Staphylokokken: Forschungsteam entdeckt neuen Mechanismus der Persistenz bei chronischen Infektionen

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24.10.2019 09:07

Staphylokokken: Forschungsteam entdeckt neuen Mechanismus der Persistenz bei chronischen Infektionen

Nina Grötschl Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien

    Weltweit erstmals gelang einem internationalen Forschungsteam der Vetmeduni Vienna der Nachweis eines neuen Mechanismus der Persistenz des Bakteriums Staphylococcus aureus (S. aureus). Von großer Relevanz ist diese grundlegende Erkenntnis, da S. aureus nicht nur der bekannteste, sondern für den Menschen auch einer der gefährlichsten multiresistenten Krankenhauskeime ist. Erforscht wurde dieser neue bakterielle Weg der Persistenz innerhalb einer Milchkuh – was auch deshalb von Bedeutung ist, da dies das Wohlergehen der Tiere, die Lebensmittelsicherheit und die Milchproduktion beeinflusst.

    Staphylokokken sind Bakterien, die zur normalen Keimflora der menschlichen und tierischen Haut gehören. Eine problematische Spezies ist jedoch Staphylococcus aureus, der nicht nur für den Menschen gefährlich, sondern auch eine der Hauptursachen für Euterzündungen (Mastitis) bei Milchkühen ist. Häufige Folge sind chronische und wiederkehrende Infektionen. Durch die entsprechend langanhaltende Verweildauer ist das Bakterium in der Lage seine Eigenschaften ständig zu verfeinern und sich an den Wirt anzupassen.

    In einer aktuellen, durch den österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) unterstützten Studie der Vetmeduni Vienna untersuchte das internationale Forschungsteam um Tom Grunert die Anpassung von S. aureus innerhalb des Wirtstiers im Detail. Über einen Zeitraum von drei Monaten wurde dies bei einer auf natürlichem Wege infizierten Kuh mit chronischer subklinischer Mastitis erforscht. Die Analyse des bakteriellen Genoms ergab eine vollständige Verdrängung des ursprünglichen Bakterienstamms durch eine genetischen Variante – also eine Anpassung durch Mutation und Selektion.

    Anpassung an den Wirt durch bakterielle Genomevolution öffnet neuen Weg zur Persistenz

    Mit der vorliegenden Studie ist es zum ersten Mal gelungen, bei einer durch S. aureus verursachten Rindermastitis eine genetische Anpassung des Bakteriums im Wirtstier zu verfolgen. Dazu Helene Marbach von der Abteilung für Funktionelle Mikrobiologie an der Vetmeduni Vienna: „Die Veränderung im Bakteriengenom betrifft insbesondere einen einzelnen Basenaustausch in einem Gen. Der neu entwickelte Klon zeigt starke Veränderungen bei infektionsrelevanten Phänotypen, wie z. B. eine höhere proteolytische Aktivität und Biofilmbildung.“ Die Forscherinnen und Forscher konnten damit einen neuen Weg zur Persistenz des Bakteriums nachzeichnen, welcher weg von der intrazellulären hin zu extrazellulären Persistenz führt.

    Der Artikel „Within-host evolution of bovine Staphylococcus aureus selects for a SigB-deficient pathotype characterized by reduced virulence but enhanced proteolytic activity and biofilm formation“ von Helene Marbach, Katharina Mayer, Claus Vogl, Jean Y. H. Lee, Ian R. Monk, Daniel O. Sordelli, Fernanda R. Buzzola, Monika Ehling-Schulz und Tom Grunert wurde in Scientific Reports veröffentlicht.
    https://www.nature.com/articles/s41598-019-49981-6

    Über die Veterinärmedizinische Universität Wien:
    Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2019 belegt sie den exzellenten Platz 5 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach „Veterinary Science. http://www.vetmeduni.ac.at


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dipl. Biol., Dr.rer.nat. Tom Grunert
    Abteilung für Funktionelle Mikrobiologie
    Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
    T +43 1 25077-2469
    tom.grunert@vetmeduni.ac.at


    Originalpublikation:

    Der Artikel „Within-host evolution of bovine Staphylococcus aureus selects for a SigB-deficient pathotype characterized by reduced virulence but enhanced proteolytic activity and biofilm formation“ von Helene Marbach, Katharina Mayer, Claus Vogl, Jean Y. H. Lee, Ian R. Monk, Daniel O. Sordelli, Fernanda R. Buzzola, Monika Ehling-Schulz und Tom Grunert wurde in Scientific Reports veröffentlicht.
    https://www.nature.com/articles/s41598-019-49981-6


    Weitere Informationen:

    https://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinformation...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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