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09.10.2019 12:39

DGP: Deutsche und europäische Pneumologen warnen vor E-Zigaretten

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    E-Zigaretten sind für Menschen, die ganz mit dem Rauchen aufhören wollen, kein geeignetes Hilfsmittel. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) hin. Wer von der herkömmlichen Tabakzigarette auf die E-Zigarette umsteige, ersetze lediglich eine Sucht durch eine andere. Einige Suchtforscher propagieren zwar, E-Zigaretten seien ein praktisches Instrument zur Rauch- und Nikotinentwöhnung. Jedoch zeigen aktuelle Erhebungen, dass sich ein langfristiger Nutzen der E-Zigaretten bei der Entwöhnung nicht belegen lässt. Dagegen bergen die elektrischen Ersatzprodukte Gesundheitsgefahren, deren Ausmaß bislang noch nicht vollständig abzuschätzen ist.

    Deutsche und europäische Lungenärzte warnen daher vor dem Gebrauch elektronischer Zigaretten und fordern erneut ein umfassendes Werbeverbot für elektronische Rauchprodukte.


    Nicht erst seit in den USA mehrere Menschen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten an einem akuten Lungenversagen erkrankten und einige dieser Patienten starben (1), warnt die DGP vor der Nutzung von E-Zigaretten, vor allem durch Jugendliche. Denn mehrere Studien – auch eine in Deutschland – haben belegt, dass Schüler, die E-Zigaretten nutzen, auch eher zur konventionellen Zigarette greifen (2). „Die Industrie setzt bei der Werbung auf den Lifestyle-Faktor und spricht damit vor allem junge Leute an, für die E-Zigaretten ein niederschwelliges Einstiegsangebot in die Nikotinsucht darstellen“, sagt Professor Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der DGP. Auch aus Gründen des Jugendschutzes fordert der Experte daher ein vollständiges Werbeverbot sowohl für traditionelle Tabak- als auch für E-Zigaretten.

    Die elektronischen Verdampfer stehen fälschlicherweise im Ruf, deutlich weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Tabakzigaretten zu sein. Verschwiegen wird jedoch, dass in Abhängigkeit vom E-Zigarettentyp und der Zusammensetzung des verwendeten Liquids durchaus schädliche Substanzen, darunter atemwegsreizende wie Propylenglykol, krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und teilweise gesundheitsschädigende Metalle wie Blei und Chrom und Nikotin inhaliert werden. Von den verwendeten Aromastoffen gehen zudem vielfältige Gesundheitsgefahren aus (3, 4). Die akuten potentiell gesundheitsschädlichen Effekte, besonders auf Lunge und Atemwege, sind in einer aktuellen Übersichtsarbeit festgehalten (5). „Die Langzeitfolgen des Konsums von E-Zigaretten lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht umfassend abschätzen. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen aber, dass von diesen Geräten eine beträchtliche Gesundheitsgefahr ausgeht. Daher ist es von der Zigarettenindustrie fahrlässig und unverantwortlich, E-Zigaretten als harmlose, moderne Alternative zu verkaufen“, so Pfeifer.

    Auch die European Respiratory Society (ERS) richtet sich in einer aktuellen Stellungnahme gegen die Verharmlosung der Gefahren von E-Zigaretten (6). Die ERS widerspricht zudem ebenfalls der wiederholt vorgebrachten Behauptung, E-Zigaretten hätten einen positiven Nutzen bei der Entwöhnung von Rauchern. Zwar habe eine Meta-Analyse mehrerer Längsschnittstudien zur Wirksamkeit von E-Zigaretten gezeigt, dass diese unter kontrollierten klinischen Bedingungen einen kurzfristigen positiven Entwöhnungseffekt zeigten. Langfristig und unter Real-Life-Bedingungen erschweren sie jedoch die Rauchabstinenz. „Wer E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung empfiehlt, verkennt die Studienlage. Auch E-Zigaretten sind gesundheitsschädlich und daher als Entwöhnungshilfe vollkommen ungeeignet“, sagt Professor Dr. med. Tobias Welte, Past-President der ERS. Der sinnvollste Weg, um dauerhaft ohne Nikotin auszukommen, sind strukturierte Entwöhnungsprogramme, so der Experte.

    Quellen:
    (1) Layden JE, Ghinai I, Pray I, et al. Pulmonary illness related to e-cigarette use in Illinois and Wisconsin – preliminary report. N Engl J Med. 2019 Sep 6; DOI: 10.1056.
    (2) Morgenstern M, Nies A, Goecke M, Hanewinkel R. E-Zigaretten und Einstieg in den Konsum konventioneller Zigaretten – Eine Kohortenstudie bei Jugendlichen der Klasse 10. Dt. Ärzteblatt 2018; 115: 243–248.
    (3) Jabba S, Jordt S-E. Risk Analysis for the carcinogen pulegone in mint- and menthol-flavored e-Cigarettes and smokeless tobacco products. JAMA Intern Med. 2019 Sep 16. DOI: 10.1001.
    (4) Bitzer Z, Goel R, Reilly S et al. Effect of flavoring chemicals on free radical formation in electronic cigarette aerosols, Free Radic Biol Med. 2018; 120: 72–79.
    (5) Gotts JE, Jordt SE, McConnell R, Tarran R. What are the respiratory effects of e-cigarettes? BMJ. 2019 Sep 30; 366: l5275. DOI: 10.1136/bmj.l5275.
    (6) European Respiratory Society, Tobacco Control Committee. Positionspapier zur Tabak-Harm-Reduction (übersetzt von DGP). August 2019.

    Bei Abdruck Beleg erbeten.

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    Kontakt für Journalisten:

    Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.
    Stephanie Balz
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel: 0711 89 31-168
    Fax: 0711 89 31-167
    balz@medizinkommunikation.org
    http://www.pneumologie.de


    Weitere Informationen:

    http://www.pneumologie.de


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    Journalisten
    Medizin
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