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05.07.2019 09:33

Internationales Verbundprojekt zum Schutz von Auwäldern in Kirgisistan

Dipl.-Journ. Constantin Schulte Strathaus Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

    Die Bewahrung von Auwäldern entlang des Flusses Naryn in Kirgisistan steht im Mittelpunkt des internationalen und fachübergreifenden Projektes „ÖkoFlussPlan“, das ab August dieses Jahres unter Leitung der von Prof. Dr. Bernd Cyffka (Inhaber der Professur für Angewandte Physische Geographie und Leiter des Aueninstituts der KU) startet.

    Insgesamt 14 Partnerinstitutionen aus Deutschland und Kirgisistan beteiligen sich an dem dreijährigen Projekt, dessen kompletter Titel „Erhalt ausgewählter Ökosystemleistungen in den Flussauen des Naryn/Kirgisistan durch erneuerbare Energien und Kurzumtriebsplantagen unter Einbezug eines nachhaltigen Land- und Wassermanagements und Capacity Buildings“ lautet. Das Bundesforschungsministerium fördert „ÖkoFlussPlan“ mit 860.000 Euro. Zu den Partnern auf deutscher Seite gehören unter anderem die Technische Hochschule Ingolstadt, die Technische Universität München sowie die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. In Kirgisistan beteiligen sich neben verschiedenen Gemeinden, Behörden und NGOs die Naryn State University sowie die Kyrgyz State University for Construction, Transport and Architecture.

    Mehr als die Hälfte der großen Flüsse weltweit ist durch den Menschen verändert worden. Die Auenökosysteme entlang des Naryn in Kirgisistan hingegen sind bislang noch in einem weitgehend natürlichen Zustand. Damit sind die Auen des Naryn nicht nur als regionaler Hotspot der Biodiversität interessant, sondern können auch Erkenntnisse über die natürliche Dynamik von Flusssystemen liefern, wie sie sich in Mitteleuropa nicht mehr erzielen lassen.

    Für die Bewohner der Dörfer entlang des Naryn bieten die Auen Brennholz und Weideflächen, Flächen für die Erholung oder den Schutz vor Erosion. Allerdings ist durch die Entnahme von Brennholz und die Beweidung der langfristige Erhalt der Auwälder gefährdet. Darüber hinaus stellt eine geplante Staustufenkaskade am Oberlauf des Naryn eine Bedrohung für die natürliche Dynamik des Flusssystems und seiner Biodiversität dar. „Für die lokalen Entscheidungsträger ergibt sich also ein Zielkonflikt zwischen der Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Ressourcen aus dem Auwald, der Entwicklung des Landes mittels des Ausbaus von Wasserkraft sowie dem Erhalt der natürlichen Ökosysteme und ihrer Biodiversität“, erklärt Professor Cyffka, der auch das Aueninstitut der KU in Neuburg leitet. Ein Team aus deutschen und kirgisischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird in den kommenden drei Jahren zu diesem Konflikt forschen und unter transdisziplinärer Einbeziehung von Entscheidungsträgern aus Kirgisistan sowie der lokalen Bevölkerung Handlungsempfehlungen entwickeln.

    Mit „ÖkoFlussPlan“ knüpft die KU an die Erfahrungen aus einem Projekt an, welches die VolkswagenStiftung von 2014 bis 2017 förderte und sich ebenfalls mit Strategien für den Erhalt und die verträgliche Nutzung von Auen in Kirgisistan sowie in China befasste. Ziel des neuen Vorhabens ist es, die Auwälder entlang des Naryn zu bewahren sowie nachhaltige Energieressourcen für die lokale Bevölkerung anzubieten und zu implementieren. Um den Nutzungsdruck zu reduzieren werden Alternativen für die Holzentnahme aus den Auwäldern entwickelt. Dafür sollen zum einen Plantagen aus schnellwachsenden Gehölzen etabliert werden, die das Holz aus den Auwäldern ersetzen können. Zum anderen kommen aber auch moderne Technologien für die Erzeugung erneuerbarer Energien und der effizienten Energienutzung zum Einsatz. Dabei wird ein enger Dialog mit der lokalen Bevölkerung gesucht, um zum einen bestehendes lokales Wissen von Anfang an einbeziehen zu können und zum anderen die Ergebnisse des Projekts zu kommunizieren. Neben der lokalen Bevölkerung ist auch ein intensiver Austausch mit Entscheidungsträgern vor Ort geplant und an bestehende Projekte der kirgisischen Behörden zum Schutz der Auwälder und zur effizienten Energienutzung in den Dörfern angeknüpft. Ergänzend dazu hat ein Training von Nachwuchswissenschaftlern in modernen Methoden der Umweltanalyse die Förderung eines langfristigen Monitorings der Auwaldentwicklung entlang des Naryn zum Ziel.

    Inhaltlich werden von der KU vor allem die natürlichen Auenökosysteme analysiert, um Erkenntnisse über deren Zustand zu erheben und Prognosen über eine mögliche Entwicklung abzugeben. Dabei werden neben Feldaufnahmen auch moderne Methoden der Fernerkundung und Geoinformatik zum Einsatz kommen, um großräumig Informationen zu sammeln. Eine erste Feldkampagne wird bereits im September stattfinden. Im November wird zudem Dr. Nadira Degembaeva als kirgisische Gastwissenschaftlerin zu Besuch an der KU sein, um gemeinsam an Forschungsfragen zu den Narynauen zu arbeiten.

    Liste der an „ÖkoFlussPlan“ beteiligten Institutionen:

    Aus Deutschland:

    - Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (Angewandte Physische Geographie/Aueninstitut Neuburg)
    - Technische Hochschule Ingolstadt (Institut für neue Energie-Systeme)
    - Technische Universität München (Hydrologie und Flussgebietsmanagement)
    - Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Sozioökonomie und Kommunikation)
    - ÖKON Gesellschaft für Landschaftsökologie, Gewässerbiologie und Umweltplanung mbH, Kalmünz
    - CitrinSolar GmbH Energie- und Umwelttechnik, Moosburg
    - Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt
    - scilands GmbH – Gesellschaft zur Bearbeitung digitaler Landschaften, Göttingen

    Aus Kirgisistan

    - Eco-Consult
    - Naryn State University
    - Kyrgyz State University for Construction, Transport and Architecture
    - World Agroforestry Centre, Außenstelle Bishkek
    - Agentur für kommunale Entwicklung und Investitionen
    - Forstverwaltungen Naryn und Aktalaa
    - Kommunen Aktal und Emgek-Talaa
    - Kyrgyz Soil Science Society


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Für Fragen zum Projekt „ÖkoFlussPlan“ steht Ihnen Prof. Dr. Bernd Cyff-ka (Professur für Angewandte Physische Geographie; bernd.cyffka@ku.de) zur Verfügung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geowissenschaften, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Eine typische Flusslandschaft am Naryn. Der Fluss und seine Dynamik sind kaum vom Menschen beeinflusst, sodass hier ein noch weitestge-hend intaktes Flussökosystem erforscht werden kann.


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    (v.r.) Projektleiter Prof. Dr. Bernd Cyffka mit Projektmitarbeiterin Magda-lena Lauermann und Projektmitarbeiter Florian Betz.


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