DGKN-PK: Wann ist ein Mensch „hirntot“? Moderne Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

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04.03.2020 13:52

DGKN-PK: Wann ist ein Mensch „hirntot“? Moderne Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    Wann ist ein Mensch „hirntot“?
    Moderne Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

    Wann ist ein Mensch hirntot? Die zweifelsfreie Klärung dieser Frage ist eine wesentliche Voraussetzung für die postmortale Organspende. Auch für die Beurteilung von Komapatienten ist die Hirntod-Diagnostik essenziell: Gibt es noch eine Chance auf ein Wiedererwachen oder ist die Gehirnfunktion irreversibel verloren? Da diese Fragen den Grenzbereich zwischen Leben und Tod betreffen und somit hochsensibel sind, gelten bundesweit einheitliche Verfahrensregeln, nach denen der Hirntod festgestellt wird.

    Diese zählen zu den strengsten der Welt, wie die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) anlässlich der aktuellen Debatte um die Organspende betont. Die Hirntod-Diagnostik ist auch eines der Themen auf der Pressekonferenz zur 64. Jahrestagung der DGKN am Donnerstag, den 26. März 2020 in Baden-Baden.

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    Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) waren es im vergangenen Jahr hierzulande 932 Menschen, denen im Rahmen der postmortalen Organspende Organe für die Transplantation entnommen wurden. In all diesen Fällen wurde zuvor von mindestens zwei unabhängigen Ärzten der irreversible Hirnfunktionsausfall, wie der Hirntod offiziell heißt, festgestellt. „Neben dieser Doppelbefundung gelten in Deutschland weitere Qualitätsstandards, die im internationalen Vergleich besonders hoch sind“, sagt Professor Dr. med. Uwe Walter, Vorsitzender der Hirntodkommission der DGKN und Stellvertretender Klinikdirektor der Universitäts-Klinik und Poliklinik für Neurologie in Rostock. So müssten alle an der Untersuchung beteiligten Ärzte Fachärzte sein und über mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von akuten schweren Hirnschädigungen verfügen. Mindestens einer der beurteilenden Mediziner muss zudem ein Facharzt der Neurologie, Neurochirurgie oder Neuropädiatrie sein.

    Auch der Ablauf der Hirntod-Diagnostik ist in der Richtlinie, die der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer (BÄK) bereits 1982 formuliert und seitdem mehrfach aktualisiert hat, detailliert geregelt. In einem ersten Schritt soll demnach geklärt werden, ob überhaupt die Voraussetzungen für einen Hirntod vorliegen – das heißt, ob eine schwere Hirnschädigung durch Trauma, Infarkt, Blutung, Sauerstoffmangel oder andere Ursachen existiert. Anschließend werden die klinischen Symptome des Hirnfunktionsausfalls überprüft, zu denen neben dem Koma auch das Fehlen verschiedener Reflexe, das Ausbleiben einer Reaktion auf bestimmte Schmerzreize, sowie das Fehlen der Spontanatmung zählen. In einem dritten Schritt muss geklärt werden, ob diese Ausfälle irreversibel sind. „Das kann entweder durch eine erneute Untersuchung nach einer vorgegebenen Zeitspanne geschehen oder durch eine zusätzliche Diagnostik, die mit Hilfe von Apparaten durchgeführt wird“, erklärt Walter. Diese apparativen Verfahren kämen auch dann zum Einsatz, wenn einzelne klinische Symptome des Hirnfunktionsausfalls nicht überprüft werden könnten; bei Kindern unter zwei Jahren sowie bei bestimmten Formen der Hirnschädigung seien sie zwingend vorgeschrieben.

    Zu den apparativen Untersuchungen zählt zuvorderst die Aufzeichnung einer Hirnstromkurve (Elektroenzephalogramm EEG); diese zeigt im Falle des Hirntodes keinerlei Aktivität. Zudem kann der Nachweis auch über das Fehlen jeglicher Hirndurchblutung geführt werden, beispielsweise mit Ultraschall (Dopplersonografie). „An diese apparativen Verfahren werden in Deutschland höchste Anforderungen gestellt, die von der DGKN regelmäßig überprüft und bei Bedarf aktualisiert werden“, sagt Walter. Dass die BÄK-Richtlinie im internationalen Vergleich sehr streng ist, zahle sich aus und mache die Hirntod-Diagnostik in Deutschland ausgesprochen sicher: „In den fast 40 Jahren seit Bestehen der Richtlinie ist bei konsequenter Anwendung noch keine einzige Fehldiagnose bekannt geworden“, so der DGKN-Experte.

