Bereich Ethik und Künstliche Intelligenz aus

Alisa Koch Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Exzellenzcluster richtet „Ethics & Philosophy Lab“ ein ‒ Öffentliches Forschungsseminar am Weltethos-Institut ‒ Studium Generale-Reihe „Maschinelles Lernen“

    Der Standort Tübingen baut seine Forschung und Aktivitäten im Bereich Ethik und Künstliche Intelligenz (KI) aus. Das Spektrum reicht dabei von der Einrichtung eines „Ethics & Philosophy Labs“ als Forschungseinrichtung des Exzellenzclusters „Maschinelles Lernen“ bis hin zu einer öffentlichen Vorlesungs-Reihe im Rahmen des Studium Generale im kommenden Sommersemester. Die folgenden Maßnahmen sind geplant oder bereits umgesetzt:

    Ethics & Philosophy Lab
    Zum 1. April hat an der Universität das „Ethics & Philosophy Lab“ im Rahmen des Exzellenzclusters „Maschinelles Lernen“ seine Arbeit aufgenommen. Es widmet sich ethischen und philosophischen Fragen bei der Erforschung und Anwendung von Techniken Künstlicher Intelligenz in Wissenschaft und Gesellschaft. Untersucht wird u. a., was Maschinen lernen können und welche Rolle Wissenschaftler in einem von Maschinen mitgestalteten Erkenntnisprozess spielen. Das Labor startet zunächst mit drei Fellows: Dr. Thilo Hagendorff befasst sich mit Aspekten der Ethik Maschinellen Lernens (ML) mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz, wie zum Beispiel die potenzielle Diskriminierung durch Algorithmen. Dr. Thomas Grote forscht zu Fragestellungen der Verteilung von Verantwortung bei algorithmischer Entscheidungsfindung. Dr. Eric Raidl untersucht die Erkenntnistheorie und Logik von Maschinellem Lernen in der Wissenschaft und dabei besonders, wie sich das in ML-Systemen dargestellte Wissen bei neuen Erkenntnissen verändert.

    Als Mentoren werden Professorin Regina Ammicht-Quinn vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) und der Wissenschaftsphilosoph Wolfgang Spohn die Arbeit begleiten, der als Seniorprofessor an die Universität Tübingen berufen wurde. Spohn studierte Philosophie, Logik & Wissenschaftstheorie und Mathematik an der LMU München. Dort habilitierte er sich 1984 und hatte danach Professuren an den Universitäten Regensburg und Bielefeld inne. Bis 2018 war er Professor an der Universität Konstanz. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, unter besonderer Berücksichtigung der Logik. Er wird zudem am Exzellenzcluster den Aufbau des Bereichs Wissenschaftstheorie und Maschinelles Lernen unterstützen.
    Infos zum „Ethics & Philosophy Lab“ unter https://uni-tuebingen.de/de/151218

    Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur
    Bereits im Januar hat die Universität Tübingen mit Unterstützung der Udo Keller Stiftung die „Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur für Theorie und Geschichte der Wissenschaften“ ein-gerichtet. Professor Reinhard Kahle erforscht hier, in der philosophischen Tradition Carl Friedrich von Weizsäckers unter anderem Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung wissenschaftlicher Forschung. In einem ersten Schwerpunkt geht es dabei vor allem um Verantwortung in der KI.

    So behandelt ein von der Volkswagen-Stiftung gefördertes Projekt die Frage, inwiefern Software ‚verantwortlich‘ sein kann. Ziel ist es, die Verantwortung für Entscheidungen, die von Computerprogrammen getroffen werden, in der Hierarchie der Beteiligten ‒ Programmierer, Auftraggeber, Anbieter und Nutzer ‒ zuweisen zu können. Zudem wird untersucht, wie Verantwortungen zugeordnet werden müssen, damit eine gesellschaftliche Akzeptanz von KI im Alltag erreicht wird. Das sind auch Schlüsselfragen für ein geplantes „Zentrum für Ethik in der digitalen Gesellschaft“ mit Professor Reinhard Kahle und Seniorprofessor Klaus Mainzer. Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Mainzer war unter anderem Gründungsdirektor des Munich Center for Technology in Society und beschäftigt sich mit den Grundlagen Künstlicher Intelligenz und ihren gesellschaftlichen Herausforderungen. In Tübingen wird er im Juli einen Kurs zu den „Grundlagen des maschinellen Lernens und der KI“ auf der Hilbert-Bernays-Sommerschule halten, die von der Stiftungsprofessur organisiert wird.
    Infos unter https://uni-tuebingen.de/de/143985

    Veranstaltungen für die Öffentlichkeit
    Unter verschiedenen Lehrveranstaltungen für Studierende gibt es auch Angebote für die interessierte Öffentlichkeit. Im Sommersemester 2019 bietet Dr. Christopher Gohl am Weltethos-Institut das Forschungsseminar „Was bedeutet ‚Cyber Valley‘ für die Tübinger Demokratie“ an. Das Weltethos-Institut organisiert bereits seit 2017 Konferenzen, öffentliche Veranstaltungen und Lehrveranstaltungen zum Thema Ethik und KI, ausgehend von der Grundlage: KI braucht Dialog. Es geht um Fragen wie „Machen digitale Erfindungen unser Leben besser?“ und „Wer ist daran beteiligt und wer profitiert davon?“. „Für die Beantwortung braucht es einen Austausch, bei dem sich alle Beteiligten zu Chancen, Gefahren, Entwicklungen und ihren Konsequenzen verständigen“, sagt Gohl. „Tübingen ist für die kritische Begleitung von Forschung rund um die KI gut geeignet, weil die Universität über Institutionen zur ethischen Reflexion verfügt und die Stadt durch eine kritische Stadtgesellschaft mit gut entwickelter Dialog- und Streitkultur geprägt wird.“
    Infos unter http://www.weltethos-institut.org/institut/, https://bit.ly/2UcNmxy

    Im Rahmen des Studium Generale findet im Sommersemester die Ringvorlesung Maschinelles Ler-nen (Donnerstag, 20 Uhr, Hörsaal 21) statt. Die Reihe wird einen fundierten Überblick über das Forschungsgebiet und dessen Anwendungen geben. Interessierte sollen sich ein realistisches Bild davon machen können, was Maschinelles Lernen derzeit kann und was nicht – und was in naher Zukunft möglich sein könnte. Die Referentinnen und Referenten sprechen auf Einladung der Informatiker Professor Matthias Hein, Professor Philipp Hennig und Dr. Gabriele Schweikert.
    Infos zum Studium Generale: https://uni-tuebingen.de/de/63


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ethics & Philosophy Lab:
    Prof. Dr. Philipp Berens
    Universität Tübingen
    Forschungsinstitut für Augenheilkunde
    Telefon +49 7071 29-88833
    philipp.berens@uni-tuebingen.de

    Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur:
    Prof. Dr. Reinhard Kahle
    Universität Tübingen
    Carl Friedrich von Weizsäcker Stiftungsprofessur
    Telefon +49 7071 29-75333
    reinhard.kahle@uni-tuebingen.de

    Weltethos-Institut:
    Dr. Christopher Gohl
    Universität Tübingen
    Weltethos Institut
    Telefon +49 7071 54940-33
    gohl@weltethos-institut.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Informationstechnik, Philosophie / Ethik
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


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