130 Fachleute diskutierten über die Zukunftsfähigkeit der Agrar- und Ernährungsbranche in der Weser-Ems-Region

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06.06.2019 14:37

130 Fachleute diskutierten über die Zukunftsfähigkeit der Agrar- und Ernährungsbranche in der Weser-Ems-Region

Dr. Utz Lederbogen Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Osnabrück

    OSNABRÜCK.- Klimawandel, Tierwohl, Gülleüberschuss, Clean Meat oder die digitale Transformation: Derzeit steht die Agrar- und Ernährungswirtschaft unter großem Druck, Antworten auf drängende Herausforderungen zu finden. Rund 130 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Naturschutz diskutierten heute (6. Juni) an der Universität Osnabrück, wie die Branche in der Modellregion Nord-West Niedersachsens ihre Zukunftsfähigkeit erhalten kann.

    Im Rahmen der 2. Jahrestagung des Verbunds „Transformationsforschung agrar Niedersachsen“ wurde dabei auch die Frage aufgeworfen, wie der für den Wandel notwendige Schulterschluss aller Beteiligten noch enger gestaltet werden kann. Einigkeit herrschte, dass altes Denken nicht zu neuen Lösungsansätzen führen wird und neue Allianzen geschmiedet werden müssen.

    In seiner Einführungsrede im Osnabrücker Schloss betonte der niedersächsische Wissenschaftsminister und Schirmherr der Veranstaltung, Björn Thümler, dass das Agrarland Niedersachsen gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen den Anspruch haben müsse, nicht nur in der landwirtschaftlichen Produktion spitze zu sein, sondern auch in der Forschung auf diesem Gebiet. Nur wenn wissenschaftliche Arbeit disziplinübergreifend und praxisorientiert sei, könne sie gesellschaftlich relevant wirken, zur Lösung aktueller Probleme beitragen und dabei helfen, die Lebensumstände für möglichst viele Menschen zu verbessern. Thümler sagte: „Es ist daher richtig und auch in Zukunft weiterhin wichtig, dass der Verbund nicht nur durch die beteiligten Hochschulen, sondern auch durch die regionale Wirtschaft getragen wird. Dieses Engagement ist eine sinnvolle Investition in die Zukunft der agrarischen Intensivregion im Nordwesten Niedersachsens.“

    Voraussetzungen für die „Zukunftskunst“ in der Region hervorragend

    Der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, stellte in seinem Impulsvortrag dar, wie wichtig das Zusammenspiel verschiedener Bereiche ist, gerade in einer Zeit, in der der Wandel, d. h. die Transformation zu einer Nachhaltigen Entwicklung so von Bedeutung sei. Schneidewind, der selbst einige Jahre in der Region tätig war, erläuterte, dass diese Transformation aus dem klugen Zusammenspiel von innovativen Technologien, neuen ökonomischen Randbedingungen, kluger Politikgestaltung und der Mitgestaltung eines kulturellen Wandels entstehe. Er sagte: „Die Agrar- und Ernährungswirtschaft im Nord-Westen besitzt hervorragende Voraussetzungen für eine solche ‚Zukunftskunst’.“

    Auf dem anschließenden Podium standen die aktuellen Herausforderungen der Agrarforschung im Mittelpunkt. Dabei wurde die Frage erörtert, welche Rolle die Wissenschaft künftig bei der Transformation spielen kann. Der Präsident der Oldenburgischen IHK, Gert Stuke, betonte, dass die Lösungsansätze Akzeptanz in der Praxis finden müssten. Er formulierte dazu: „Das Agrar- und Ernährungsgewerbe im Nordwesten Niedersachsens braucht die Unterstützung der Wissenschaft. Denn nur Lösungen, die wissenschaftlich belegt und in der Praxis erprobt sind, werden sich am Ende durchsetzen.“

    Mit Projekten Schritt für Schritt nach vorne gehen

    Dass nicht nur geredet, sondern auch schon gehandelt wird, davon konnten sich die Teilnehmenden nach der Mittagspause überzeugen. Anhand zahlreicher Beispiele wurde deutlich, wie erfolgreich Wissenschaft und Praxis bereits zusammenarbeiten. In Zweierteams mit jeweils einer Person aus einer Hochschule und einem Unternehmen wurden zukunftsweisende Gemeinschaftsprojekte vorgestellt. Dabei stand die Zukunft der Tierhaltung im Mittelpunkt.

    Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Möglichkeiten und Grenzen der künstlichen Intelligenz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft geworfen. Prof. Dr. Joachim Hertzberg von der Universität Osnabrück und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz stellte gemeinsam mit dem Landwirt und Gründer der Plattform FARMTUNE, Dr. Hans-Peter Grothaus, Grenzen und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) vor. Digitalisierung und KI seien zwei unterschiedliche Seiten derselben Medaille, erläuterten sie. Die Digitalisierung generiere Daten, welche die KI brauche, um zu arbeiten; und die KI liefere die Interpretation der Daten, welche die Digitalisierung brauche, um statt Datenfriedhöfen kompaktes Wissen über die Vorgänge im Wertschöpfungsnetz zu generieren.

    Durch den Schulterschluss aller Beteiligten die Chancen des Wandels ergreifen

    Das Schlusspodium beleuchtete verschiedene Entwicklungspfade und unterstrich, dass heute bereits die Weichen für morgen gestellt würden. Die Geschäftsführerin des Verbunds, Dr. Barbara Grabkowsky, sagte: „Die große Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist ein Generationenprojekt. Sie birgt große Risiken, bietet aber auf der anderen Seite auch große Chancen für neue Geschäftsfelder, Produkte und Prozesse.“ Damit die Veränderung auch langfristig erfolgreich sei, brauche die Landwirtschaft Mut, Willen, Innovationsgeist, und den Schulterschluss mit der Wissenschaft, aber auch günstige Rahmenbedingungen und Rückhalt in Politik und Gesellschaft, so Grabkowsky weiter.

    Der Fachbeiratsvorsitzende des Forschungsverbunds, Prof. Dr. Hans Schulte-Nölke (Universität Osnabrück), zog ein positives Fazit der Veranstaltung. Er sagte: „Alle Beteiligten konnten sich davon überzeugen, wie vielfältig das Thema Transformation in der Agrar- und Ernährungswirtschaft bereits behandelt wird. Durch die Arbeit des Verbunds bieten wir dabei Orientierung und Richtung.“

    Die nächste Veranstaltung des Forschungsverbundes findet bereits am 18. Juni in Melle statt. Dann geht es um die möglichen Auswirkungen eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland.

    Ansprechpartner/innen für die Medien:

    Dr. Barbara Grabkowsky
    Geschäftsführerin Transformationsstelle agrar Niedersachsen
    c/o Universität Vechta
    Tel.: +49 4441 15 287 | Mobil: 0171/184 19 90
    E-Mail: barbara.grabkowsky@uni-vechta.de

    Dr. Utz Lederbogen
    Pressesprecher der Universität Osnabrück
    Neuer Graben 29, 49074 Osnabrück
    Tel. +49 541 969 4370
    E-Mail: utz.lederbogen@uni-osnabrueck.de
    Internet: http://www.uni-osnabrueck.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    130 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Naturschutz diskutierten, wie die Agrar- und Ernährungsbranche in Nord-West Niedersachsens ihre Zukunftsfähigkeit erhalten kann.


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