Neuentdeckt: Fossiler Dünnschnabel-Albatros - Nahezu vollständiger Albatros-Schädel aus dem Pliozän beschrieben

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17.07.2019 10:00

Neuentdeckt: Fossiler Dünnschnabel-Albatros - Nahezu vollständiger Albatros-Schädel aus dem Pliozän beschrieben

Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat gemeinsam mit seinem Kollegen Alan Tennyson vom Museum Te Papa in Neuseeland eine neue ausgestorbene Albatros-Art aus dem Pliozän beschrieben. Der vor etwa 3 Millionen Jahren lebende Vogel erreichte nur etwa 90% der Größe des kleinsten heutigen Albatrosses. Bemerkenswert ist das Fossil vor allem durch den außergewöhnlich schmalen Schnabel, der nahelegt, dass sich die neue Art überwiegend von Fischen ernährte. Die Nahrung heutiger Albatrosse besteht dagegen zu einem großen Teil aus Tintenfischen. Der Fossilfund belegt daher eine größere Vielfalt in der Nahrungsökologie ausgestorbener Albatros-Arten. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „Ibis“.

    Heute lebende Albatrosse sind für ihre beachtliche Größe bekannt und die Flügelspannweite der größten Arten erreicht mehr als drei Meter. Obwohl Albatrosse zu den bekanntesten Hochseevögeln zählen, ist nur wenig über die Evolution dieser charakteristischen Vögel bekannt und Fossilfunde sind sehr selten.

    Das als Aldiomedes angustirostris neu beschriebene Fossil ist ein nahezu vollständig erhaltener Schädel, der 2011 von einem Privatsammler in der Tangahoe Formation auf der neuseeländischen Nordinsel entdeckt wurde. Die Meeresablagerungen dieser Fundstelle sind für eine reichhaltige Fauna aus dem Pliozän bekannt.

    „Die von uns beschriebene Art ist deutlich kleiner, als alle heutigen Albatrosse“, erklärt Dr. Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Kleine Albatros-Arten sind bereits aus dem Eozän und Miozän bekannt – das neue Fossil ist aber das jüngste und vollständigste Exemplar dieser Kleinformen und das einzige, von dem der Schädel bekannt ist.“

    Der von Mayr und seinem neuseeländischen Kollegen Alan Tennyson untersuchte Vogelschädel unterscheidet sich aber nicht nur in der Größe von allen bislang bekannten Albatros-Arten, auch die Schnabelform weicht von der Norm ab. „Der dünne Schnabel ähnelt dem heutiger Seevögel, die sich von Fischen ernähren“, erläutert Mayr. Der Frankfurter Ornithologe geht daher davon aus, dass sich die neu entdeckte Art nicht wie heutige Albatrosse überwiegend Tintenfischen nachstellte, sondern Fische bevorzugte.

    Der Fossilfund belegt, dass Albatrosse einst eine größere Vielfalt in ihrer Nahrungsökologie aufwiesen. Rätselhaft bleibt allerdings, warum die kleinen, fischfressenden Arten letztendlich ausstarben. „Denkbar ist, dass sie sich im Pliozän ähnliche ökologische Nischen mit anderen Seevögeln, wie Tölpeln oder Kormoranen, teilen mussten und dieser Konkurrenz nicht gewachsen waren“, vermutet Mayr und schließt: „Um diese Annahme zu überprüfen sind allerdings weitere Fossilien der damaligen Vogelwelt notwendig.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Gerald Mayr
    Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
    Sektion Ornithologie
    Tel.: 069- 7542 1348
    Gerald.Mayr@senckenberg.de


    Originalpublikation:

    Gerald Mayr & Alan J. D. Tennyson (2019): A small, narrow-beaked albatross from the Pliocene of New Zealand demonstrates a higher past diversity in the feeding ecology of the Diomedeidae. IBIS. doi: 10.1111/ibi.12757


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Nahezu vollständig erhaltener fossiler Schädel der neuentdeckten Albatros-Art (oben) im Vergleich mit dem Schwarzfußalbatros, einem der kleinsten heutigen Albatrosse (unten).


    Zum Download

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    Schädel der neuentdeckten Albatros-Art (oben) im Vergleich mit dem Antipoden-Albatros, einem der größten heutigen Albatrosse (unten).


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