Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

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02.12.2019 15:49

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

Thomas Simon Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Landshut

    Das große Potenzial intelligenter Ladungsträger und cloud-basierter Service-Plattformen zeigten eine Veranstaltung sowie ein Forschungsprojekt an der Hochschule Landshut.

    Die Veranstaltungsreihe Digitalisierung und Transformation der Hochschule Landshut befasst sich mit dem Wandel von Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung von Produkten. Die jüngste Veranstaltung „Vom intelligenten Ladungsträger zur störungsfreien Supply Chain” am 26. November am Technologiezentrum PULS in Dingolfing zeigte das große Potenzial für die Produktionslogistik, insbesondere auch für mittelständische Unternehmen.

    Dabei seien Ladungsträger, die verwendet werden, um Materialien oder Teile innerhalb der Produktionskette zu transportieren, wie rote Blutkörperchen: sie fallen erst auf, wenn sie fehlen, wie Prof. Dr. Johannes Uhrmann, wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltungsreihe, in seiner Begrüßung der rund 50 Fachteilnehmer, erklärte. Doch durch die digitale Transformation von Ladungsträgern zu Cyber-Physischen Systemen entstünden große Vorteile für die Supply Chain von Unternehmen, zusätzlich könnten traditionelle Hersteller neue Geschäftsfelder auf Basis digitaler Dienstleistungen entwickeln, erläuterte Prof. Dr. Sebastian Meißner in seinem Vortrag die Hintergründe des Konzeptes des intelligenten Transportbehälters.

    Sensorik, Vernetzung und Modularisierung schaffen Potenzial

    Die Vernetzung von Dingen im Rahmen des Internet of Things (IoT) ermögliche es u.a. schneller auf Störungen zu reagieren sowie automatisiert Optimierungsmaßnahmen in der Supply Chain vom Lieferanten bis zum OEM anzustoßen. Mit heute erhältlichen Sensorpaketen sei es möglich, Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Neigung oder auch Erschütterungen zu erfassen, Behälter zu orten und z.B. Nachbestellungen und Transporte auszulösen. Insgesamt könne man so durch Web-Applikationen und datenbasierte IT-Dienste schnell reagieren, um Störungen in der Lieferkette zu verhindern. Gerade das 5G-Netz biete - die gesamte Lieferkette überspannend - neue Möglichkeiten. Durch die Verbindung von Sensor- und Geodaten könne man z.B. Rückschlüsse auf die Ursache von Erschütterungen – wie zum Beispiel eine Behälterbeschädigung beim Entladen – ziehen, um automatisiert Qualitätssicherungsprozesse anzustoßen. Auch die Modularisierung von Sonderladungsträgern biete neue Chancen. Diese werden individuell für den Transport eines speziellen Bauteils wie z.B. einer Türinnenverkleidung entwickelt und hergestellt. Baue man diese Transportbehälter auf Basis von standardisierten Komponenten auf, könne man sie nach dem Auslaufen einer Baureihe umbauen und dadurch nachhaltiger nutzen.

    In seinen Ausführungen bezog sich Prof. Dr. Meißner auf Ansätze und Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt „iSLN.NET – das Netzwerk für intelligente und modulare Ladungsträger“. Dabei waren als Industriepartner die Gebhardt Logistic Solutions GmbH, DRÄXLMAIER GROUP und die BMW AG beteiligt, als Forschungspartner das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, die Technische Universität München (TUM) sowie das TZ PULS der Hochschule Landshut. Die Anforderungen an das Projekt aus Sicht der Automobilindustrie erläuterte Stefan Schlittenbauer (BMW AG). So betrage alleine der Aufwand, um in den BMW-Werken die enorme Anzahl an Behältern zu inventarisieren mehrere tausend Stunden pro Jahr, im Werk Dingolfing seien im Oktober 1,6 Millionen Sonderladungsträger umgeschlagen worden, verdeutlicht er die Dimensionen.

    Durch die verfolgbaren intelligenten Behälter erhoffe man sich, mehr Transparenz zu schaffen und so z.B. Leerguttransport oder auch die Zahl der Ladungsträger optimieren zu können, frühzeitig Behälterreparaturen anzustoßen oder auch die Einbindung in die zunehmend automatisierte Produktion und Fertigungslogistik zu ermöglichen. Dabei sei es wichtig, übergreifende und offene Plattformen entlang der gesamten Produktionskette zu schaffen. Herausforderungen seien dabei u.a. die Daten so intelligent zu verknüpfen, dass die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden können.

    Vorteile von modularisierten intelligenten Ladungsträgern nutzen

    Durch zusätzliche Services und die Modularisierung der intelligenten Transportbehälter neue Geschäftspotenziale erschließen zu können, verspricht sich die Gebhardt Logistic Solutions GmbH als Hersteller von Ladungsträgern, wie deren Mitarbeiter Martin Graßl in seinem Vortrag verdeutlichte. Mit dem Forschungsprojekt wolle man einen ganzheitlichen Blick auf das Thema werfen, dies auch aus Kosten-/Nutzensicht und über die gesamte Lieferkette hinweg - vom Entwurf der Sonderladungsträger über die Nutzungsphase bis hin zur späteren erneuten Verwendung.

    Ladungsträger, die durch Modularisierung und einen standardisierten Baukasten konfigurierbar und wiederverwertbar sowie mit Sensorik ausgestattet und vernetzt sind, ermöglichen einerseits neue Services, wie z.B. vorausschauende Reparatur vor Ort oder ein Holservice von beschädigten Behältern. Auch Tracking und Tracing seien wichtige Funktionen, dies auch, um die Auslastung der Ladungsträger erhöhen zu können und so die richtige Anzahl von Ladungsträgern zur richtigen Zeit am richtigen Ort einsetzen zu können. Das Ziel laute, „intelligente Ladungsträger branchenübergreifend über Skaleneffekte auch für Mittelständler erschwinglich zu machen“, wie er betonte. Die Kosten für den hohen Planungsaufwand werden bisher im klassischen Kaufmodell an die Kunden weitergegeben, 80 bis 90 Prozent würden nach der Verwendung verschrottet. Durch eine zweite Nutzung können 30 bis 50 Prozent der Kosten eingespart werden. Auch flexible Abrechnungsmodelle, wie das Mieten von Behältern und das Buchen von IT-Services, werden möglich. Man befinde sich mitten in einem digitalen Transformationsprozess vom Hersteller von Holz-, Kunststoff- und Stahlbehältern zum Anbieter von hybriden Produkten, die Hardware-Kompetenz mit IT-Know-how als Gesamtlösung verbinden.

    Nach einer abschließenden Fragerunde mit den Vortragenden, die die Teilnehmer rege nutzten, zeigte eine Live-Demonstration der Lern- und Musterfabrik des TZ PULS die im Projekt gewonnene Erkenntnisse an Hand der prototypischen Umsetzung mit den Möglichkeiten der Live-Datenauswertung auf der IoT-Plattform.

    Aktuelle Informationen zur Veranstaltungsreihe Digitalisierung und Transformation immer unter www.haw-landshut.de/digitalisierung, zum Technologiezentrum PULS unter www.tz-puls.de.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Kooperationen
    Deutsch


    Live-Demonstration in der Lern- und Musterfabrik


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    Martin Graßl (Gebhardt Logistic Solutions Gmbh), Prof. Dr. Johannnes Urhmann (Hochschule Landshut), Prof. Dr. Sebastian Meißner (Hochschule Landshut) und Stefan Schlittenbauer (BMW AG)


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