Ratten können den Hunger riechen – Studie klärt, wie die Nagetiere entscheiden, einander zu helfen

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25.03.2020 09:37

Ratten können den Hunger riechen – Studie klärt, wie die Nagetiere entscheiden, einander zu helfen

Antje Horn-Conrad Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Potsdam

    Wanderratten duften anders, wenn sie hungrig sind, als wenn sie satt sind. Anhand dieser Geruchsinformationen entscheiden die Nagetiere, hungrigen Artgenossen schneller zu helfen, an Futter zu kommen, als den satten Tieren. Dies zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universitäten Bern, Neuchâtel und Potsdam, die jetzt im Open Access Journal PLOS Biology publiziert wurde.

    Sie teilen miteinander das Futter oder putzen sich gegenseitig das Fell: Wanderraten sind sehr soziale Tiere. Sie helfen sich aber nicht bedingungslos. Die Nager wägen zuerst Kosten und Nutzen ab. Sie helfen sich also reziprok – gemäß dem Motto „Wie Du mir, so ich Dir“. Um an Futter zu kommen, „betteln“ Wanderratten bei ihren Artgenossen mit Rufen und Gesten. Diese Kommunikationsform macht aber eine Priorisierung schwierig: Wer hat wirklich Hunger und benötigt dringend Futter, und wer täuscht nur vor und versucht, nur noch mehr Futter einzuheimsen? Eine verlässlichere Information ist in diesem Fall der Geruch der bettelnden Ratte. Denn hungrige Ratten riechen offenbar anders als satte Tiere.

    In der jetzt veröffentlichten Studie zeigen Forschende der Universität Bern und der Universitäten Neuchâtel und Potsdam, dass Ratten anhand von Geruchsinformationen entscheiden, wie schnell sie welchen Artgenossen helfen, an Futter zu kommen.
    In einem Experiment versorgten die Forschenden Ratten mit Geruchssignalen entweder von hungrigen oder satten Artgenossen, die sich in einem anderen Raum befanden. Die Ratten konnten anschließend einer anderen anwesenden Ratte Hilfe leisten, schneller an Futter zu kommen, indem sie ein Tablett mit Futter zu dieser hinzogen. „Wir stellten fest, dass die Ratten schneller Hilfe leisteten, wenn sie Geruchssignale von einer hungrigen Ratte erhielten als von einer satten Ratte“, erklärt Karin Schneeberger, die diese Studie in der Ethologischen Station Hasli der Universität Bern, unter der Leitung von Prof. Michael Taborsky vom Institut für Ökologie und Evolution, durchgeführt hat und jetzt als Post-Doc an der Universität Potsdam an Wühlmäusen forscht.

    Gregory Röder von der Universität Neuchâtel analysierte die Luft in der Umgebung der Ratten. Er konnte sieben verschiedene flüchtige organische Verbindungen identifizieren, die je nachdem entweder bei einer hungrigen oder einer satten Ratte häufiger vorkamen. Diese Geruchssignale könnten direkt von kürzlich aufgenommenen Nahrungsquellen, von Stoffwechselprozessen bei der Verdauung, oder von einem mutmaßlichen Pheromon stammen, das Hunger anzeigt. „Im Gegensatz zu Rufen und Gestik ist es unwahrscheinlich, dass die Ratten diese Gerüche zu ihrem Vorteil steuern und somit die anderen täuschen können. Damit stellen sie für die Artgenossen ,ehrliche Information’ bereit, auf die sie sich verlassen können bei der Entscheidung, wie schnell sie ihnen helfen wollen“, so Schneeberger.

    Angaben zur Publikation:
    Schneeberger K, Röder G, Taborsky M (2020) The smell of hunger: Norway rats provision social partners based on odour cues of need. PLoS Biol 18(3): e3000628. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000628
    https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3000628

    Kontakt Universität Potsdam:
    Dr. Karin Schneeberger, Institut für Biologie und Biochemie, AG Tierökologie
    Telefon: +49 331 977 19 27 / +49 175 664 1554
    E-Mail: schneeberger@uni-potsdam.de

    Kontakt Universität Bern:
    Prof. Michael Taborsky, Institut für Ökologie und Evolution, Verhaltensökologie
    Telefon: +41 31 631 91 56 / +41 31 631 30 14
    E-Mail: michael.taborsky@iee.unibe.ch

    Medieninformation 25-03-2020 / Nr. 036
    Antje Horn-Conrad

    Universität Potsdam
    Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Am Neuen Palais 10
    14469 Potsdam
    Tel.: +49 331 977-1474
    Fax: +49 331 977-1130
    E-Mail: presse@uni-potsdam.de
    Internet: www.uni-potsdam.de/presse


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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