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16.01.2020 12:07

Reisende im Auftrag der Stadt: Monographie der Universität Göttingen zu Göttingens Boten und Gesandten im Mittelalter

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

    Sie hielten Kontakt zur weiten Welt und waren fortlaufend in Gefahr – sie mussten über eine eiserne Konstitution verfügen und wurden nach Meilen bezahlt: die Göttinger Stadtboten im Mittelalter. Dr. Dieter Neitzert vom Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen hat diese erforscht. Mit seinem nun erschienen Buch „Göttinger Boten und Gesandte. Reichweite und Intensität städtischer Kommunikation zwischen 1400 und 1450“ dokumentiert er erstmals einen wichtigen Zeitraum in der Kommunikationsgeschichte der Stadt Göttingen.

    Boten und Gesandte verbanden die Stadt Göttingen mit den benachbarten Städten und Adligen, dem Landesherrn und dem König. Die gering bezahlten Boten liefen auch weite Strecken meist zu Fuß. Die berittenen Gesandten und Ratsbeauftragte waren in der Regel befugt, die Stadt bei auswärtigen Verhandlungen rechtskräftig zu vertreten, zum Beispiel bei Fragen der Hanse. Neitzert analysiert zahlreiche Fragen aus der Alltagsgeschichte und stellt zugleich ein Stück administrativen Alltags dar.

    Wichtig war das Zeichen der Boten, nämlich das auf der Brust getragene Wappen, das sie als von der Stadt geschützte Personen auswies. Dies schützte sie zwar häufig, aber nicht immer, wie der Göttinger Bote Tile Quentin erleben musste, als er 1440 im Auftrag des Göttinger Rates durch Moringen reiste. Dort warfen ihn die Moringer in einen Wassergraben und wollten ihn ertränken. „Angesichts der vielen Tausend Botengänge der Stadt gab es aber erstaunlich wenige Zwischenfälle“, erläutert Neitzert, „auch wenn Boten sich auf ihren Wegen einmal verletzten oder selten an Erschöpfung starben.“

    Neitzert hat im Zeitraum zwischen 1401 und 1450 über 13.000 Botenläufe und mehr als 1000 Botenritte untersucht. „Die Stadtrechnungen aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlauben eine recht genaue Darstellung des Nachrichtenverkehrs; die hieraus erstellten Karten zeigen die Ausdehnung des städtischen Kommunikationsraums“, sagt der Historiker. Die Zielorte städtischer Nachrichten und die Herkunft fremder Boten veranschaulichen die Stellung der Stadt zwischen noch bestehender Abhängigkeit vom Landesherrn und sich entwickelnder Autonomie. Neitzert hat damit das politische, personale und kommunikative Netzwerk Göttingens exemplarisch beschrieben. Die Monographie bildet daher einen überaus gewichtigen Baustein für die Geschichte der Stadt Göttingen im Mittelalter.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Dieter Neitzert
    Georg-August-Universität Göttingen
    Institut für Historische Landesforschung
    Heinrich-Düker-Weg 14, 37073 Göttingen
    Telefon: 0551 3924346
    dneitze@gwdg.de


    Originalpublikation:

    Dieter Neitzert. Göttinger Boten und Gesandte. Reichweite und Intensität städtischer Kommunikation zwischen 1400 und 1450. Göttinger Forschungen zur Landesgeschichte Band 22 Bielefeld, Verlag für Regionalgeschichte 2019


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Die gering bezahlten Boten liefen auch weite Strecken meist zu Fuß (Nachbearbeitung eines Nürnberger Drucks von ca. 1520 von Hans Guldenmund).


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