idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
23.05.2019 16:32

Sonderforschungsbereich zur Kontrolle bei Suchterkrankungen

Manuela Zingl GB Unternehmenskommunikation
Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Knapp zehn Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Alkohol, Tabak, Medikamenten und illegalen Drogen. Ein kleiner Teil der Suchtkranken schafft es jedoch, auch ohne Hilfe die Abhängigkeit zu überwinden. Wie ihnen dies gelingt, untersucht jetzt der neue überregionale Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio) „Verlust und Wiedererlangung der Kontrolle bei Suchterkrankungen: Verläufe, Mechanismen und Interventionen“ unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, individuelle Therapien gegen die Sucht zu entwickeln. Das Verbundprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für vier Jahre mit circa 12 Mio. Euro gefördert.

    Schmerzmedikamente, Rauschmittel, Alkohol und Nikotin haben eines gemeinsam: Ihr hohes Suchtpotenzial bringt viele Millionen Menschen in Deutschland und weltweit in Abhängigkeit. Suchtmittel lösen Wohlbefinden oder Euphorie aus, indem sie das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren. Bleibt diese als angenehm empfundene Stimulation aus, kommt es zu einem „Belohnungsdefizit“ – wodurch das oft unbezwingbare Verlangen nach der auslösenden Substanz entsteht. Der Wunsch, dem Verlangen nachzugeben, rückt bei Suchtkranken immer mehr in den Mittelpunkt – mit zum Teil gravierenden psychischen, sozialen und körperlichen Auswirkungen: An den Folgen einer Abhängigkeit von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen sterben in Deutschland jedes Jahr mindestens 140.000 Menschen.

    „Es gibt aber Suchtkranke, denen es auch ohne therapeutische Hilfe gelingt, die Kontrolle über den Suchtmittelkonsum wiederzugewinnen“, sagt Prof. Dr. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte und Sprecher des jetzt bewilligten SFB/Transregio. „Von ihnen wollen wir lernen: Welche Mechanismen entwickeln sie, um aus dem Abhängigkeitskreislauf auszubrechen? Dieses Wissen möchten wir anschließend nutzen, um anderen Substanzabhängigen gezielt zu helfen.“

    Dazu will das Team um Prof. Heinz gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der Technischen Universität Dresden mithilfe von Apps und anderen mobilen Techniken das Verhalten suchtkranker Personen im Alltag beobachten. Zusätzlich sollen Kognitionstests, Stimmungsabfragen und bildgebende Verfahren Erkenntnisse dazu liefern, wie sich die Entscheidungsfindung und kognitive Kontrolle bei substanzabhängigen Menschen verändern und welche Auswirkungen Suchtreize auf ihr Verhalten haben. „So wollen wir persönliche Stärken und Schwächen der Betroffenen identifizieren und auf dieser Basis individuelle Verhaltenstrainings erarbeiten, die ihnen die Entwöhnung erleichtern“, erklärt Prof. Heinz. „Langfristig planen wir die Entwicklung einer App, die die Nutzer warnt, sobald sie die Kontrolle über den Konsum von Suchtmitteln – inklusive Alkohol und Nikotin – verlieren. Die mobile Anwendung soll dann gleichzeitig gezielt Unterstützung anbieten.“

    Sonderforschungsbereiche der DFG
    Sonderforschungsbereiche (SFB) sind langfristige Forschungseinrichtungen, die die Bearbeitung innovativer und anspruchsvoller Forschungsvorhaben im Verbund ermöglichen. Im Gegensatz zu einem klassischen SFB wird ein SFB/Transregio (TRR) nicht von einer, sondern von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt und getragen. Die Projekte werden von der DFG zunächst für vier Jahre finanziell gefördert. Die Förderung kann nach erfolgreicher Evaluation um zwei weitere Förderperioden von je vier Jahren verlängert werden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Andreas Heinz
    Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
    Campus Charité Mitte
    Charité – Universitätsmedizin Berlin
    t: +49 30 450 517 001
    E-Mail: andreas.heinz@charite.de


    Weitere Informationen:

    https://psychiatrie-psychotherapie.charite.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay