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02.10.2019 14:42

Haben sich die großen Theorien überlebt?

Jörg Heeren Medien und News
Universität Bielefeld

    Jubiläumskonferenz der Universität Bielefeld am 14. und 15. November

    Ob Relativitätstheorie, Systemtheorie oder Spieltheorie: Große Theorien sind bis heute das Aushängeschild der Wissenschaft. Werden Sie von Analysen aus der Big-Data-Forschung abgelöst? Damit beschäftigt sich die Konferenz zum 50-jährigen Bestehen der Universität Bielefeld am 14. und 15. November. Ihr Titel: „Die theoretische Universität im Zeitalter der Daten. Haben sich die großen Theorien überlebt?“

    Der Soziologe Professor Dr. Helmut Schelsky entwickelte vor mehr als 50 Jahren den Plan einer „theoretischen Universität“ und legte so den ideellen Grundstein für die Reformuniversität Bielefeld. „Mit dem Titel unserer Jubiläumskonferenz erinnern wir an die Gründungsgeschichte der Universität“, sagt Professorin Dr. Angelika Epple. Die Historikerin ist die Vorsitzende des Scientific Board für das wissenschaftliche Jubiläumsprogramm. „Gleichzeitig fragen wir mit dem Titel danach, ob in Zeiten von Big Data quer durch alle Disziplinen eine Theorieskepsis eingetreten ist – oder gar eine Theoriemüdigkeit.“

    Wie sich die Haltung zu Theorien durch Big-Data-Forschung verändert
    Heutige Technologie macht es möglich, riesige Datenmengen zu speichern und in kurzer Zeit zu analysieren. Das wirkt sich auf die Arbeit in der Wissenschaft aus. Seit Jahren arbeiten die unterschiedlichen Disziplinen verstärkt mit Big Data. Forschende werten große Datenmengen automatisiert aus, um Phänomene zu erklären. „Großtheorien, aber auch Theorien mittlerer Reichweite wurden schon immer in Frage gestellt. Die Kritik hat nun aber eine ganz andere Qualität erreicht. Die Digitalisierung kann die Grundlagen der Wissenschaften verändern. Daher thematisieren wir, wie sich die Big-Data-Forschung quer durch alle Disziplinen auf die Praxis der Theoriebildung und auf die Haltung zu Theorien auswirkt“, sagt Epple. „Werden die Phänomene unserer Welt künftig womöglich in erster Linie mit Datenanalysen statt Theorien erklärt? Oder ermöglicht Big Data neue Zugänge, durch die die Aussagen von Theorien präziser werden?“

    Keynote-Vorträge und Diskussionen zur Zukunft der Theorien
    In den Keynote-Vorträgen der Konferenz gehen zwei hochkarätige Persönlichkeiten aus der Forschung der Frage nach der Zukunft der Theorien nach: der Stringtheoretiker Professor Dr. Robbert Dijkgraaf (Institute for Advanced Study in Princeton, USA) am 14. November und die Wissenschaftsphilosophin Professorin Dr. Nancy Cartwright (Durham University, England, und University of California San Diego, USA) am 15. November.

    Die Konferenz bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Am 15. November beschäftigen sich vier parallele Panels mit der theoretischen Diagnose gegenwärtiger Gesellschaften (Panel A, englisch), Textkulturen der Gegenwart (Panel B, deutsch), Maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz (Panel C, englisch) und interdisziplinären Praktiken der Modellbildung (Panel D, englisch). Zu den Vortragenden gehören der Soziologe Professor Dr. Stephan Lessenich (LMU München), die Sprachwissenschaftlerin Professorin Dr. Andrea Rapp (TU Darmstadt), der Physiker Professor Dr. Carlo Beenakker (Leiden University, Niederlande) und der Wissenschaftsphilosoph Professor Paul Humphreys PhD (University of Virginia, USA). Eine Podiumsdiskussion im Anschluss befasst sich mit der Rolle der Theoriebildung in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen.

    Podiumsdiskussion zur Steuerung der Wissenschaft im Zeitalter der Daten
    Ebenfalls auf dem Programm steht am 15. November eine Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wissenschaft. Sie diskutieren zum Thema „Wie die Wissenschaft im Zeitalter der Daten steuern? Good Governance vs. Ökonomisierung“. Zugesagt haben unter anderem Professor Dr. Dieter Imboden (Wissenschaftsmanager und emeritierter Umweltphysiker der ETH Zürich), Professorin Dr. Ada Pellert (Rektorin der FernUniversität Hagen, Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung) und Professorin Dr. Eva Quante-Brandt (Bremer Wissenschaftssenatorin a.D. und langjährige Bildungs- und Wissenschaftspolitikerin).

    Die Konferenz wendet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen. Eingeladen sind Forschende von deutschen sowie internationalen Universitäten und Hochschulen. Die Anmeldung ist kostenlos.

    Im Vorfeld der Jubiläumskonferenz präsentieren und diskutieren Studierende ihre Forschungsprojekte auf der Konferenz „Student Research: Studierende machen Wissenschaft“.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof.’in Dr. Angelika Epple, Universität Bielefeld
    Vorsitzende des Scientific Board für das wissenschaftliche Jubiläumsprogramm
    Telefon: 0521 106-3222
    E-Mail: angelika.epple@uni-bielefeld.de


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-bielefeld.de/50jahre/konferenz Programm der Jubiläumskonferenz und Anmeldung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Informationstechnik, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Physik / Astronomie
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Zu ihrem Jubiläum veranstaltet die Universität Bielefeld im November eine interdisziplinäre Konferenz zur Zukunft der Theorien.


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    Prof.’in Dr. Angelika Epple ist die Vorsitzende des Scientific Board für das wissenschaftliche Jubiläumsprogramm.


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