Jüdischen Frauen eine Stimme geben
Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin startet Kooperationsprojekt mit der Queen Mary University of London über Sexarbeit, Migration und Menschenhandel
Antisemiten haben die Betätigung von Juden im Sexgewerbe stets für ihre Hasspropaganda missbraucht. Die Zusammenhänge und Verbindungslinien zwischen Antisemitismus und Sexualität, Antisemitismus und Geld, aber auch Antisemitismus und Gefühlen aufzuzeigen, ermöglicht die historiografische Auseinandersetzung mit diesen Themen. Dafür bietet das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin ein ausgezeichnetes wissenschaftliches Umfeld, da es auf eine lange Forschungstradition in den benannten Feldern zurückgreifen kann. Ergänzt wird das Spektrum nun durch das neue Kooperationsprojekt „Jewish Pimps, Prostitutes and Campaigners in a Transnational German and British Context, 1875–1940“ des ZfA und der Queen Mary University of London. Gefördert wird das Forschungsvorhaben von Projektleiter*in Dr. Stefanie Fischer und Dr. Daniel Lee für die kommenden drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Arts and Humanities Research Council (AHRC) mit insgesamt 750.000 Euro.
Im Rahmen des Forschungsprojekts werden die Historiker*innen erstmals die Geschichte von Juden als Zuhälter, Prostituierte und Frauenrechtler*innen im Kontext von Migration untersuchen. Mit einem transnationalen Zugang sollen neue Erkenntnisse über die Globalgeschichte einer „sexual economy“ gewonnen werden. Im Zentrum der Untersuchungen stehen dabei die Frauen und deren Lebenswelten in der Zeit 1875 bis 1940, wofür bislang von der Forschung vernachlässigte Quellenbestände in britischen, deutschen und internationalen Archiven ausgewertet werden sollen. „Um die Komplexität von Sexarbeit historisch zu ergründen, gibt unser Forschungsprojekt den Frauen eine Stimme, die bislang als verstummt galten“, so Dr. Stefanie Fischer, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZfA: „Damit wollen wir die vielschichtigen Verbindungen zwischen Sexarbeit, Migration und Menschenhandel aufzeigen.“ Die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ergänzt: „Das Forschungsprojekt trägt durch seinen konsequent geschlechtergeschichtlichen Blick dazu bei, vermeintliche Gewissheiten über Jüdinnen und Juden als Zuhälter oder Prostituierte und damit die Wirkungsmacht der damit verknüpften antisemitischen Phantasien zu analysieren. Es eröffnet so auch für die deutsch-jüdische Geschichte neue Perspektiven und Chancen.“
Aus der bi-nationalen Kooperation zwischen Berlin und London erhoffen sich die beiden Projektleitenden weiterführende Erkenntnisse über die historisch-europäischen Verflechtungen im Sexgewerbe. Die Zusammenarbeit zwischen der TU Berlin und der Queen Mary University of London soll außerdem dazu beitragen, das Projekt über die Wissenschaft hinaus bekannt zu machen und zusammen mit externen Partnerorganisationen sowie NGOs auf den gegenwärtigen Diskurs über Frauenhandel und Sexarbeiterinnen einzuwirken.
Weiteres zum Vorhaben: https://www.qmul.ac.uk/media/news/2020/hss/queen-mary-historian-secures-major-fu...
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Dr. Stefanie Fischer
TU Berlin
Zentrum für Antisemitismusforschung
Tel.: +49 (0)30 314 25489
E-Mail: s.fischer@tu-berlin.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Geschichte / Archäologie, Gesellschaft
überregional
Forschungsprojekte, Kooperationen
Deutsch
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