Studie gibt Einblicke zu Fragen der Akzeptanz von Agroforstsystemen in Kirgistan

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20.02.2020 14:40

Studie gibt Einblicke zu Fragen der Akzeptanz von Agroforstsystemen in Kirgistan

Annika Bischof M.A. Hochschulkommunikation
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

    Eine erste Studie über Ansichten der Landwirte zu Agroforstwirtschaft im postsowjetischen Kirgistan macht deutlich, dass es erhebliche Barrieren in Hinblick auf die Einführung von Baum-Windschutzstreifen gibt und die Landwirte mehr Unterstützung benötigen, ihre Skepsis gegenüber dieser Praxis abzubauen. Um die Einführung von Windschutzstreifen auszuweiten, schlagen Forscher kooperative Modelle vor und setzen auf die aktive Unterstützung lokaler Regierungen.

    Die größten Hindernisse für die Einführung von agroforstwirtschaftlichen Windschutzstreifen stellen kleine Parzellengrößen sowie mangelnde Information und Unterstützung durch die Lokalregierung dar. Dies ist das Hauptergebnis einer ersten Studie, die Einstellungen kirgisischer Landwirte zu Windschutzstreifen untersuchte und Möglichkeiten nachging, die Verbreitung dieser Praxis zu befördern. Die Studie zur Wahrnehmung von Windschutzstreifen durch Landwirte in Kirgistan basiert auf einem Projekt, das von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Zusammenarbeit mit dem World Agroforestry Centre (ICRAF) durchgeführt wurde. Sie wurde im Februar dieses Jahres in der Fachzeitschrift Sustainability veröffentlicht.

    Zitat Niels Thevs vom World Agroforestry Centre (ICRAF) in Kirgistan
    “Die Ergebnisse dieser Studie sind relevant, weil der ökosystemare Ansatz für agroforstwirtschaftliche Systeme einen immer größeren Zuspruch findet. Wir stellen nicht nur neue Erkenntnisse über die Herausforderungen bei der Wiedereinführung von Windschutzstreifen dar, sondern zeigen auch klar auf, dass die Anliegen der Bauern erst genommen werden müssen, wenn wir Strategien zur Förderung umweltfreundlichen Verhaltens entwickeln wollen.“

    Zitat Martin Welp, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde:
    “Wie bei so vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung gibt es auch für umweltfreundliches Verhalten vielfältige Hindernisse. Wir müssen diese Barrieren erst einmal verstehen, aber auch überwinden können, indem wir institutionelle Rahmenbedingungen schaffen, die den Weg für die verstärkte Akzeptanz nachhaltiger Praktiken ebnen.”

