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11.06.2019 10:25

DDG/DGE: Gesundheitsgefahren durch hormonaktive Substanzen – Vorsorgeprinzip endlich konsequent umsetzen

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    Sie können im Wasser oder in der Nahrung enthalten sein, in Kosmetika, Kinderspielzeug oder Gebrauchsgegenständen: Hormonaktive Substanzen, verkürzt oft „Umwelthormone“ genannt, können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie hormonelle Vorgänge im menschlichen Körper imitieren oder stören, weshalb sie auch als endokrine Disruptoren bezeichnet werden.

    Weil endokrine Disruptoren die Entwicklung und Fruchtbarkeit von Tieren – und sehr wahrscheinlich auch die des Menschen – beeinträchtigen können und womöglich auch das Risiko für Erkrankungen wie Krebs oder Adipositas steigern, fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), die betreffenden Substanzen umgehend aus dem Verkehr zu ziehen. Die konkreten Forderungen und Hintergründe zum Thema werden auch auf einer Pressekonferenz zur Sprache kommen, die die DGE gemeinsam mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 18. Juni 2019 in Berlin abhält.

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    Zu den bekanntesten endokrinen Disruptoren zählen die Polychlorierten Biphenyle (PCB), die früher hauptsächlich als Hydraulik- oder Isolieröle verwendet wurden, Weichmacher wie Phthalate und Bisphenol A (BPA), die bei Verbrennungsprozessen entstehenden Dioxine, oder das früher großflächig zur Insektenbekämpfung eingesetzte DDT. „Einige dieser Substanzen sind schon seit Jahren verboten, finden sich jedoch noch immer in der Umwelt“, sagt Professor Dr. rer. nat. Josef Köhrle, ehemaliger Direktor des Instituts für Experimentelle Endokrinologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin und Präsident der DGE. Polychlorierte Biphenyle etwa werden seit Beginn der 80er-Jahre in vielen Ländern nicht mehr hergestellt, seit 2001 sind sie weltweit verboten. Trotzdem sind sie noch heute auf der ganzen Welt nachweisbar – auch im menschlichen Körper. Mit Luft- und Wasserströmungen sind sie sogar bis in die Polarregionen gelangt.

    Auch viele andere endokrine Disruptoren sind aufgrund ihrer chemischen Struktur sehr stabil und reichern sich in der Umwelt, in der Nahrungskette und letztlich auch im Fettgewebe von Tieren und Menschen an, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG. So können auch ursprünglich geringe Konzentrationen zu gesundheitlich relevanten Belastungen führen. „Wir beobachten beispielsweise, dass Jugendliche früher in die Pubertät kommen, und Übergewicht und Diabetes, aber auch Entwicklungsstörungen bei Kindern zunehmen“, erklärt der kommissarische Direktor der Medizinischen Klinik IV am Universitätsklinikum Tübingen. Von Fachleuten werden derzeit mehr als 1 000 Substanzen als endokrine Disruptoren eingestuft. Von insgesamt knapp 100 000 bekannten chemischen Verbindungen ist bisher nur ein kleiner Bruchteil auf mögliche endokrin aktive, schädliche Wirkungen geprüft.

    Endokrinologische Fachgesellschaften weltweit, unter ihnen auch die DGE, fordern, die bereits als endokrine Disruptoren bekannten Substanzen konsequent aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem müssten neue chemische Substanzen auf ihre Unbedenklichkeit überprüft werden, bevor sie in großem Maßstab produziert und in Umlauf gebracht würden, so die Experten. Insbesondere sei es nicht sinnvoll, bekannte endokrine Disruptoren durch verwandte, aber noch wenig untersuchte Verbindungen zu ersetzen. Auch diese können das Hormonsystem aus der Balance bringen und gefährden ebenfalls die Gesundheit. „Nur wenn Produzenten und Vertreiber nachweisen müssen, dass neue Substanzen nicht als endokrine Disruptoren wirken, können gesundheitliche Risiken verhindert werden“, sagt Biochemiker und Hormonexperte Köhrle.

    Um das Problem in den Griff zu bekommen, müsste zunächst die einheitliche Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO für endokrinen Disruptoren konsequent angewendet und in den noch unterschiedlichen Prüfverfahren für neue Substanzen EU-weit einheitlich umgesetzt werden. Das sei bislang noch nicht der Fall, kritisiert Köhrle. Weitere Forderungen der Endokrinologen beziehen sich auf die Verbesserung und konsequente Anwendung der Informations-, Kennzeichnungs- und Meldepflicht für endokrine Disruptoren, die Intensivierung und Förderung der Forschung, und die Entwicklung von Testmethoden zum schnelleren und sicheren Nachweis der Wirkung von endokrinen Disruptoren. „Wir müssen erreichen, dass nicht wie bisher erst nach dem Auftreten von Gesundheitsschäden reagiert wird“, sagt Köhrle, „sondern dass das in der EU geltende Vorsorgeprinzip auch auf endokrine Disruptoren konsequent angewendet wird.“

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    Terminhinweis für Journalisten:

    Gemeinsame Pressekonferenz
    der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
    und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)

    Termin: Dienstag, 18. Juni 2019, 11.00 bis 12.00 Uhr
    Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 4
    Anschrift: Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstr. 55, 10117 Berlin

    Themen und Referenten:

    Endokrine Disruptoren strenger regulieren: wie Umwelthormone die Gesundheit beeinträchtigen
    - Professor Dr. rer. nat. Josef Köhrle
    Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE), Seniorprofessor am (und ehemaliger Direktor des) Institut für Experimentelle Endokrinologie an der Charité–Universitätsmedizin Berlin

    Kinder und Jugendliche mit Diabetes: Welche Rolle spielt die stationäre Versorgung?
    - Professor Dr. med. Andreas Neu
    Vizepräsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Tübingen

    Schilddrüsenfunktionsstörung bei Kindern und Jugendlichen: Wann ist die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen gerechtfertigt?
    - Professor Dr. med. Heiko Krude
    Direktor des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie an der Charité–Universitätsmedizin Berlin

    Essstörungen bei Diabetes: wenn die Gedanken ständig ums Essen kreisen
    - Diplom-Psychologin Susan Clever
    Med. Psych. Consultancy, Diabetespraxis Blankenese, Hamburg

    Die Versorgung von morgen: Nachwuchs und Qualifizierung in der Diabetologie und Endokrinologie
    - Professor Dr. med. Baptist Gallwitz
    Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Kommissarischer Direktor, Medizinische Klinik IV, Universitätsklinikum Tübingen

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    Ihr Kontakt für Rückfragen:
    DDG- und DGE-Pressestelle
    Stephanie Balz
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-168
    Fax: 0711 8931-167
    balz@medizinkommunikation.org

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    Über die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE):
    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

    Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft:
    Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit über 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Pressetermine
    Deutsch


     

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