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06.06.2019 10:48

Neuer Humboldt-Professor passt perfekt in die Tübinger Forschungslandschaft

Dr. Karl Guido Rijkhoek Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Peter Dayan verhilft zu einer engen Kooperation zwischen Universität und Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

    Die Universität Tübingen erhält eine neue Alexander von Humboldt-Professur: Peter Dayan, einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der theoretischen und experimentellen Neurowissenschaft, wird künftig im Fachbereich Informatik forschen. Dayan kam kürzlich als Direktor an das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik nach Tübingen, wo er die Abteilung „Computational Neuroscience“ aufbaut und als Geschäftsführender Direktor die Neuausrichtung des Instituts maßgeblich prägt. Die Nähe und die möglichen Kooperationen mit Universität, Kliniken und weiteren Forschungseinrichtungen in Tübingen trugen entscheidend zu seinem Kommen bei. Daher erhält er überdies die Alexander von Humboldt-Professur um die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Vorher war er am University College London (UCL) tätig. Die Humboldt-Professur ist Deutschlands höchstdotierter Forschungspreis, sie wird von der Alexander von Humboldt-Stiftung mit fünf Millionen Euro über fünf Jahre hinweg gefördert.

    Dayan forscht an der Schnittstelle von Neurowissenschaft, Medizin und Maschinellem Lernen. Zu seinen Forschungsinteressen gehört die Frage, wie das Gehirn Entscheidungen trifft. Anhand theoretischer Modelle untersuchte er verschiedene Lernformen, darunter das verstärkende Lernen, bei dem das Gehirn frühere positive und negative Erfahrungen zusammenführt und berücksichtigt. Er analysierte unter anderem, wie sogenannte Neuromodulatoren ‒ Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin und Acetylcholin ‒ die Entscheidungsprozesse beeinflussen.

    Darüber hinaus untersucht er, wie eine gestörte Entscheidungsfindung zu Krankheiten wie Depression, Sucht, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen führen kann. Damit verbindet er den psychologischen und den neuronalen Blick auf solche Erkrankungen und erhofft sich Erkenntnisse über deren Ursachen und eine mögliche Behandlung.

    Dayan hat Statistik- und Programmiermethoden entwickelt, mit denen sich Entscheidungsprozesse des Gehirns im Computer simulieren lassen. Damit hat er wichtige Grundlagen für die Entwicklung künstlicher neuronaler Netze geschaffen. Sein Wissen und seine Erfahrung wird der 53-Jährige auch in die Tübinger Forschung zu Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen einbringen.

    „Peter Dayans Felder fügen sich perfekt in die Tübinger Forschungslandschaft ein“, sagte der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler. „Er verbindet mehrere, bereits vorhandene Forschungsschwerpunkte des Standorts: die Neurowissenschaften, die klinische Forschung und die Forschung zu Maschinellem Lernen. Seine Professur in der Informatik vertieft die Zusammenarbeit der Universität mit dem Max-Planck-Campus und weiteren außeruniversitären Forschungseinrichtungen.“

    „Ich fühle mich sehr geehrt, diese Professur zu erhalten. Die vielseitigen Leistungen Alexander von Humboldts können nur beeindrucken. Es ist mir eine besondere Freude, einen Beitrag zu seinem 250. Geburtstag zu leisten“, sagt Dayan. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, mich so intensiv sowohl mit normalem als auch dysfunktionalem Lernverhalten und der Entscheidungsfindung befassen zu können. Darüber hinaus in einer so reichen intellektuellen Umgebungen wie die der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik."

    Die Humboldt-Professur ist eine Brücke nach Deutschland für internationale Spitzenforscherinnen und -forscher. Die Auszeichnung erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im Ausland bereits in ihrem Fachgebiet etabliert sind und sich bereit erklären, für mindestens fünf Jahre in Deutschland zu forschen. Universitäten nominieren die Preisträger, die dann von der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgewählt werden. An der Universität Tübingen ist Dayan der vierte Humboldt-Professor. Weitere Preisträger sind der Linguist Professor Rolf Harald Baayen, die Pflanzengenetikerin Professorin Marja Timmermans und der Geo- und Umweltforscher Professor Lars T. Angenent.

    Im Frühjahr 2019 ernannte die Stiftung vier Preisträger, weitere Preisträger werden Ende des Jahres ausgewählt. Die offizielle Auszeichnung aller Preisträger 2019 findet im Mai 2020 statt.

    Über Peter Dayan:
    Peter Dayan (geb. 1965) hat an der Universität Cambridge Mathematik studiert und promovierte an der Universität Edinburgh im Fach Informatik. Nach Forschungsaufenthalten am Salk Institut und an der Universität Toronto forschte er ab 1995 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. 1998 trat er eine Professur am University College London an, wo er die Gatsby Computational Neuroscience Einheit mit aufbaute, eine der renommiertesten theoretischen neurowissenschaftlichen Institutionen. Dort war er von 2002 bis 2017 Direktor und zugleich stellvertretender Direktor des Max Planck/UCL Centers for Computational Psychiatry and Ageing Research. Seit 2018 ist Peter Dayan Mitglied der Royal Society. Er erhielt 2012 den „Rumelhart Prize“ für Kognitionswissenschaften und 2017 den „Brain Prize“, die wichtigste europäische Auszeichnung für Neurowissenschaftler.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Kooperationen, Personalia
    Deutsch


    Professor Peter Dayan


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