Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2020: Arbeiten aus der Chemie und Japanologie ausgezeichnet

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20.01.2020 14:42

Studienstiftung vergibt Promotionspreise 2020: Arbeiten aus der Chemie und Japanologie ausgezeichnet

Britta Voß Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Studienstiftung des deutschen Volkes

    Bonn, 20. Januar 2020. Die Promotionspreise der Studienstiftung gehen 2020 an den Chemiker Michael Kathan und den Japanologen Harald Kümmerle. Die Nachwuchswissenschaftler erhalten je 5.000 Euro für ihre mit Bestnote abgeschlossenen Arbeiten. Beide Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 22. Juni 2020 verliehen.

    Die Jury des Friedrich Hirzebruch-Preises für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften prämiert Michael Kathans Erforschung neuer chemischer Konzepte, in denen Lichtenergie eingesetzt wird, um beispielsweise die Synthese und Materialbeschaffenheit von Kunststoffen zu steuern.

    Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften geht an Harald Kümmerle für seine Dissertation zur Institutionalisierung der Mathematik als Wissenschaft im Japan der Meiji- und Taishō-Zeit, die einen wichtigen Beitrag zur Japanologie sowie zur globalen Wissen(schaft)sgeschichte leistet.

    „Die Studienstiftung zeichnet zwei Arbeiten aus, die in ihrem jeweiligen Gebiet ganz neue Perspektiven eröffnen“, sagt Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung. „Zu verstehen, wie Wissen in einer modernen Welt zirkuliert oder sich die chemischen Eigenschaften alltäglich genutzter Kunststoffe nachhaltiger gestalten lassen, liefert innovative Antworten auf sehr grundlegende wissenschaftliche, aber auch dringliche gesellschaftliche Fragen.“ Die prämierten Dissertationen zeigten beispielhaft, wie durch die individuelle Förderung besonders begabter und engagierter junger Menschen Freiräume für innovative und hochrelevante Forschung entstehen.

    Für die Promotionspreise 2020 wurden insgesamt 65 Projekte eingereicht. Voraussetzung für die Bewerbung ist eine mit „summa cum laude“ oder „Auszeichnung“ bewertete Promotion. Über die Vergabe der Preise entscheiden zwei Jurys aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

    Die Studienstiftung vergibt die mit je 5.000 Euro dotierten Promotionspreise seit 2014. Mit den Auszeichnungen werden außergewöhnliche akademische Leistungen von Stipendiatinnen und Stipendiaten sichtbar gemacht.

    Der Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis erinnert an den 2012 verstorbenen Bonner Mathematiker, ein langjähriges Ehrenmitglied des Kuratoriums der Studienstiftung, und wird für exzellente Dissertationen in der Mathematik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften vergeben.

    Der Johannes Zilkens-Promotionspreis für herausragende Arbeiten in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist nach dem langjährigen Ehrenpräsidenten der Studienstiftung und Gründungsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Studienstiftung benannt.

    Beide Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 22. Juni 2020 in Berlin verliehen. Die Preisgelder tragen der Verein „Freunde und Förderer der Studienstiftung des deutschen Volkes“ und die „Theodor Pfizer Stiftung zur Unterstützung der Studienstiftung“.

    Die Preisträger im Überblick:

    Michael Kathan wird für seine Dissertation „Photoswitching Reactivity: From remote-controlled to light-driven chemical systems” im Fach Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis 2020 ausgezeichnet.

    In innovativer Weise nutzt er Licht als Werkzeug, um den Verlauf chemischer Reaktionen kontrollieren und Materialeigenschaften steuern zu können. Dreh- und Angelpunkt der Dissertation von Michael Kathan ist die Entwicklung des Konzeptes der „Photo-Umpolung“, bei der das chemische Verhalten von Molekülen durch das dosierte Bestrahlen mit Licht verschiedener Farben grundlegend verändert werden kann. Die Jury hob in ihrer Begründung hervor, dass es Kathan in beeindruckender Weise gelänge, den Bogen von den physikochemischen Grundlagen über die Herstellung intelligenter Materialien bis hin zu neuen, nachhaltigen Konzepten zu spannen, die gesellschaftlich relevante Fragen aufgreifen. So eröffnet seine Forschung den Zugang zu kostengünstigen Sensormaterialien, die etwa den Frischezustand leicht verderblicher Lebensmittel anzeigen. Der lichtgesteuerte Auf- und Abbau von Kunststoffmaterialien verspricht zudem Fortschritte im Bereich des nachhaltigen Recyclings von Mischungen verschiedener Plastikprodukte.

    Michael Kathan studierte Chemie an der Freien Universität Berlin und ETH Zürich. Nach seinem Masterabschluss an der Freien Universität Berlin begann er, gefördert durch die Studienstiftung, seine Doktorarbeit 2015 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit dem Abschluss seiner Dissertation im Januar 2019 arbeitet Michael Kathan als Postdoktorand an der Universität Groningen, Niederlande. Kathans Forschung führte bereits zu mehreren Publikationen in einschlägigen Fachmedien.

    Harald Kümmerle erhält den Johannes Zilkens-Promotionspreis für seine Dissertation „Die Institutionalisierung der Mathematik als Wissenschaft im Japan der Meiji- und Taishō-Zeit“, die er in der Japanologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg anfertigte.

    Seine Arbeit zeichnet die Entwicklung des Faches Mathematik in Japan zwischen 1868 und 1926 nach und trägt zur Erklärung der dynamischen Modernisierung der japanischen Gesellschaft bei. Kümmerles Forschung beeindruckte die Jury durch die Breite und Vielfalt der erschlossenen Quellen: von Selbstzeugnissen über Vorlesungsmitschriften und Publikationen bis hin zu statistischem Material. Weiterhin hob die Jury hervor, dass die Analyse einen eindrucksvollen Brückenschlag zwischen Mathematik, Japanologie und Sozialwissenschaften herstelle. Dank der hohen mathematischen wie philologischen Kompetenz Kümmerles werde die erforderliche Übertragungsleistung zur Etablierung der Mathematik als Wissenschaft in Japan herausgearbeitet. Die Jury würdigte insbesondere die von Kümmerles Arbeit ausgehenden wichtigen Impulse zur Weiterentwicklung der Japanologie sowie, darüber hinaus, für das Verständnis der Entwicklung von Wissenschaftsstandorten und der Organisation von Wissenstransfer.

    Harald Kümmerle studierte von 2006 bis 2011 Mathematik an der Technischen Universität München und nahm von 2011 bis 2013 am Japanprogramm der Studienstiftung teil, das er mit einem Doppelmaster an der Keio University Tokio sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abschloss. Ebenfalls in Halle nahm Kümmerle ab 2013 sein Dissertationsprojekt auf, das er im Januar 2019 verteidigte. 2014 /2015 verbrachte Kümmerle als Research Fellow an der Keio University Tokio. Sowohl während seines Studiums als auch während der Promotion erhielt er ein Stipendium der Studienstiftung. 2019 forschte und lehrte Kümmerle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und Japanologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie als Postdoc-Stipendiat am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio. Seit Anfang 2020 hat Kümmerle hier eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter inne.


    Weitere Informationen:

    https://www.studienstiftung.de/auszeichnungen/promotionspreise/ Weitere Informationen zu den Promotionspreisen der Studienstiftung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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