»Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik 2019« im Bereich des pelvinen intraoperativen Neuromonitorings

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12.09.2019 14:43

»Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik 2019« im Bereich des pelvinen intraoperativen Neuromonitorings

Dipl.-Phys. Annette Maurer-von der Gathen Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT

    Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik VDE (VDE|DGBMT) und das Aktionsbündnis für Patientensicherheit vergeben am 25.09.2019 den »Preis für Patientensicherheit in der Medizintechnik«. Das Team um Dipl.-Ing. Karin Somerlik-Fuchs (inomed Medizintechnik GmbH, Emmendingen), Prof. Dr. med. Werner Kneist (Universitätsmedizin Mainz) und Prof. Dr.-Ing. Klaus-Peter Hoffmann (Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, St. Ingbert), erhält für seine Arbeit zum »Intraoperativen Neuromonitoring des autonomen Nervensystems im kleinen Becken« im Rahmen der Jahrestagung der VDE|DGBMT in Frankfurt den durch Dr. med. Hans Haindl gestifteten, mit 5.000 € dotierten ersten Preis.

    Die Gefahr Nerven zu schädigen, ist besonders bei Operationen im Bereich von Nervenbahnen allzeit präsent. In diesem Fall kann es zu schwerwiegenden Folgen für die Lebensqualität betroffener Patienten kommen sowie damit verbunden, oftmals zu hohen Kosten für das Gesundheitssystem. Das sogenannte intraoperative Neuromonitoring (IONM), eine Methode, die es erlaubt, während der Operation die Funktionalität der eventuell in Mitleidenschaft gezogenen Nerven zu überprüfen, ist inzwischen für einige chirurgische Eingriffe in bestimmten Körperbereichen ein etablierter und evidenzbasierter Standard. Denn beispielsweise operative Eingriffe an Beckenorganen (z. B. in der Kolorektalchirurgie) mit ihren äußerst feinen und komplexen Nervenstrukturen bringen hohe Risiken mit sich, zumal hier die Sicht für den Operateur durch den engen anatomischen Raum eingeschränkt ist.

    Das ausgezeichnete, langjährig erfahrene, interdisziplinäre Team aus Industrie, Klinik und Forschung arbeitete über einen Zeitraum von einem Jahrzehnt gemeinsam an der technischen Entwicklung bis hin zur klinischen Etablierung eines intraoperativen Neuromonitoring-Verfahrens für die pelvinen Nerven (pIONM). Die Besonderheit besteht u. a. darin, dass das Zielorgan glatte Muskulatur ist, die sich anders als die Skelettmuskulatur in klassischen IONM-Verfahren verhält. Zunächst musste daher grundsätzlich betrachtet werden, wie glatte Muskulatur auf elektrische Stimulation reagiert, um die Voraussetzungen zu schaffen, folglich ein System zu konzipieren und aufzubauen, das den speziellen Anforderungen sowohl der autonomen Nerveninnervation als auch der Kolorektalchirurgie gerecht wird. Erste klinische Untersuchungen zeigen beim Einsatz von pIONM vielversprechende Ergebnisse mit signifikant besseren postoperative Funktionsraten.

    Die Arbeiten der letzten zehn Jahre wurden im Rahmen mehrerer vom BMBF geförderter Forschungsprojekte durchgeführt, an denen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT häufig auch federführend beteiligt waren. Zu ihnen zählen »IKONA« (Kontinuierliches intraoperatives Nervenmonitoring als mikrotechnologisches Navigationsinstrument bei chirurgischen Eingriffen), »autoPIN« (Assistenzsystem zur Stimulation autonomer pelviner Nerven zum Intraoperativen Neuromonitoring in der Laparoskopie) und »INTAKT« (Interaktive Mikroimplantate).

    »Mit diesen Projekten konnte eine verbesserte Nervenschonung und damit eine gesteigerte Patientensicherheit erreicht werden, wobei der Bogen ausgehend von der Laparatomie über die laparoskopische OP zur robotergestützen OP in einer vernetzen Umgebung gespannt werden kann. Für uns als Fraunhofer IBMT war es eine große Chance, in diesem inter- und multidisziplinären Team mitarbeiten und unsere Kompetenzen einbringen zu können«, erläutert Klaus-Peter Hoffmann, Leiter der Hauptabteilung Biomedizintechnik des Fraunhofer IBMT. Die Herausforderungen für die Forscher des Fraunhofer IBMT lagen insbesondere auf technologischem Gebiet von der Simulation bis zur technischen Entwicklung und der Unterstützung einer Realisierung.

    In den letzten Jahren konnte die inomed Medizintechnik GmbH durch die intensive Forschungsarbeit mit der Universitätsmedizin Mainz und dem Fraunhofer IBMT zwei Systeme mit der patentierten pIOM-Technologie auf den Markt bringen. Dank der Arbeiten des Teams um Karin Somerlik-Fuchs können nun wichtige Nerven, die z. B. für eine ordnungsgemäße Blasenentleerung, die Enddarm- oder auch die Sexualfunktion relevant sind, zuverlässig ausgemacht und vor unbeabsichtigten Schädigungen während der Operation geschützt werden. Dass entsprechende patientenrelevante Komplikationen verringert werden können, zeigte sich in ersten Studien - ein großer Fortschritt im Beitrag zur Patientensicherheit bei Eingriffen im Bereich des kleinen Beckens. Im nächsten Schritt ist geplant, die Methode von der Rektumchirurgie auf den Bereich gynäkologischer chirurgischer Eingriffe zu adaptieren.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ansprechpartner am Fraunhofer IBMT:
    Prof. Dr. Klaus-Peter Hoffmann
    Hauptabteilungsleiter Biomedizintechnik
    Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
    Tel: +49 6897 9071 400
    klaus-peter.hoffmann@ibmt.fraunhofer.de
    https://www.ibmt.fraunhofer.de

    Ansprechpartner bei inomed Medizintechnik GmbH:
    Lisa Scherrmann
    inomed Medizintechnik GmbH
    Tel. +49 7641 9414 785
    press@inomed.com
    https://www.inomed.com


    Weitere Informationen:

    https://www.ibmt.fraunhofer.de
    https://www.ibmt.fraunhofer.de/de/ibmt-kernkompetenzen/ibmt-biomedizintechnik/ib...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Kooperationen, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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