forsa-Umfrage: Jugendliche verteilen schlechte Noten für Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem

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09.12.2019 09:30

forsa-Umfrage: Jugendliche verteilen schlechte Noten für Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem

Peggy Groß Kommunikation
Stifterverband

    Jugendliche glauben nicht, dass es im deutschen Bildungssystem Chancengleichheit gibt. Daran können digitale Technologien nur bedingt etwas ändern. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Auftrag des Stifterverbandes zum Tag der Bildung am 8. Dezember.

    Berlin, 09. Dezember 2019. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten 14- bis 21jährigen zweifeln daran, dass alle Kinder in Deutschland die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben. Nur 42 Prozent glauben, die soziale oder kulturelle Herkunft spiele keine Rolle für gute Bildung. Das sind 9 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der positive Trend der Vorjahre wieder umgekehrt.

    Vor allem die Qualität der Schule und Lehrer haben großen Einfluss auf die Bildungschancen sagen 92 Prozent der Befragten. Aber auch die Zuwendung und Unterstützung (91 Prozent) sowie die Eigenmotivation (90 Prozent) spielen eine große bis sehr große Rolle. 69 Prozent der Befragten meinen, dass die Bildung der Eltern ein wesentlicher Einflussfaktor ist.

    Für die persönliche berufliche Zukunft seien verschiedene Kompetenzen wichtig, die in der Schule erlernt werden. Fast alle Befragten (98 Prozent) meinen, dass Selbstorganisation, Höflichkeit und Toleranz gegenüber anderen Menschen sowie Kenntnisse der deutschen Sprache (97 Prozent) für ihre berufliche Zukunft wichtig sind. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) glaubt darüber hinaus, das Programmier- und Softwarekenntnisse für die berufliche Karriere eine wichtige Rolle spielen.

    Digitale Technologien führen nur bedingt zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung

    Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, 76 Prozent der befragten Jugendlichen verstehen unter Lehren und Lernen mit digitalen Medien nicht nur die Vermittlung technischer Kompetenzen, sondern auch das Lernen mit digitalen Informationen umzugehen. Auf die Frage, in welcher Form digitale Technologien die Bildungs- und Berufschancen sozial benachteiligter Kinder verbessern könnten, wusste die große Mehrheit spontan keine Antwort.

    Vergleichsweise häufig (8 Prozent) wurde aber der einfache Zugang zu digitalen Lern- und Nachhilfeangeboten und zu kostenlosen Informationen im Netz genannt. Sieben Prozent der Jugendlichen meinen außerdem, durch die Vermittlung von Medienkompetenzen in der Schule würden sich die Zukunftschancen erhöhen. Das allerdings nur, wenn sozial benachteiligte Kinder digitale Geräte kostenlos nutzen könnten. Gibt es die Möglichkeit nicht, würden digitale Technologien die Ungleichheit eher verstärken. Für sozial benachteilige Haushalte seien sie zu kostspielig und können somit weniger genutzt werden.

    „Der Digitalpakt ist ein erster Schritt, allen Schülern zu ermöglichen, mit Hilfe von digitalen Medien zeitgemäß zu lernen, um sich auf das Leben und Arbeiten im digitalen Zeitalter vorzubereiten“, sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes. „Jetzt gilt es, den Aktionsplan schnellstmöglich umzusetzen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, es reicht nicht die Schulen mit digitalen Technologien auszustatten. Voraussetzung für den Erfolg des Digitalpaktes ist, dass Lehrkräfte umfassend aus- und weitergebildet, pädagogische Konzepte entsprechend angepasst werden.“

    Unter den befragten Jugendlichen sagen 53 Prozent, dass ihre Schule nicht so gut oder sogar schlecht mit digitalen Medien ausgestattet ist. Zudem bemängelt die große Mehrheit auch die unzureichende Kompetenz der Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Medien. Die Lehrer können nicht so gut (46 Prozent) oder schlecht (20 Prozent) mit digitalen Lern- und Lehrmethoden umgehen. 32 Prozent vergeben den Lehrern gute bis sehr gute Noten. Auch von den Eltern erfahren die Befragten wenig Unterstützung: 29 Prozent der Jugendlichen geben an, ihre Eltern würden sie bei der kompetenten Nutzung digitaler Medien sehr unterstützen. 50 Prozent bekommen etwas, 19 Prozent hingegen gar keine Hilfe von ihnen.

    Über den Stifterverband
    Im Stifterverband haben sich rund 3.000 Unternehmen, Unternehmensverbände, Stiftungen und Privatpersonen zusammengeschlossen, um Bildung, Wissenschaft und Innovation gemeinsam voranzubringen. Mit Förderprogrammen, Analysen und Handlungsempfehlungen sichert der Stifterverband die Infrastruktur der Innovation: leistungsfähige Hochschulen, starke Forschungseinrichtungen und einen fruchtbaren Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. http://www.stifterverband.org
    Gemeinsam mit SOS-Kinderdörfer weltweit und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung hatte er vor fünf Jahren den Tag der Bildung, am 8. Dezember, ausgerufen. Zum diesjährigen Aktionstag hat der Stifterverband die Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben, um die Perspektive von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem abzufragen und in den Diskurs einzubringen. http://www.tag-der-bildung.de

    Pressekontakt:
    Peggy Groß
    T 030 322982-530
    presse@stifterverband.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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