Debatte: Wie werden wir zukünftig arbeiten?

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
20.05.2019 12:52

Debatte: Wie werden wir zukünftig arbeiten?

Eva Mühle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

    Sollten Maschinen den Menschen bei der Arbeit ersetzen? Machen smarte Systeme das Arbeiten einfacher oder die Arbeitenden einsam? Zu einer interaktiven Debatte über Chancen und Risiken im digitalen Zeitalter hat das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) am Donnerstag, 16. Mai, eingeladen. Rund 50 Angestellte aus unterschiedlichen Branchen, Studierende und Forschende haben diskutiert, wie sie sich die Arbeitswelt von morgen vorstellen.

    Dortmunder Forschende des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung, des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik und der Sozialforschungsstelle der TU Dortmund haben eine interaktive Debatte mit interessierten Praktikern angeregt. Acht Thesen zur Digitalisierung der Arbeitswelt standen zur Debatte, wie technologische Arbeitslosigkeit, Big Data und Datenschutz sowie digitale Bildung. Wie im britischen Unterhaus zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Standpunkt durch die Wahl des Sitzplatzes. Die Stühle auf der einen Seite signalisierten "Ich stimme zu", die andere Seite zeigte an "Ich sehe das anders". Im Mittelpunkt des innovativen Formats standen die persönlichen Einstellungen und Meinungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

    Nicht richtig oder falsch: Meinung ist gefragt

    Sehr kontrovers fielen die Meinungen zur These aus, ob Maschinen Menschen bei allen monotonen und anstrengenden Arbeiten ersetzen sollten. Während die eine Hälfte der Teilnehmenden der These zustimmte, lehnt es die andere Hälfte ab, dass Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen. „Warum muss es Menschen geben, die mit 40 Jahren nicht mehr arbeiten können, weil ihr Job sie körperlich kaputt gemacht hat?“, fragte eine Teilnehmerin, die die These unterstützt. Ein Teilnehmer der Contra-Seite verwies hingegen darauf, dass die Bewertung, ob Arbeitsaufgaben monoton seien, immer subjektiv sei: „Während einige beispielsweise den Job von Kassierern für eintönig halten, ist er für viele Angestellte sehr erfüllend“.

    Einig war sich die Mehrheit der Teilnehmer hingegen, dass es gut ist, wenn moderne Systeme bei der Arbeit Vitaldaten über uns sammeln, um uns so vor möglichen Belastungen zu warnen. Dennoch haben sich rund 65 Prozent der Teilnehmenden gegen die These ausgesprochen, dass auf der Arbeit Gesundheitsdaten von uns erfasst werden sollten. „Die Missbrauchsgefahr ist höher als der Nutzen“, so ein Teilnehmer. „Wir geben immer mehr Verantwortung an die Technik ab“, merkte eine weitere Teilnehmerin auf der Contra-Seite an. Eine Befürworterin der These argumentierte: „Die hohen Fehlzeiten zeigen, dass viele Personen nicht genug sensibilisiert sind für Belastungen am Arbeitsplatz. Smarte Anwendungen könnten uns also schon frühzeitig warnen, dass etwas nicht stimmt.“
    Eine Frage der (Weiter-)Bildung

    Die Mehrheit der Teilnehmenden sprach sich für Programmieren als Pflichtfach in der Schule aus. „Man sollte Schülerinnen und Schülern alle Felder aufzeigen und IT-Grundlagen vermitteln, um sie so an Themen heranzuführen, die vielleicht auf den ersten Blick nichts für sie gewesen wären“, so eine Teilnehmerin. „Außerdem würden so möglicherweise mehr Frauen Informatik studieren.“ Diese Ausführungen hatten einen Teilnehmer während der Debatte bewogen, von der Contra- auf die Pro-Seite zu wechseln. „Nicht jeder muss Programmierer sein, die Branche ändert sich so schnell. Besser wäre ein Fach wie theoretische Informatik, um ein Grundverständnis zu schaffen“, so ein weiterer Teilnehmer. Und welches Fach sollte wegfallen, wenn Informatik Pflichtfach wird? „Religion“, schlug eine Teilnehmerin vor.

    Der arbeitende Mensch im Mittelpunkt

    Die abschließende Frage, ob wir auch zukünftig weiter versuchen sollten, noch schlauere KI-Systeme zu entwickeln, bejahte die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden. „Wenn wir aufhören, uns weiterzuentwickeln, dann hören wir auch auf zu denken“, sagte eine Teilnehmerin. „Wir sind die Nutznießer der Digitalisierung und nicht die Opfer. Digitalisierung erlaubt, dass wir uns als Individuen intellektuell und sozial weiterentwickeln können“, fasste IfADo-Forscher Dr. Gerhard Rinkenauer seine Vision zur Arbeitswelt der Zukunft zusammen. Ein Teilnehmer erwiderte jedoch: „Die Entwicklung geht so schnell voran. Ich wünsche mir aktuell nicht noch schlauere KI, sondern Möglichkeiten, nicht abgehängt zu werden.“

    Der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen, egal wie es mit dem technischen Fortschritt weitergeht. Dieser Wunsch wurde die Debatte über immer wieder geäußert. „Die KI soll nur reden, wenn wir sie fragen. Herrschen sollen wir“, sagte ein Teilnehmer zur These, ob künstliche Intelligenz uns auf der Arbeit sagen sollte, was wir tun sollen.

    Die Unterhausdebatte fand am Donnerstag, 16. Mai, im „Innovationslabor Hybride Dienstleistung in der Logistik“ am Fraunhofer IML statt. Veranstaltet wurde die Debatte vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo, Referent Dr. Gerhard Rinkenauer), dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML (Referent Dipl.-Inf. Benedikt Mättig), der Sozialforschungsstelle der TU Dortmund (Referent Dr. Ralf Kopp) im Kontext des „Leistungszentrum Logistik & IT“ und des „Innovationslabors Hybride Dienstleistungen in der Logistik“. Moderiert wurde die Debatte vom Wissenschaftsjournalisten Maximilian Doeckel.

    Pressekontakt:
    Eva Mühle
    Pressereferentin
    Telefon: + 49 231 1084-239
    E-Mail: muehle@ifado.de

    Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) unter Rechtsträgerschaft der Forschungsgesellschaft für Arbeitsphysiologie und Arbeitsschutz e.V. erforscht die Potenziale und Risiken moderner Arbeit auf lebens- und verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Aus den Ergebnissen werden Prinzipien der leistungs- und gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt abgeleitet. Zu diesem Zweck beschäftigt das IfADo rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Institut finanziert sich aus einer institutionellen Förderung von Bund und Land sowie aus Drittmitteln (2018 insgesamt ca. 14 Mio. Euro). Das IfADo ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 95 selbstständige Einrichtungen umfasst.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    PD Dr. Gerhard Rinkenauer
    Leiter des Zukunftslabors Mensch-Technik-Interaktion
    Telefon: + 49 231 1084-374
    E-Mail: rinkenauer@ifado.de


    Weitere Informationen:

    https://www.ifado.de/blog/2019/05/20/debatte-arbeit-digitalisierung/ Übersicht zum Stimmungsbild der rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die jeweiligen Thesen


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Informationstechnik, Verkehr / Transport
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Nach Wahl des Sitzplatzes haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay