Stromgeneratoren im Nanoformat

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19.06.2019 17:22

Stromgeneratoren im Nanoformat

Dr. Boris Pawlowski Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    Kieler Nanowissenschaften zeichnen internationalen Vordenker der Nanotechnologie und talentierte Nachwuchsforschende aus

    Gestern Abend (Dienstag, 18. Juni) verlieh der Forschungsschwerpunkt Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zum sechsten Mal die Diels-Planck-Lecture. Der Preis ging an Professor Dr. Zhong Lin Wang vom US-amerikanischen Georgia Institute of Technology für seine bahnbrechenden Arbeiten in der Entwicklung von Nanogeneratoren und sich selbst versorgenden Systemen – mikroskopisch kleine Stromgeneratoren, die mit kleinsten Bewegungen mobile Geräte betreiben könnten. Mit der Auszeichnung ehren die rund 100 KiNSIS-Mitglieder jedes Jahr international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nano- und Oberflächenwissenschaften. Außerdem zeichnete der Schwerpunkt gestern die besten Kieler Dissertationen aus der Nano- und Oberflächenforschung des vergangenen Jahres aus. Musikalisch wurde die Preisverleihung, die im Rahmen der Konferenz „Intelligent Materials“ stattfand, vom Kieler „Trio Total“ begleitet.

    Ein Pionier der Nanotechnologie

    „Wir sind sehr stolz, heute einen Pionier der Nanotechnologie hier begrüßen zu dürfen“, sagte CAU-Präsident Professor Lutz Kipp zum Auftakt der Veranstaltung. Wang, Direktor des Center for Nanostructure Characterization am Georgia Tech und Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, ist führend in der Entwicklung von Zinkoxid-Nanostrukturen, insbesondere Nanogeneratoren. Sie können aus geringen mechanischen Bewegungen kostengünstig und dezentral Strom erzeugen. Unter dem Stichwort „Energy Harvesting“ hat diese Technologie Wissenschaft und Industrie im Bereich Energie stark beeinflusst. Es bezeichnet die Nutzung von Energie, die in der Umgebung ohnehin vorhanden ist, wie Körper- und Wasserbewegungen, Luftströmungen oder Temperaturunterschiede. Denkbar sind damit neben der Versorgung mobiler Geräte auch biomedizinische Anwendungen in Sensoren oder der Einsatz als tragbare Elektronik in smarten Textilien.

    „Wang ist ein Vordenker der Nanotechnologie, der mit seinen visionären Arbeiten nicht nur neue Forschungsfelder begründet hat, sondern auch zentrale Begriffe wie Piezeoelektronik geprägt hat“, sagte Rainer Adelung, Professor für Funktionale Nanomaterialien an der CAU, in seiner Laudatio. Außerdem habe Wang wichtige Grundlagen für nanowissenschaftliche Untersuchungsmethoden wie die Transmissionselektronenmikroskopie entwickelt.

    Ozean als Quelle Erneuerbarer Energien

    Mit der Idee der „Blue Energy“ beschreibt Wang einen neuen Weg, um zum Beispiel die Meere als Quelle von erneuerbaren Energien zu nutzen. „Das geht weit über Solar- und Windenergie hinaus: Ein Netzwerk aus Nanogeneratoren, das die Bewegungen der Wellen in elektrische Energie umwandelt, könnte einen nennenswerten Beitrag zur Stromversorgung leisten“, unterstrich Wang das Potential der Technologie in einem Vortrag im Rahmen der Preisverleihung. „Immerhin bedeckt der Ozean etwa 70 Prozent der Erde und Wellen gibt es Tag und Nacht, unabhängig vom Wetter“, so der Physiker weiter. Wangs sogenannte triboelektrische Nanogeneratoren (TENG) funktionieren über zwei Materialschichten, die immer wieder miteinander verbunden und voneinander getrennt werden. Im Kontakt der Materialschichten bauen sich elektrische Ladungen auf, die dann zur Stromerzeugung genutzt werden können, der „triboelektrische Effekt“. „Dieses Prinzip stellt einen neuen Ansatz dar, um den energetischen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen wie Big Data oder Internet of Things“, so Wang weiter.

    Talentierte junge Nanowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausgezeichnet

    Im zweiten Teil des Abends wurden die besten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Kieler Nano- und Oberflächenforschung für ihre hervorragenden Leistungen geehrt. Aus den Ergebnissen ihrer Promotionsarbeiten sind neue Forschungsfelder, innovative Materialien und erste Patente entstanden, sie haben Großforschungsprojekte der CAU erfolgreich vorangebracht oder wurden bereits in angesehenen Fachzeitschriften veröffentlicht und vielfach zitiert. Die mit je 1.000 Euro dotierten Auszeichnungen überreichten die KiNSIS-Sprecher Professor Jeffrey McCord und Professor Kai Rossnagel in den Kategorien Nano Physics, Nano Engineering, Nano Chemistry und Nano Life Sciences.

    Die Preise sind fester Bestandteil der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei KiNSIS. „Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind zentral für die Zukunft des Forschungsstandorts Schleswig-Holsteins“, betont KiNSIS-Sprecher Professor Jeffrey McCord. „Mit den KiNSIS-Promotionspreisen wollen wir ausgezeichnete Kieler Nachwuchstalente in den Nanowissenschaften fördern und auf ihrem Weg bestärken – nicht zuletzt durch Austauschmöglichkeiten mit hochkarätigen Kolleginnen und Kollegen wie unseren heutigen Gästen.

    Weitere Informationen zur Diels-Planck-Lecture und allen Preisträgerinnen und Preisträgern: https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/198-dpl/

    Bildmaterial steht zum Download bereit:
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    Bildunterschrift: CAU-Präsident Professor Lutz Kipp (v. links) und KiNSIS-Sprecher Professor Jeffrey McCord (Mitte) übergaben Professor Zhong Lin Wang vom Georgia Institute of Technology die Diels-Planck-Medaille.
    © Julia Siekmann, CAU

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    Bildunterschrift: Der Forschungsschwerpunkt KiNSIS der CAU zeichnete Wang als herausragenden Nanowissenschaftler mit der diesjährigen Diels-Planck-Lecture aus.
    © Julia Siekmann, CAU

    http://www.uni-kiel.de/de/pressemitteilungen/2019/198-DPL-3.jpg
    Bildunterschrift: Professor Rainer Adelung würdigte Wang in seiner Laudatio als einen der Pioniere der Nanotechnologie.
    © Julia Siekmann, CAU

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    Bildunterschrift: In seinem Vortrag erläuterte Wang das Prinzip hinter den von ihm entwickelten Nanogeneratoren, die selbstständig Energie erzeugen.
    © Julia Siekmann, CAU

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    Bildunterschrift: Außerdem wurden die besten Dissertationen in den Kieler Nanowissenschaften ausgezeichnet: CAU-Präsident Kipp (v. links), KiNSIS-Sprecher Prof. Dr. Kai Rossnagel, Dr. Emre Kizilkan, Dr. Nadja Stucke, Dr. Thomas Knaak, Dr. Tobias Dornheim, Dr.-Ing. Fabian Schütt, Dr.-Ing. Michael Timmermann, KiNSIS-Sprecher Prof. Dr. Jeffrey McCord.
    © Julia Siekmann, CAU

    Kontakt:
    Julia Siekmann
    Wissenschaftskommunikation
    Forschungsschwerpunkt Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS)
    Universität Kiel
    Telefon: 0431/880-4855
    E-Mail: jsiekmann@uv.uni-kiel.de
    Web: www.kinsis.uni-kiel.de

    Über KiNSIS
    Details, die nur Millionstel Millimeter groß sind: Damit beschäftigt sich der Forschungsschwerpunkt »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. Mehr Informationen unter http://www.kinsis.uni-kiel.de

    Christian-Albrechts-Universität zu KielPresse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski,Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de Internet: www.uni-kiel.de Twitter: www.twitter.com/kieluniFacebook: www.facebook.com/kieluni Instagram: www.instagram.com/kieluni


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/198-dpl/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Physik / Astronomie, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Der Forschungsschwerpunkt KiNSIS der CAU zeichnete Wang als herausragenden Nanowissenschaftler mit der diesjährigen Diels-Planck-Lecture aus.


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