3,8 Millionen Euro Fördergelder zur Bekämpfung von Drogenabhängigkeit in Zentralasien und China eingeworben

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06.01.2020 14:11

3,8 Millionen Euro Fördergelder zur Bekämpfung von Drogenabhängigkeit in Zentralasien und China eingeworben

Oliver Klinke Kommunikation und Veranstaltungsmanagement
Frankfurt University of Applied Sciences

    Mittel werden zum wissenschaftlichen und fachlichen Austausch mit Hochschulen in Zentralasien und der VR China verwendet

    Fast 3,8 Millionen Euro hat der Lehrstuhl von Prof. Dr. Heino Stöver an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) für sein Projekt „Soziale Arbeit und Stärkung von NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit zur Behandlung einer Drogenabhängigkeit“ eingeworben. Die Fördermittel stammen aus dem DAAD-Programm „Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit – exceed“ mit einer Laufzeit von fünf Jahren (2020-2024).

    Mit den Geldern werden der wissenschaftliche und fachliche Austausch über die Etablierung eines Hochschul-Netzwerkes zur Behandlung von Drogenabhängigen mit Sozialer Arbeit gefördert. Die Kooperation erfolgt mit Hochschulen in den zentralasiatischen Ländern Kirgisische Republik, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan sowie der Volksrepublik China.

    In den genannten zentralasiatischen Ländern ist die Häufigkeit des Opiatkonsums – also der Konsum von Heroin und ähnlichen Drogen – doppelt so groß wie in Europa. In China gibt es fast 5 Millionen Opiatkonsumenten und -konsumentinnen – zwar eine geringe Zahl bezogen auf die Gesamtbevölkerung, aber als absolute Zahl ein enormes Problem für das Gesundheitswesen (zum Vergleich: in Deutschland gab es 2016 etwa 166.000 Opiatabhängige). Hinzu kommt, dass die Abhängigen in Zentralasien und der Volksrepublik China wegen repressiver Drogengesetze oft langjährige Haftstrafen absitzen und dass Polizei und Justiz nicht gut mit Gesundheitsdiensten kooperieren – das fördert den Ausschluss der Betroffenen aus der Gesellschaft. Die hohen Abhängigenzahlen in diesen Ländern sind unter anderem auf die Nähe zu Afghanistan mit seinen großen Opiumanbau und -handelstrukturen zurückzuführen: „Usbekistan und Tadschikistan grenzen direkt an Afghanistan, die Volksrepublik China, die Kirgisische Republik und Tadschikistan liegen auch relativ nahe. Von Afghanistan werden in großen Mengen Opium, Heroin, Cannabis und neuerdings Designerdrogen wie Ecstasy durch oder in die genannten Länder geschmuggelt“, erläutert Prof. Stöver. „Die zunehmende Zahl der Drogenabhängigen dort trägt zur Erhöhung der gesellschaftlichen Instabilität, der Korruption und der Unterminierung volkswirtschaftlicher Stabilität bei. Hinzu kommt, dass Soziale Arbeit als zentraler Bestandteil der Hilfen wie in Deutschland in den fünf Ländern weder in der universitären Ausbildung noch in der Praxis angeboten wird.“ In Deutschland wird davon ausgegangen, dass die Soziale Arbeit den größten Anteil an einer erfolgreichen Überwindung der Abhängigkeit hat.

    Hier setzt Stövers Projekt an: In seinem Rahmen werden 15 Nachwuchswissenschaftler/-innen (je drei pro Partnerland) gefördert, die über die Soziale Arbeit in ihrem Herkunftsland promovieren. Außerdem soll in jedem dieser Länder eine PostDoc-Stelle geschaffen werden, die sich vertieft mit Themen im Kontext „Soziale Arbeit und Drogenabhängigkeit/-therapie“ beschäftigt. Zusätzlich werden Austauschtreffen finanziert, die abwechselnd in den fünf Ländern stattfinden und bei denen Themen aus dem Bereich Drogenabhängigkeit, Infektionskrankheiten (wie z.B. HIV/AIDS und Hepatitis) und psychosoziale Betreuung bearbeitet werden. Die Doktoranden- und PostDoc-Stellen werden an Hochschulen eingerichtet, mit denen bereits Kontakte bestehen. Diese sollen zu Hochschulpartnerschaften untereinander, aber auch mit der Frankfurt UAS ausgebaut werden.

    Auch eine E-Learning-Plattform mit Kursen zur Sozialen Arbeit mit Drogenabhängigen und Suchtkranken soll aus den Mitteln des Projekts aufgebaut werden. Darüber hinaus sollen in den fünf Partnerländern Curricula für Studiengänge basierend auf dem Masterstudiengang „Soziale Arbeit und Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe“ der Frankfurt UAS entwickelt werden. Außerdem werden Aufenthalte der asiatischen Nachwuchswissenschaftler/-innen an der Frankfurt UAS und zur Feldforschung in Frankfurt und Berlin sowie zur Teilnahme an internationalen fachrelevanten Konferenzen gefördert. Schließlich wird an der Frankfurt UAS ein Programm für drei Doktoranden und auch eine PostDoc-Stelle aus den Projektmitteln gefördert.

    Die im Projekt arbeitenden Wissenschaftler/-innen sollen zu Multiplikatoren werden und so moderne und effektive Suchtpräventionsstrategien sowie die Substitutionsbehandlung für Drogenabhängige – also die Behandlung mit Ersatzstoffen wie Methadon statt Heroin – in ihren Heimatländern zu verbreiten helfen.

    „Die Soziale Arbeit direkt mit dem abhängigen Menschen mit der Substitutionsbehandlung ist in meinen Augen die erste Wahl bei der Suchtbekämpfung“, ergänzt Stöver. „In Zentralasien und China ist sie aber kaum verbreitet. Umso mehr freue ich mich, dass wir mit dem größten Projekt meiner Karriere in diesen Ländern durch unsere Multiplikatoren ein großes Stück weiterkommen dürften.“

    Das Projekt trägt auch zur Erreichung der UN-Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung bei. Das gilt für die Ziele Gesundheit, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit (medizinische Berufe und Sozialarbeit haben – außer in Tadschikistan – eine „weibliche“ Dominanz, die Leitungsstrukturen sind aber männlich) und Verringerung von Ungleichheit (Suchterkrankungen sind auch ein Phänomen sozialer Ungleichheiten und von Armut). Außerdem ergänzt dieses Projekt das Projekt „InBeAIDS – Infektionsprophylaxe und Behandlung von HIV/AIDS und Hepatitis unter injizierenden Drogenkonsumenten in Zentralasien und der Anteil der Sozialen Arbeit in der Suchthilfe daran“, das auch vom Lehrstuhl von Professor Stöver durchgeführt wurde. Finanziert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

    Weitere Informationen zu Prof. Dr. Heino Stöver unter http://www.fachbereich-4-soziale-arbeit-gesundheit/kontakt/professor-innen/heino-stover/.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit, Prof. Dr. Heino Stöver, Telefon: +49 69 1533-2823, E-Mail: hstoever@fb4.fra-uas.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, jedermann
    Gesellschaft
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


    Prof. Dr. Heino Stöver


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