Wenn die Arbeit ausgeht, kommt dann die Muße?

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26.11.2019 09:01

Wenn die Arbeit ausgeht, kommt dann die Muße?

Kay Gropp Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

    In seinem neuen Buch zeigt Prof. Dr. Birger P. Priddat, wie in Europa über Arbeit gedacht wird und wie das bedingungslose Grundeinkommen in diese Tradition passt

    In seinem neuen Buch „Muße und Arbeit“ entwickelt Prof. Dr. Birger P. Priddat von der Universität Witten/Herdecke die europäische Denktradition zu Arbeit und Muße. Und fragt dann, welche Vorstellung denn bitte die neue Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen dazu beizutragen hat.

    Seine Eingangsfrage: Neigt sich die große Epoche der Arbeit in Europa zu Ende? Was mit Martin Luther begann - Aufwertung der Arbeit -, mit Friedrich Schiller den Gedanken aufbereitete, Mühsal und Arbeit als Spiel und Muße zu verwandeln, wurde bei Karl Marx zu einem neuen Gesellschaftsbild: den Kommunismus als Muße-Gesellschaft zu denken, in der die Arbeit auf ein Minimum reduziert, von den Maschinen geleistet wird. Paul Lafargue, Marxens Schwiegersohn, plädierte für das ‚Recht auf Faulheit‘.

    Lord Maynard Keynes, wie auch Lord Bertrand Russell versprechen sich vom Ende des Kapitalismus eine neue Zivilisation, in der die Menschen kreativen Prozesses nachgehen, weil die Arbeit, wiederum durch die Maschinen, auf ein Minimum gesenkt ist. Alle denken in eine Richtung: die Überwindung der Arbeit durch Automation zugunsten eines Lebens in Muße. Dabei wird die Muße als ‚höhere Tätigkeit' als die Arbeit geachtet: ein Bildungsideal des 19. Jahrhunderts. Mit dem Philosophen Herbert Marcus wandelt sich das Thema: auf den Spuren Schillers greift er das Spiel der Muße wieder auf, um es als Emanzipation von gesellschaftlichen Zwängen zu verkünden, für ein Leben in Leidenschaften.

    All diese Motive tauchen im laufenden Diskurs zum bedingungslosen Grundeinkommen wieder auf, nun aber nicht mehr als hohes Ideal der Muße als Bildung, sondern als freie Entscheidung der Bürger über ihr Leben und ihre Zeitverwendung. Doch bleiben Fragen offen: können wir ohne Arbeit leben? Wird die freie Zeit, die damit gewonnen würde, für soziale und kreative Projekte genutzt? oder wird sie eher eine Verstärkung unserer modernen Neigung, in den elektronischen Welt, im gaming etc. zu ‚verschwinden‘? was machen wir dann den ganzen Tag? Das bedingungslose Grundeinkommen ist auf seine gesellschaftlichen Umwandlungen noch nicht zu Ende befragt.

    „Jetzt, wo der Traum einer höheren Bildung in Muße realisierbar erscheint“, so Prof. Birger P. Priddat, „wollen wir einfach nur mehr Freizeit, ohne die kulturellen Anstrengungen, die die alte Zivilisationshoffnung getragen hatte“. Woraufhin entwerfen sich heute die Hoffnungen einer Gesellschaft?

    Birger P. Priddat: Muße und Arbeit
    Metropolis-Verlag für Ökonomie, Gesellschaft und Politik GmbH
    http://www.metropolis-verlag.de
    ISBN 978-3-7316-1409-8

    Weitere Informationen bei Prof. Dr. Birger Priddat, 02302 / 926-530, Birger.Priddat@uni-wh.de

    Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.600 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

    Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

    www.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Philosophie / Ethik, Politik, Psychologie, Religion, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Prof. Dr. Birger P. Priddat


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