    *** Bei Abdruck Beleg erbeten ***

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    Terminhinweise

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    Kongress-Pressekonferenz zur
    64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) in Baden-Baden

    Termin: Donnerstag, 26. März 2020, 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr
    Ort: Sitzungsraum 13, Kongresshaus Baden-Baden
    Anschrift: Augustaplatz 10, 76530 Baden-Baden

    Vorläufige Themen und Referenten:

    Stummen und Gelähmten eine Stimme geben – „Brain-Computer-Interface“ übersetzt Hirnsignale in Sprache: State of the Art
    Prof. Dr. med. Ulf Ziemann, Kongresspräsident der 64. Jahrestagung der DGKN, Präsident der DGKN, Zentrum für Neurologie, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen, Tübingen

    Halbseitige Lähmung nach Schlaganfall: Bewegung neu lernen mit innovativer nicht-invasiver Hirnstimulation (Transkranielle Magnetstimulation (TMS)) des Gehirns
    Dr. Christoph Zrenner, Neurologe und Laborleiter in der Forschergruppe Prof. Ulf Ziemann, am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Tübingen

    und Patient der TMS-Ambulanz Tübingen, der von seinem Schlaganfall berichtet

    Bewegungsstörungen, Epilepsien und andere Kanalerkrankungen: Innovative Präzisionsmedizin zeigt erste Erfolge
    Prof. Dr. med. Holger Lerche, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Universität Tübingen

    Wann ist ein Mensch „hirntot“? Moderne Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls
    Prof. Dr. med. Uwe Walter, Stellvertretender Klinikdirektor, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Rostock
    Vorsitzender der Hirntodkommission der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN)

    Moderation: Dr. Adelheid Liebendörfer, DGKN-Pressestelle, Stuttgart

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    Vorab-Pressekonferenz zur
    7th International Conference on Non-Invasive Brain Stimulation (NIBS) und 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN)

    Hirnstimulation mit und ohne Operation - Fortschritte in der Diagnostik und Therapie bei Schlaganfall, Bewegungsstörungen und Depressionen

    Termin: Montag, den 23. März 2020, 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr
    Ort: Langenbeck-Virchow-Haus, Raum 3.18
    Anschrift: Luisenstraße 59, 10117 Berlin

    Vorläufige Themen und Referenten:
    Hoffnung für Schlaganfall-Patienten: Forscher entwickeln einen Helm, der Netzwerke des Gehirns gezielt von außen stimuliert
    Prof. Dr. med. Ulf Ziemann, Kongresspräsident der 64. Jahrestagung der DGKN, Präsident der DGKN, Zentrum für Neurologie, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen, Tübingen

    Therapeutischer Einsatz der tiefen Hirnstimulation bei Bewegungsstörungen: EEG-Messungen ermöglichen Stimulation zur richtigen Zeit und mit höherem Effekt
    Prof. Dr. med Andrea Kühn, Leiterin der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation am Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Schonende Hirnstimulation bei Depression: Neue Ansätze für die individualisierte Behandlung
    Prof. Dr. med. Frank Padberg, Leiter der Sektion für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwigs-Maximilians-Universität München

    Moderation: Katharina Weber, DGKN-Pressestelle, Stuttgart

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    In diesem Jahr bündelt sich die wissenschaftliche und klinische Kompetenz in der klinischen Neurophysiologie zwischen dem 24. und 28. März 2020 in Baden-Baden. Zunächst, vom 24. bis 26. März 2020, findet dort die weltweit wichtigste Konferenz zur nichtinvasiven Hirnstimulation, die 7th International Conference on Non-Invasive Brain Stimulation (NIBS), statt. Sie überlappt sich mit der ebenfalls in der Kurstadt vom 26. bis 28. März 2020 veranstalteten 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung e. V. (DGKN). Weitere Informationen: http://www.dgkn-kongress.de

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    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle DGKN
    Katharina Weber
    Heinke Schöffmann
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-173 und -583
    Fax: 0711 8931-167
    weber@medizinkommunikation.org
    schoeffmann@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.dgkn-kongress.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Pressetermine
    Deutsch


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