Statement: Stationäre Krankenhausversorgung könnte in Schieflage geraten

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
24.10.2019 13:33

Statement: Stationäre Krankenhausversorgung könnte in Schieflage geraten

Friederike Mannig Pressestelle
Frankfurt University of Applied Sciences

    Gesundheitsökonom Prof. Thomas Busse warnt vor unkontrolliertem Kliniksterben

    Im Sommer 2019 veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung eine Studie, die besagt, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gäbe, die im Notfall keine spezialisierte Versorgung von Patientinnen und Patienten gewährleisten könnten. Die Empfehlung, mehr als die Hälfte der deutschlandweit über 1.400 Einrichtungen zu schließen, um die medizinische Versorgung auf die übrigen Kliniken zu konzentrieren, stößt dabei, insbesondere im Hinblick auf die ohnehin schon vielen Schließungen von Krankenhäusern, auf große Kritik. Der Frankfurter Gesundheitsökonom Prof. Thomas Busse, Professor für Pflegemanagement sowie Leiter des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), warnt vor einer bevorstehenden Schieflage der stationären Krankenhausversorgung in Deutschland: „Gerade in Anbetracht der vermehrten Meldungen über die Schließung geburtshilflicher Abteilungen und der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler Kliniken, besteht bereits jetzt das Risiko, dass die bundesweite Krankenhausversorgung nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann. Auch wenn darüber gesprochen wird, dass es zu viele Krankenhausbetten in Deutschland gibt, existiert kein Plan, wie viele Einrichtungen in welcher Größe an welchen Standorten tatsächlich bundesweit benötigt werden.“

    „Wir haben schon seit vielen Jahren ein unkontrolliertes Kliniksterben. Den politisch Verantwortlichen bleibt nichts anderes übrig, als hilflos bei Schließungen zuzuschauen – ein Einfluss der Politik auf die wirtschaftliche Lage einzelner Kliniken und die Aktivitäten der jeweiligen Krankenhausträger ist nicht gegeben, wäre aber dringend erforderlich“, betont Busse. So könnte es beispielsweise sein, dass mehrere Krankenhausträger auch in einer überversorgten Region – wie dem Rhein-Main-Gebiet – Insolvenz anmelden müssten und diese daraufhin unterversorgt ist. „Einen ersten Warnschuss haben wir in Frankfurt dieses Jahr mit der Insolvenz der Katharina Kasper ViaSalus GmbH relativ unvorbereitet erhalten, weitere Krankenhausschließungen werden sicherlich bald folgen“, so Busse. In diesem Zusammenhang wirft er auch die Frage auf, was passiert, wenn eine größere freigemeinützige oder private Krankenhauskette mit mehr als 50 oder 60 Krankenhäusern in Schieflage gerate. „Es ist nicht geklärt, wer dann den Versorgungsauftrag erfüllt und welche Krankenhäuser systemrelevant sind und deshalb erhalten bleiben müssen.“

    „Aktuell versucht der Gesetzgeber lediglich, den Krankenhausmarkt über den Hebel der Finanzierung und insbesondere die Qualitätssicherung auszudünnen – eine strukturelle Vorgabe der Krankenhausvorhaltung ist aber nicht erkennbar“. Aus diesem Grund plädiert Busse für eine gemeinsame, konzertierte Aktion mit Bund, Ländern, Krankenhausträgern und den ambulanten Versorgern, mit der Aufgabe eine Zielplanung für die zukünftig benötigten Krankenhausstrukturen zu erstellen, um daran das Handeln aller verantwortlichen Akteure zukünftig ausrichten zu können. „Dem Markt die Bereitstellung von Krankenhäusern zu überlassen, wird nicht funktionieren und uns schließlich schrecklich auf die Füße fallen“, prophezeit Busse.

    Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR)
    Das Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) bündelt die Kompetenzen der Frankfurt University of Applied Sciences auf den Gebieten Gesundheitswirtschaft, Gesundheitsökonomie und Gesundheitsrecht und dient als Plattform für die interdisziplinäre, fachbereichsübergreifende Kooperation. Das wissenschaftliche Zentrum wurde 2009 in Zusammenwirken der Fachbereiche Wirtschaft und Recht sowie Soziale Arbeit und Gesundheit gegründet.

    Weitere Informationen zum Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit unter: http://www.frankfurt-university.de/fb4; mehr zum ZGWR unter http://www.frankfurt-university.de/zgwr.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit, Prof. Thomas Busse, Telefon: +49 69 1533-2973, E-Mail: busse.thomas@fb4.fra-uas.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


    Prof. Thomas Busse


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay