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20.12.2019 12:38

Bösartigster Hirntumor – Was der Geruchsinn über die Prognose aussagt

Ulrike Bohnsack Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

    Das Glioblastom ist ein bösartiger und nicht heilbarer Tumor im Gehirn. Um Prognosen über den Verlauf der Erkrankung stellen zu können, muss bislang Tumorgewebe untersucht werden, was nur über eine Operation möglich ist. Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) ist es jetzt erstmals gelungen, einen Zusammenhang zwischen dem Riechvermögen von Patienten und der Schwere ihrer Erkrankung herzustellen. Hierüber berichtet das renommierte Fachmagazin Neurology.

    Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 30.000 Menschen an einem Gehirntumor, zwischen 2.500 und 3.000 davon an einem Glioblastom. Das Glioblastom ist besonders schwer zu behandeln und bislang ist eine vollständige Heilung nicht möglich. Die Lebenserwartung Betroffener liegt im Durchschnitt heute bei 15-20 Monaten. Die Wissenschaft ist sehr intensiv auf der Suche nach neuen Therapien und Diagnosemöglichkeiten, und die Zahl der Patienten, die mehrere Jahre überlebt haben, nimmt langsam zu.

    Entscheidend ist es, die Schwere dieser Erkrankung möglichst präzise einzuschätzen und individuell therapieren zu können. „Wir haben in den letzten Jahren durch moderne Diagnostik und maßgeschneiderte Therapien bei diesem Tumor große Fortschritte gemacht“, erklärt Prof. Dr. Martin Glas, Leiter der Abteilung Klinische Neuroonkologie an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.

    „Jetzt konnten wir erstmals zeigen, dass die Riechfunktion ein sogenannter Biomarker für das Überleben von Hirntumorpatienten sein kann“, sagt Prof. Glas. „Patienten, die eine Riechstörung entwickeln, haben eine schlechtere Prognose. Und dies anscheinend ganz unabhängig von der Lage des Tumors“, ergänzt Prof. Dr. Björn Scheffler vom Deutschen Krebskonsortium (DKTK), Direktor der Abteilung Translationale Neuroonkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ).

    Auf die Spur des Zusammenhangs waren die Wissenschaftler gekommen, da Riechstörungen bei einer Reihe von neurologischen Erkrankungen wie z.B. Parkinson eine Rolle spielen. Bei Hirntumoren wurde das jedoch noch nie untersucht. Die Riechfunktion lässt sich mittels sogenannter Riechstifte ganz einfach testen. Das sind 12 Stifte mit den Düften Pfefferminze, Fisch, Kaffee, Banane, Orange, Rose, Zitrone, Ananas, Zimt, Nelken, Leder und Lakritz.

    An der Studie nahmen 73 Patienten mit primärem Glioblastom und eine Kontrollkohorte mit 49 Patienten mit neurologischen Erkrankungen teil. Die Ergebnisse müssen nun noch in einer unabhängigen und größeren Kohorte überprüft werden. Ziel ist es, durch die einfache Testung des Geruchssinns möglicherweise bessere Aussagen zum Verlauf der Erkrankung oder aber auch der Therapie treffen zu können.

    Weitere Informationen und Redaktion:
    Christine Harrell, Medizinischen Fakultät, Tel. 0201/723-1615, christine.harrell@uk-essen.de


    Originalpublikation:

    Olfactory function as independent prognostic factor in glioblastoma, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31831598
    doi: 10.1212/WNL


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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