An Fitnessübungen erinnern, Schrittzahl verfolgen und Schlaf kontrollieren sind nur einige der Anwendungen, die Smartwatches, Handys oder Fitnessarmbänder mit entsprechender App durchführen können. Eine Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) und der Universität zu Köln im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass bei Nutzern sogenannter Fitnesstracker die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie das Solidarprinzip der Krankenversicherung ablehnen.
Fitnessbezogene digitale Anwendungen werden in ihren Einsatzmöglichkeiten immer vielfältiger, und gut die Hälfte der Bevölkerung nutzt bereits derartige elektronische Hilfsmittel für Gesundheitszwecke, Tendenz stark steigend. Die Forscher der H-BRS und der Uni Köln kommen nun zu dem Ergebnis, dass die Nutzung fitnessbezogener digitaler Anwendungen langfristig die Einstellung zur Solidarität in der Krankenversicherung verändern kann. Bei dieser Nutzergruppe steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, das Solidarprinzip in der Krankenversicherung abzulehnen. Offenbar reduzieren das zunehmende Wissen und die vermeintliche Kontrolle über individuelle gesundheitliche Vitalwerte die Akzeptanz der Menschen für solidarisch finanzierte Gesundheitssysteme.
Unmittelbar ist die solidarische Krankenversicherung wie wir sie in Deutschland kennen aber nicht bedroht, denn „nach wie vor stimmen etwa 75 Prozent der Bevölkerung dem Grundprinzip einer solidarisch finanzierten Krankenversicherung zu“, gibt Professor Remi Maier-Rigaud Entwarnung. „Dennoch“, so der Leiter der Studie weiter, „gibt es Anzeichen dafür, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen einen langfristigen gesellschaftlichen Wertewandel hin zu mehr Eigenverantwortung verursacht.“ Denn die Studie konnte zeigen, dass Nutzer eher für gesundheitsbewusstes Verhalten belohnt werden wollen als Nicht-Nutzer. So stimmten sie deshalb der Aussage eher zu, dass Versicherte, die regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen, geringere Beiträge zur Krankenversicherung zahlen sollten. Ebenso befürworten Nutzer von Fitnessapps in höherem Maße die Belohnung von Personen, die ihre individuell gesammelten Daten mit ihrer Krankenkasse teilen.
Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen bundesweiten Umfrage unter 1314 Bürgern ab 16 Jahren, die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt.
Link zur Studie: http://www.fes.de/cgi-bin/gbv.cgi?id=15883&ty=pdf
Kontakt:
Prof. Dr. Remi Maier-Rigaud
Fachbereich Sozialpolitik und Soziale Sicherung Tel. 02241/865-9806
E-Mail: remi.maier-rigaud@h-brs.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften
überregional
Forschungsergebnisse, Kooperationen
Deutsch
Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).