Strahlenschutz: Möglicher Einfluss elektromagnetischer Felder auf Tiere und Pflanzen im Fokus

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06.12.2019 10:58

Strahlenschutz: Möglicher Einfluss elektromagnetischer Felder auf Tiere und Pflanzen im Fokus

Nicole Meßmer PB2/ Pressearbeit
Bundesamt für Strahlenschutz

    BfS will Hinweisen zu möglichen Wirkungen weiter nachgehen

    Einige Tier- und Pflanzenarten können elektrische oder magnetische Felder wahrnehmen. Auch wenn in einigen Labor- und Freilandstudien teilweise Wirkungen auf Tiere und Pflanzen beobachtet werden konnten, gibt es aber nach wie vor keinen wissenschaftlich belastbaren Beweis, wonach elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte eine Gefahr für Tiere oder Pflanzen darstellen. Weiterhin besteht jedoch hoher Forschungsbedarf. Dies ist das Ergebnis eines internationalen Workshops des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) zum „Einfluss elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder auf die belebte Umwelt“.

    Besondere Bedeutung kommt den Erkenntnissen des Workshops angesichts des fortschreitenden Ausbaus der Stromnetze und der Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G zu. Eine umfassende Auswertung der Workshop-Ergebnisse soll die Grundlage für weitere Forschung bilden.

    Bei der Stromübertragung geht es vor allem um Tierarten, die das Erdmagnetfeld wahr-nehmen und sich danach orientieren. Schwerpunkt der Forschung ist, ob durch den Men-schen verursachte Felder die Wahrnehmung dieser Tiere beeinflussen oder gar ihre Orientierung stören können. So kommt eine Studie unter Laborbedingungen zu dem Schluss, dass die Orientierung der untersuchten Zugvögel nach dem Erdmagnetfeld durch schwache Magnetfelder auch unterhalb der Grenzwerte gestört werden kann. Es handelt sich dabei aber um einen Frequenzbereich, der weder mit Stromleitungen noch mit Mobilfunk in Zusammenhang gebracht werden kann, sondern dazwischen liegt. Demgegenüber konnte in ersten vorgestellten Ergebnissen einer anderen Studie bei Zugvögeln, die unmittelbar vor dem Freilassen solchen Magnetfeldern ausgesetzt waren, kein Unterschied im Flugverhalten (Zugrichtung, verspäteter Abflug) im Vergleich zu nicht-exponierten Tieren beobachtet werden. Im Rahmen dieser Studie sollen noch weitere Untersuchungen vorgenommen werden.

    Welchen Einfluss neue Gleichstromtrassen infolge des Stromnetzausbaus auf die Orientierung von Tieren haben werden, ist noch offen. Erwartet wird, dass die Tiere ihr Verhalten wie bei natürlichen Erdmagnetfeldanomalien anpassen und andere Orientierungsmöglichkeiten wie die Sonne, Sterne oder Landmarken nutzen.

    Im Zusammenhang mit Mobilfunk wurden zahlreiche Auswirkungen vor allem auf Insekten und Pflanzen diskutiert. Insgesamt betrachtet unterstützen die im Workshop präsen-tierten Untersuchungen den bisherigen Kenntnisstand, wonach es auch im Bereich hoch-frequenter elektromagnetischer Felder unterhalb der geltenden Grenzwerte keinen Nachweis für schädliche Auswirkungen auf Tiere oder Pflanzen gibt.

    Vereinzelt gibt es jedoch Hinweise darauf, dass hochfrequente Felder womöglich einen Einfluss auf Insekten haben könnten. So konnten in einer Freilandstudie Veränderungen der Häufigkeit und Biodiversität von Bestäubern in der Umgebung von Basisstationen beobachtet werden. Auch mit Blick auf die neue Mobilfunkgeneration 5G bleiben noch einige Fragen offen: So ist es denkbar, dass sich bei den möglicherweise in einigen Jahren zum Einsatz kommenden höheren Frequenzen die Energieaufnahme von Insekten erhöhen könnte.

    In Studien an Pflanzen wurden vor allem Wachstumseffekte untersucht. So beeinflusst das statische Erdmagnetfeld und dessen künstliche Abschwächung oder Verstärkung das Wachstum von Pflanzen. Gezeigt werden konnte zudem, dass hochfrequente Felder unter Laborbedingungen eine Stressreaktion auslösen und ebenfalls das Wachstum beeinflussen können. Da allerdings auch hier die Ergebnisse teilweise widersprüchlich waren, ist auch in diesem Bereich weitere Forschung erforderlich.

    Der Workshop fand Anfang November in München statt. Vorgestellt wurden Untersu-chungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Insgesamt nahmen 64 Fachleute aus 15 Ländern der ganzen Welt daran teil.

    Bundesamt für Strahlenschutz:
    Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten Strahlenrisiken, überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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