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05.11.2019 20:33

Zielgenau helfen, wenn Alkohol das werdende Leben geschädigt hat

Ralf-Peter Witzmann Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

    Wie kann es gelingen, auf junge Menschen individuell einzugehen, die von der Fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) betroffen sind? Im Mittelpunkt des Fachtages „FASD – Lernen erlaubt?“ steht am Freitag, 8. November 2019, auf dem Campus Cottbus-Sachsendorf der BTU Cottbus–Senftenberg unter anderem diese Frage.

    FASD ist die häufigste Ursache für geistige Behinderung in der westlichen Welt und beruht auf einer vorgeburtlichen Hirnschädigung durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft. Die Behinderung ist unumkehrbar, und die betroffenen Menschen haben Zeit ihres Lebens mit erheblichen Funktionseinbußen zu kämpfen. Sie sind dauerhaft auf Unterstützung ihres Umfeldes angewiesen.

    „Viele Betroffene bleiben undiagnostiziert“, sagt Prof. Dr. med. Annemarie Jost, die im Institut für Soziale Arbeit der BTU das Fachgebiet Sozialpsychiatrie vertritt und die wissenschaftliche Leitung des FASD-Fachtages innehat. „Spezifisch für dieses Störungsbild sind unter anderem Schwierigkeiten bei der Informationsverarbeitung und bei der planvollen Alltagsgestaltung, Gedächtnisstörungen und vielgestaltige Verhaltensauffälligkeiten, zum Beispiel Hyperaktivität. In der Regel bestehen Lernbehinderungen, auch ein unterdurchschnittlicher IQ ist möglich. Die Betroffenen neigen zu Unfällen und weisen veränderte Reaktionszeiten und Koordinationsfehler in der Feinmotorik auf. In der Grobmotorik zählen Gleichgewichtsstörungen und Schwierigkeiten in der Kraftregulierung als typische Merkmale. Auch Organfehlbildungen – zum Beispiel angeborene Herzfehler – treten auf.“

    In der Tagung sollen Hilfen zielgenau entwickelt und eingesetzt, neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit verschiedener Akteure, insbesondere im Bildungsbereich, erörtert werden.

    Der Verein FASD Deutschland geht von 10.000 betroffenen Neugeborenen pro Jahr aus. Die Beeinträchtigungen müssen im Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung, die sozialen Erwartungen sowie bei dem Besuch von Kita, Schule und beruflicher Planung berücksichtigt werden. Geschieht dies nicht, kann es zu einer dauerhaften Überforderung nicht nur der Betroffenen, sondern auch von Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen kommen, weil Probleme fehlinterpretiert werden. Das Cottbuser Sozialpädiatrische Zentrum am Carl-Thiem-Klinikum (CTK) hat sich im Jahr 2010 als erstes im Land Brandenburg auf FASD spezialisiert.

    Cottbuser Netzwerk zum Thema FASD

    „FASD – Cottbus macht mobil: Prävention und faire Behandlung der Betroffenen“ ist der Titel eines Netzwerkes das sich 2017 in Cottbus formiert und es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Störungsbild FASD in die Öffentlichkeit zu rücken. Hier wirken Akteure aus dem Gesundheitssystem, der Jugendhilfe, dem Bereich Beratung und Ombudschaft, der Wissenschaft, der Justiz und der Kostenträger zusammen, um Pflegeeltern, Fachkräfte und angrenzende Hilfesysteme auf die Probleme junger Menschen mit FASD aufmerksam zu machen und das Zusammenwirken aller Hilfesysteme zu fördern. Interessierte, insbesondere auch aus dem Bildungsbereich, sind herzlich eingeladen, in diesem Netzwerk mitzuwirken und können sich diesbezüglich an Boje e.V. (Beratungs- und Ombudsstelle Kinder- und Jugendhilfe Brandenburg, Kontakt: info(at)boje-brandenburg.de) sowie an Prof. Dr. Annemarie Jost an der BTU wenden.

    Der Fachtag an der BTU Cottbus–Senftenberg

    Die Akteure des Fachtages „FASD – Lernen erlaubt?“, der am 8. November von 10 bis 16 Uhr im Gebäude 10 der BTU in Cottbus-Sachsendorf stattfindet, wollen das Störungsbild näher erläutern und in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Berufsgruppen Ansätze und Wege zur besseren Kooperation des Hilfesystems finden. Im Vordergrund steht insbesondere das Bildungssystem mit Kindergarten, Schule und dem Übergang zu beruflicher Bildung. Informationen zu vielfältigen medizinischen, pädagogischen und rechtlichen Aspekten werden vermittelt und in Arbeitsgruppen vertieft. Von Masterstudierenden der Sozialen Arbeit entwickelte Handreichungen für verschiedene Arbeitsfelder sollen in Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden perspektivisch weiterentwickelt werden. Ausgerichtet wird der Fachtag unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Annemarie Jost vom Institut für Soziale Arbeit der BTU in Zusammenarbeit mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum des CTK, dem BOJE e.V., der Agentur für Arbeit Cottbus, dem Integrationsfachdienst, dem FASD-Netzwerk Nordbayern e.V. und Masterstudierenden der Sozialen Arbeit der BTU.

    Die Ergebnisse des Fachtages „FASD – Lernen erlaubt?“ werden auf Website des BOJE e.V. zum Download zugänglich gemacht, wo bereits die Informationen zum Cottbuser Fachtag „Junge Menschen mit FASD und ihre Pflegefamilien“ aus 2018 zu finden sind.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Annemarie Jost
    Sozialpsychiatrie
    T +49 (0) 355 5818-419
    Annemarie.Jost(at)B-TU.De


    Weitere Informationen:

    https://www.boje-brandenburg.de/ - Informationen zum Cottbuser Fachtag 2018 "Junge Menschen mit FASD und ihre Pflegefamilien“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Teilnehmende des Fachtages "Junge Menschen mit FASD und ihre Pflegefamilien", der im März 2018 ebenfalls an der BTU stattfand, diskutieren in einer der Arbeitsgruppen.


    Zum Download

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