    Die Pflanzung von Baumreihungen zum Windschutz entlang der Grenzen landwirtschaftlicher Nutzflächen war in der Sowjetunion eine weit verbreitete Form der Agroforstwirtschaft. Das Ackerland relativ großer Kolchosenparzellen wurde so vor Winderosion geschützt. Die Forscher argumentieren, dass solche Schutzgürtel zu einer nachhaltigeren Landnutzung in den semi-ariden, d.h. trockeneren Klimazonen Zentralasiens führen könnten, wobei die Landwirtschaft in dieser Region stark auf Bewässerung angewiesen ist.
    Der Übergang vom größer angelegten Kolchosensystem zur individuellen Landwirtschaft in den 1990er Jahren mit vielen kleinen Parzellengrößen hat jedoch dazu geführt, dass Landwirte nur zögerlich zu der früheren Praxis zurückkehren wollen. Sie nehmen mehr die Nachteile einer solchen Praxis wahr, wie etwa geringere Ernteerträge durch Beschattung, und sind sich der Vorteile dieses Systems gemeinhin nicht ausreichend bewusst.
    Dabei könnte die Wiedereinführung von Agroforstsystemen in Zentralasien, hier im Speziellen die Kombination von agrarischer Produktion mit dem Bau von Windschutzstreifen, Ernteerträge erhöhen, zusätzliche Holzressourcen schaffen sowie die Bodendegradation und Winderosion verringern. Von entscheidender Bedeutung ist daher der Abbau der negativen Wahrnehmung dieser Praxis durch die Landwirte.
    Die Ergebnisse der Interviews mit 80 Landwirten der Regionen Issuk Kul und Jalal Abad haben die Wissenschaftler dennoch zuversichtlich gestimmt. Es lässt sich ableiten, dass sich die eher negative Wahrnehmung durch drei Maßnahmen ändern könnte: Erstens könne man anstatt zwischen einzelnen Landnutzungsflächen um die Ländereien mehrerer einzelner Parzellen herum Windschutzstreifen einrichten. Die Überzeugung der Landwirte diese „kollektivere“ Praxis wieder anzunehmen, würde der Besorgnis um Einkommensverluste durch Beschattung entgegenwirken und Konflikte zwischen direkten Nachbarn mildern. Zweitens, könnten Landwirte mehr Unterstützung durch offizielle Beratungsdienste und Lokalregierungen erhalten, die wiederum ihrerseits besser über die Vorteile agroforstwirtschaftlicher Praktiken informiert werden. Zuletzt könnten Windschutzstreifen modellhaft eingeführt werden, um den Landwirten vor Ort zu demonstrieren, dass sie weitaus mehr Vorteile bringen als einzig zur Bereitstellung von Brennholz oder Baumaterial.

    Über das World Agroforestry Centre (ICRAF)
    World Agroforestry (ICRAF) ist ein Zentrum für wissenschaftliche und entwicklungspolitische Exzellenz, das die Vorteile von Bäumen für Mensch und Umwelt nutzt. Das von ICRAF produzierte Wissen ermöglicht es Regierungen, Entwicklungsorganisationen und Landwirten, die Kraft der Bäume zu nutzen, um die Landwirtschaft und die Lebensgrundlagen in mehrfacher Hinsicht ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger zu gestalten. Die ICRAF ist eines der 15 Mitglieder der CGIAR, eines globalen Forschungskonsortiums für eine nahrungsgesicherte Zukunft.

    Über die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
    Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ist die kleinste Fachhochschu-le in Brandenburg mit rund 2.200 Studenten und 61 Professoren. Nachhaltige Entwicklung stellt den Hauptschwerpunkt und wird konsequent in allen Bereichen der Fachhochschule, d.h. in Lehre, Forschung, Betrieb und Transfer, umgesetzt und partizipativ weiterentwickelt. Die 20 innovativen und zum Teil einzigartigen Studiengänge der vier Fakultäten Wald und Umwelt, Landschaftsnutzung und Naturschutz, Holztechnik und Nachhaltige Wirtschaft haben ein sehr eigenständiges, der nachhaltigen Entwicklung und dem dafür notwendigen gesellschaftlichen Wandel verpflichtetes Profil, das zum Teil einzigartig in Deutschland ist


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Martin Welp
    Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
    Fachbereich Wald und Umwelt
    Fachgebiet Sozioökonomie und Kommunikation
    Tel.: +49 3334 657-172
    Martin.Welp@hnee.de

    Niels Thevs
    World Agroforestry Centre (ICRAF)
    Senior Scientist
    Koordinator Zentralasien Programm
    N.Thevs@cgiar.org
    http://www.worldagroforestry.org/staff/niels-thevs


    Originalpublikation:

    Download-Link zum Artikel (in englischer Sprache):
    Ruppert D., Welp M., Spies M., Thevs N. 2020. Farmers’ Perceptions of Tree Shelter-belts on Agricultural Land in Rural Kyrgyzstan. Sustainability https://doi.org/10.3390/su12031093


    Weitere Informationen:

    http://www.hnee.de/E9439 Weitere Informationen zum Projekt


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Beliebte Schutzgürtel auf den Feldern im Gebiet Jalal Abad Oblast in Kirgisistan


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