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12.02.2020 15:12

TU Berlin: Ökobilanz für ein weißes Baumwoll-T-Shirt

Stefanie Terp Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
Technische Universität Berlin

    Der Lebensweg eines T-Shirts und seine Auswirkungen auf die Umwelt

    Im Auftrag des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW) erstellten TU-Wissenschaftler*innen eine Ökobilanz für ein weißes Baumwoll-T-Shirt

    Das 44-malige Waschen und Trocknen eines weißen Baumwoll-T-Shirts trägt genauso viel zum Treibhauspotenzial und zur potenziellen Wasserverknappung bei wie dessen Herstellung, Vertrieb und Entsorgung. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Der Lebensweg eines T-Shirts – eine Ökobilanz“, die am TU-Fachgebiet Sustainable Engineering im Auftrag des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) durchgeführt wurde. Das Fachgebiet wird von Prof. Dr. Matthias Finkbeiner geleitet.

    In der Studie untersuchten Dr.-Ing. Annekatrin Lehmann und Dr. Martin Roffeis die Umweltauswirkungen eines handelsüblichen weißen, 150-Gramm schweren Baumwolle T-Shirts, das nicht in Europa hergestellt, aber in Deutschland gekauft und nach 44-maligem Waschen und Trocknen entsorgt wird. Die ökobilanzielle Bewertung des T-Shirts erfolgte auf der Grundlage eines eigens erstellten Lebenswegmodells. Dieses bildet den gesamten Lebensweg eines in Deutschland genutzten weißen aus Baumwolle hergestellten T-Shirts ab: von der Nutzung stofflicher und energetischer Ressourcen für die T-Shirt-Herstellung entlang globaler Produktionsrouten bis hin zur Pflege durch Waschen und Trocknen und der Verwertung und Entsorgung des T-Shirts in Deutschland an dessen Lebenswegende.

    Bei der Abschätzung der spezifischen Umweltauswirkungen des T-Shirts wurden verschiedene Wirkungskategorien berücksichtigt. Dr.-Ing. Annekatrin Lehmann und Dr. Martin Roffeis fokussierten sich dabei insbesondere auf die Wirkungskategorien Treibhauspotenzial, elementarer Ressourcenverbrauch, Versauerungspotenzial, terrestrisches Eutrophierungspotenzial, Ökotoxpotenzial Frischwasser, also die toxische Wirkung, die freigesetzte Stoffe auf im Süßwasser lebende Organsimen entfalten können, Landnutzung sowie das Wasserverknappungspotenzial, also der potenzielle Beitrag zum Verbrauch natürlicher Süßwasserressourcen.

    Die Studienergebnisse zeigen, dass vor allem die Prozesse der Herstellung eines handelsüblichen weißen Baumwoll-T-Shirts – insbesondere die der Herstellung der Baumwolle – und die Wäschepflege Auswirkungen auf die Umwelt haben. So ist etwa gut die Hälfte des Treibhaus- und Wasserverknappungspotenzials auf das 44-malige Waschen und Trocknen des T-Shirts während der durchschnittlichen Lebens- bzw. Tragedauer zurückzuführen. „Die Wäschepflege trägt somit genauso viel zum ermittelten Treibhauspotenzial und potenziellen Wasserverknappung des T-Shirts bei wie dessen Herstellung, Vertrieb und Entsorgung“, sagt Dr. Martin Roffeis. Deutlich geringer ist der Beitrag der Wäschepflege in den Wirkungskategorien Landnutzung und Ökotoxpotenzial Frischwasser. Hier macht das 44-malige Waschen und Trocknen weniger als fünf Prozent der lebenswegbezogenen Umweltauswirkungen des T-Shirts aus. Der Beitrag in den Wirkungskategorien elementarer Ressourcenverbrauch, Versauerungspotenzial, terrestrisches Eutrophierungspotenzial liegt indes bei immerhin noch 15 bis 24 Prozent.

    Interessant ist, dass der relativ hohe Beitrag der Wäschepflege zum ermittelten Treibhaus- und Wasserverknappungspotenzials des T-Shirts maßgeblich auf den Energieverbrauch der Waschmaschine und des Wäschetrockners zurückzuführen ist. Ursache hierfür sind die Energiebereitstellungsprozesse, insbesondere die energetische Nutzung fossiler Brennstoffe wie Braunkohle und Steinkohle, der in der deutschen Bruttostromerzeugung eine wichtige Rolle zukommt. Bei der Verstromung von Kohle werden, neben dem Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase, auch erhebliche Mengen Wasser beansprucht, zum Beispiel für den Betrieb von Turbinen und zur Kühlung von Kraftwerken. Die Waschmittelherstellung trägt zu knapp acht Prozent zum gesamten elementaren Ressourcenverbrauch bei.

    In der Studie wurde davon ausgegangen, dass Verbraucher*innen die Waschmaschine nicht voll, sondern nur mit 3,5 Kilogramm Wäsche befüllen, 55 Milliliter flüssiges Waschmittel pro Waschgang dosieren und nur jede zehnte Waschladung im Wäschetrockner trocknen, den Rest an der frischen Luft. Laut Studie lassen sich jedoch durch Veränderung der Wasch- und Trocknungsgewohnheiten die Auswirkungen auf die Umwelt erheblich beeinflussen. Wer mit 30 Grad Celsius wäscht anstatt mit 60 Grad Celsius verringert das Treibhauspotenzial um etwa 37 Prozent. Und bei voller Beladung mit sieben Kilogramm Wäsche anstatt nur mit halber Beladung, also 3,5 Kilogramm, kann das Treibhauspotenzial um 45 Prozent reduziert werden.

    „Die Ergebnisse unserer Studie machen deutlich, dass der Verbraucher bereits durch die Wäschepflege einen großen Einfluss auf die Umweltauswirkungen seiner Kleidung nehmen kann. „Um beim Waschen und Trocknen im Haushalt die Umweltauswirkungen maßgeblich zu verringern, gilt: Waschen bei niedrigen Temperaturen, genaue Dosierung des Waschmittels, volle Beladung der Waschmaschine und – Wäschetrocknen im Freien“, resümiert Dr. Martin Roffeis.

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Dr. Martin Roffeis
    TU Berlin
    Fachgebiet Sustainable Engineering
    Tel.: 030/314-24340
    E-Mail: martin.roffeis@tu-berlin.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Kooperationen
    Deutsch


     

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